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Enquete: Freigabe der Forststraßen

Foto (c) Grüner Parlamentsklub

 

Die Grünen haben gestern, Montag, zu einer “Enquete” im Parlament geladen. Thema: Freigabe der Forststraßen für Mountainbiker. Mit dabei: Die Grünen sowie je ein Vertreter von Alpenverein, Forstverein, upmove, Österreich Werbung, eine Wildbiologin sowie ein Jurist mit Schwerpunkt Freizeitrecht.

 

Dass wir in Österreich über eine Freigabe der Forststraßen – Wanderwege werden hier außen vor gelassen – diskutieren, ist im Hinblick auf die Situation in den Nachbarländern etwas grotesk. In der Schweiz wird die Gleichberechtigung und der gegenseitige Respekt von Wanderer und Mountainbikern gelehrt, während man hierzulande selbst nicht einmal legal auf befestigten Straßen durch den Wald cruisen darf. So ist die Situation und deshalb ist es gut, dass darüber gesprochen wird. Damit sich jeder ein Bild von den Standpunkten der verschiedenen Diskussionspartner machen kann, haben wir nachfolgend die Statements der Enquete-Teilnehmer aufgeführt:

Georg Willi, Tourismussprecher der Grünen

Wir haben in Österreich rund 800.000 MountainbikerInnen und es werden mehr. Für uns Grüne ist es daher notwendig für diese größere werdende Gruppe die Forststraßen zu öffnen, damit die MountainbikerInnen – Einheimische wie TouristInnen – unsere schöne Landschaft voll genießen können. Alle die im Wald Erholung suchen und Kraft tanken wollen, sollen das auch tun können. Wir wollen, dass mehr RadlerInnen nach Österreich kommen, denn der Sommertourismus gewinnt im Vergleich zum Wintertourismus enorm dazu. Vorbild für die Öffnung der Forststraßen ist unser Nachbarland Schweiz. Für die Öffnung brauchen wir einen politischen Konsens, zwischen jenen, denen der Wald gehört und jenen, die ihn zur Erholung nutzen wollen.“

Dieter Brosz, Sportsprecher der Grünen

Die 40 Jahre alten Regelungen im Forstgesetz sind nicht mehr zeitgemäß. Damals, 1975, wurde das Wandern, Spazierengehen und Skifahren auf Forststraßen erlaubt, das Mountainbiken aber nicht. Der simple Grund: Damals gab es noch keine MountainbikerInnen. Heute, 2016, sollten wir dafür sorgen, dass die Erholungssuchenden in unseren Wäldern ihren Sport ungehindert ausüben können. Dafür haben wir bereits einen Antrag ins Parlament eingebracht.“

Dr. Andreas Ermacora, Präsident Österreichischer Alpenverein

Der touristische und gesundheitliche Aspekt des Mountainbikens ist unbestritten. Es ist an der Zeit, dass die Politik Regelungen für eine Öffnung der Forststraßen trifft. Dazu brauchen wir aber nur im Notfall eine gesetzliche Regelung auf Bundesebene. Zuerst sind die Länder dran. Tirol ist bereits mit positivem Beispiel vorangegangen. Ein Großteil der Forststraßen ist öffentlich gefördert, niemand würde durch die Öffnung ‚enteignet‘.“

Präsident DI Mag. Johannes Wohlmacher, Österreichischer Forstverein

Der Österreichische Forstverein ist gemäß Statuten dem Wald verpflichtet. Die biologische Vielfalt des Waldes ist aber gefährdet. Daher sind wir gegen eine generelle Öffnung der Forstwege. Die Mountainbiker selbst sind nur zu einem geringen Teil für die Öffnung, da das Radwegenetz ohnehin gut ausgebaut ist. Die aus Naturschutzgründen schmalen Forststraßen würden die Sicherheit der Radfahrer zudem gefährden, denn ‚Fair Play Regeln‘ werden zu einem großen Teil nicht eingehalten. Die Konsequenz: Das Querfeldeinfahren wird gefördert. Darunter leiden nicht nur die Freizeitsportler, sondern vor allem der Wald und das Tierreich.“

Foto (c) Grüner Parlamentsklub

Links Hr. Wohlmacher vom Forstverein, rechts Georg Willi, Verkehrs- und Tourismussprecher der Grünen. Foto (c) Grüner Parlamentsklub

DDr. Veronika Grünschachner-Berger, Wildbiologisches Büro

Die Gefährdung der Wildtiere wird immer größer, ihr Lebensraum kleiner. Die Tiere beginnen ihr Verhalten zu ändern, je mehr wir Menschen in ihr Lebensumfeld eingreifen. Entlang von Wegen, die Wanderer, Radfahrer und andere Freizeitsportler nutzen, beobachten wir seit Jahren, dass sich die Wildtiere zurückziehen oder sich anders verhalten. ‚Von oben und schnell‘, so wie Mountainbiker wie auch Skifahrer auf die Tiere zukommen, wirkt besonders verschreckend. Wenn wir die Forststraßen öffnen, ginge ein weiterer Teil des Waldes verloren, in dem die Wildtiere derzeit noch ihre Ruhe haben.“

Andreas Pfaffenbichler, Präsident Verein upmove

Alle Einwendungen, von der Beeinträchtigung der Tierwelt über Eigentümerverhältnisse bis hin zur Sicherheit, haben sich im Ausland als unrichtig erwiesen. Gefahren wird in Österreich auch jetzt schon abseits der öffentlichen Strecken. Wenn wir die Forststraßen öffnen, würde sich also gar nichts ändern, das Generalverbot wird jetzt schon nicht eingehalten. Eine Lösung kann nur gemeinsam herbeigeführt werden. Mein Appell daher: Nehmen wir das Radfahren auf Forststraßen hin, auf eigene Gefahr und unter Rücksichtnahme auf Wanderer und andere Freizeitsportler, ganz nach dem Vorbild von Bayern.“

Dr. Wolfgang Stock, Jurist mit Schwerpunkt Freizeitrecht

Die generelle Öffnung aller Forststraßen für das Radfahren läge im öffentlichen Interesse. Die Einschränkung von Eigentümerbefugnissen ist auch für die Forstgesetzgebung nichts Außergewöhnliches. Die andere offene Frage betrifft die Haftung bei Unfällen. Hierfür schlage ich daher vor: Man nimmt die Mountainbiker auf Forststraßen in den Kreis der Haftungsbegünstigten auf, reduziert aber gleichzeitig den Haftungsmaßstab der Waldeigentümer und Forststraßenhalter auf dasjenige Sorgfaltsmaß, das sie bereits jetzt gegenüber den Wanderern an den Tag legen müssen.“

Dr. Petra Stolba, Geschäftsführerin Österreich Werbung

Aus unserer Erfahrung verlangen Mountainbiker in erster Linie Singletrails. Forststraßen dienen eher zum Transport auf den Berg hinauf. Österreich verfügt derzeit über ein rund 27.000 Kilometer langes Mountainbike-Wegenetz. Dieses wird von den Erholungssuchenden sehr gut angenommen. Wir sehen daher keinen weiteren Bedarf an Wegen. Österreich ist im Vergleich zu seinen Nachbarländern hier keineswegs ins Hintertreffen geraten.“

Foto (c) Grüner Parlamentsklub

 

Zum Glück darf jeder sagen was er denkt und will. Nicht einmal wahr muss es sein. Aus diesem Grund müssen wir beim Statement von Herrn Wohlmacher (Forstverein) eine Warnung anbringen: Hier stimmt kein Satz zu 100%, außer einem: “Daher sind wir gegen eine generelle Öffnung der Forstwege.” Der Rest ist falsch, aber ein gutes Beispiel dafür, warum in dieser Thematik so wenig weitergeht.

Christoph Berger-Schauer

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.