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Enduro One Wildschönau

Foto (c) Eva Berger-Schauer

 

Vergangenes Wochenende war die deutsche Rennserie Enduro One zum zweiten Mal Gast in der Tiroler Wildschönau. Höchste Eisenbahn für uns das Rennen mal aus nächster Nähe zu begutachten. Anmeldung abgeschickt, Auto gepackt. Um ehrlich zu sein: ich erwartete eine Veranstaltung à la TrailTrophy. Teure Hobel mit viel Federweg auf flowigen Trails und damit einhergehend eine große Portion Fachsimpelei.

Schon der allererste Eindruck strafte meine Prophezeiung Lügen. Sonst bei Tourismus-Veranstaltungen unerwünscht, war hier ein eigener Parkplatz mitten im Ort für Wohnmobile und Autoschläfer ausgewiesen, noch dazu die Volksschule mit Sanitäranlagen extra für die selbigen aufgesperrt. Ungewohnter Luxus für das Hotel T4. Die zweite Überraschung beim Training auf den Trails. Keine glattgefegten Flow Trails, sondern pure Abwechslung. Die Stages im Schnelldurchlauf:

Stage #1

Steil abfallend unmittelbar nach dem Start mit engen Wanderweg-Serpentinen (für viele zu eng). Wissenstück mit dem Grip einer Duschseife. Dazwischen Forststraßen High-Speed um geradewegs in einen frisch ausgeschnittenen, engen Nadelwald-Wanderweg zu heizen.

Stage #2

Knappe drei Minuten hinhalten. Leicht bergauf. Auf einem Wanderweg mit Pinzgauber-Breite.

Stage #3

Almboden oben. Schnelle Kurven mit ein paar lustigen Sprüngen, danach Wurzelstück.

Stage #4

Abwechslungsreichste Stage mit engen Kurven und schnellen Stücken. Wiesen und wurzeliger Waldboden.

Stage #5

Enger Wanderweg mit kleinen Holzbrücken (die erste davon wurde meiner Wenigkeit gleich zum Verhängnis). Einige Wurzelpassagen.

Stage #6 (und Prolog)

Wie Lakeside Race! Wiesenparcours mit Holzsprüngen. Richtig lustig zu fahren.

 

Der Prolog erinnerte stark ans Lakeside Race.

Damen-Siegerin Raphela Richter kämpft sich durch den Schlamm. Fotos (c) Eva Berger-Schauer

 

Das Rennen war von hinten bis vorne richtig gut organisiert. Der Zielbereich in der Schießhüttelarena mit Prolog-Einfahrt top. Einzig mit Warten verbrachte ich dieses Wochenende relativ viel Zeit. Zuerst bei der Startnummernausgabe (gut, wer spät kommt, ist selber schuld), dann beim Training zu Stage 1 (aufgrund der Spitzkehren-Passage gleich bei der Einfahrt staute es dort etwas. Da kann aber der Veranstalter relativ wenig dafür. Genausowenig wie für mein durchwegs verkorkstes Rennen: 10 Minuten vor meinem Prologstart (als einer der letzten Fahrer) fing es an zu Schütten, wodurch meine Prologzeit und die Streckenbegrenzungen litten. Das bescherte mir einen späten Start am Sonntag und viel Verkehr auf den Strecken. Spaß hat’s aber allemal gemacht. Vor allem weil mit zwei Gondelauffahrten und etwas Kurbelei doch einige Renn-Tiefenmeter drinnen waren.

Mit dem Kevin Maderegger habe ich nach dem Deutschland-Viertelfinalsieg über Italien ausgemacht, dass am Sonntag ein österreichischer Enduro One-Sieg her muss. Dass er sich daran gehalten hat, freut mich. Gratulation Kevin!

Einziger Wermutstropfen: Die Trails in der Wildschönau sind nur für das Rennen offen, danach wieder reine Wanderwege. In diesem Sinne: Lieber Tourismusverband Wildschönau, ihr habt ein Bike-Paradies, bitte macht es auf. // Resultate

Angeschlagen, aber schnell genug für den Sieg: Kevin Maderegger.

Selbst die jungen Locals sehen, dass bei der Linienwahl etwas nicht passt. Fotos (c) Eva Berger-Schauer

Christoph Berger-Schauer

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.