Enduro ÖM

Christoph Berger-SchauerRennen

Enduro ÖM 2021 Daniel Schemmel Wexl Trails

Fotos (c) Wexl Trails

Die Enduro ÖM 2021 fand am 3. Oktober auf den Wexl Trails statt. Die Staatsmeister*innen sind gekürt.


Update 4.10.2021

Stellt man sich eine Enduro Staatsmeisterschft in Österreich vor, dann verbindet man das vermutlich mit hohen Bergen, Gondeln und langen, steilen Strecken. Nichts davon gab es bei der Enduro ÖM 2021. Anspruchsvoll und anstrengend – kurz meisterschaftswürdig – war sie dennoch voll und ganz.

Beim Blick auf den Streckenplan war der Anstieg zum Hochwechsel das, was sofort ins Auge stach. Die lange Reise für einen verhältnismäßig kurzen Trail war vielen ein Dorn im Auge. Wer Enduro Meister*in werden will, der muss sowas aber in Kauf nehmen. Sonst wär’s ja nur eine Bikepark-Partie. Die grandiose Aussicht, das herrliche Wetter und die Kuchen-Ziegel auf der Kampsteiner Schweig entschädigten für die Kurblerei. Oben wär ein Segel recht dienlich gewesen, dann hätte man vom Wind einen ordentlichen Boost bekommen. Hut ab an die Rennkommisäre am höchsten Punkt des Kurses: Sechs Stunden in der pfeiffenden, kalten Luft ohne jeglichen Windschutz auszuharren, muss man auch aushalten.

Enduro ÖM 2021 Wexl Trails
Jörg Neuhart am Highspeed Warm Up aka Stage 1. Foto (c) Andreas Putz

Herausforderung Nummer zwei – nach dem Ausflug zum WU – fiel erst bei der Streckenbesichtigung auf. Ein stattlicher Hügel, der Teil 1 von Stage 3 (mit frischem Waldboden!) von Teil 2 trennte. Da half alles nix, da musste man drüber. Und egal wie schnell man in den Forststraßen-Anstieg hineinrauschte, die Lunge brannte.

Noch unscheinbarer war Herausforderung Nummer drei, auch Stage 4 genannt. Die bot fünf Minuten gezeiteten Trail-Spaß und führte über eine Kombination aus Singletrail und Flow Line über recht flaches Gelände. Wollte man schnell sein, hieß das: Kurven genau fahren und pedalieren, was das Zeug hält. Da werden fünf Minuten recht lang. Den meisten kamen die Anlieger der Flow Line für eine Verschnaufpause im Sitzen gerade recht.

Stage 1 war ein lustiges, ca. zwei Minuten langes Warm up, mit wenigen Kurven und viel High Speed. Richtig Spaß hatte der Großteil des Feldes auf Stage 5, der neuen Downhill Line. Die wurde – bis auf eine Bremskurve vor den ersten Sprüngen – unverändert und – Gott sei Dank – komplett im Trockenen gefahren.

Holland und Schemmel

Den Sieg vorherzusagen war heuer nicht einfach. 224 Fahrer*innen aus der ganzen Nation fanden sich bei den Wexl Trails ein. Cornelia Holland trat ihre Titelverteidigung bei den Damen an. Petra Bernhard kam mit Siegen in der auner Austrian Gravity Series und der SloEnduro Serie gestärkt nach Niederösterreich und die Staatsmeisterin von 2019, Yana Dobnig, wollte auch ein Wörtchen mitreden. Geworden ist es dann genau diese Reihenfolge. Cornelia Holland ließ sich auf keiner einzigen Stage das Zepter aus der Hand nehmen und gewann nach 2020 ihren zweiten Enduro ÖM-Titel mit 47,2 Sekunden Vorsprung auf Petra Bernhard und mit 55 Sekunden auf Yana Dobnig.

Enduro ÖM 2021 Wexl Trails
Petra Bernhard auf dem Weg zu Silber. Foto (c) Andreas Putz

Bei den Herren gestaltete sich die Sache ähnlich: viele Favoriten, alle auf gleichem Niveau. Dazu gesellten sich am Wechsel ein paar flotte Herren aus der Downhill-Garde, die auch ihre Glück im Enduro versuchen wollten. Christof Stulik wurde bei diesem Versuch prompt niederösterreichischer Landesmeister und Boris Tetzlaff räumte Bestzeit auf Stage 1 ab. Am Ende hatte dann doch die Enduro-Elite die Meisterschaft ihrer Disziplin solide in der Hand. Daniel Schemmel avancierte vom Sieger der Herzen (nach vergebener Titelchance 2020) zu einem Sieger, den auch der ÖRV und die UCI anerkennen. Er schaffte es, trotz Sturz, ein Polster von 10,8 Sekunden zwischen sich und den Ex-Staatsmeister Max Fejer zu legen. Dritter am Podium – gerade mal 2,2 Sekunden hinter Fejer – wurde Peter Mihalkovits. Die ersten zwölf waren gerade mal von einer Minute getrennt. Das zeigt, wie hoch aktuell die Dichte im österreichischen Enduro-Feld ist.

Enduro ÖM 2021 Wexl Trails
Boris Tetzlaff machte sich gut, in diesem Enduro-Ding. Foto (c) Andreas Putz

Junioren, Masters und Hobbyisten

Meisterschaftsehren gab’s zudem in den Kategroien Junioren und Masters. Bei den jüngeren der beiden hatte Noah Hofmann in letzter Minute noch einen Startplatz gelöst, was sich für den nunmehrigen Doppel-Junioren-Staatsmeister auszahlte. Obwohl er am WU über einen Metall-Weiderost radierte, fuhr er in einer eigenen Liga und wies Timmy Fockenberger (+56s) und Valentin Frey (+58s) deutlich in die Schranken. Um Master-Meister zu werden musste man sich ein bisserl mehr strecken. Local Jörg Neuhart – sonst eher im Downhill unterwegs – hielt auf den tretlastigen Stages voll drauf und gewann mit 33,3 Sekunden Vorsprung auf Markus Hauer und Kurt Exenberger (+36,8s).

Für alle Lizenzlosen gab’s zwar keine rot-weiß-roten Medaillen, aber Pokale für die Tagessiege. Bei den Damen ging dieser an Lisa Mitterbauer vor Kim Wohlfahrter (+21s) und Katharina Nowak (+1:29min). Philipp Döller setzte sich in einem Feld von 111 Hobby-Herren durch. Heiße 9,1 Sekunden vor Lukas Stromberger und 14,8 Sekunden vor Christoph Hauer.

Neben den starken Leistungen gab’s in diesem Rennen noch zwei sehr beeindruckende Ereignisse. Weil sein Fully nicht fahrfertig wurde, trat Urban Niedermayr mit einem Singlespeed Hardtail die Runde an – und finished auf Platz 101 der Hobby-Wertung. Mit nur einem Gang zum Hochwechsel und retour, Respekt!

Enduro ÖM 2021 Wexl Trails
Viele staubige Kurven hielt Stage 4 parat. Foto (c) Andreas Putz

Hobby-Favorit Moritz Ribarich stellte sich ebenfalls mit einem Hardtail an den Start, allerdings mit mehreren Gängen. Der Schaltung entledigte er sich jedoch auf Stage 4 unfreiwillig. Bis dorthin lag er auf Top 5-Kurs. Stage 5 nahm er am Hardtail ohne Schaltung und ohne Kette in Angriff und schnalzte die beste Hobby-Zeit hin. Gerade mal 10 Sekunden langsamer als Daniel Schemmels Eintrag auf dieser Stage.

Im Namen aller Fahrer*innen bedanken wir uns bei den Wexl Trails und der Sportunion Hinterbrühl – insbesondere der Familie Ribarich – für dieses extrem gelunge und top organisierte Event. Am Vortag ein Nachwuchsrennen mit 165 Kindern zu managen und am Tag danach eine aufwendige, weil weitläufige Enduro ÖM, so reibungslos über die Bühne zu bringen, dafür habt ihr unseren uneingeschränkten Respekt!


Update 29.9.2021

Die Anmeldung ist geschlossen. Hier findet ihr die komplette Nennliste.


Update 27.8.2021

Die Enduro ÖM auf den Wexl Trails rückt näher und das Bild vom Rennen immer klarer. Stages am Singletrail, dem Flowtrail und der neuen Downhill Line. Rund 1.000 Höhenmeter sind selbst zu treten, zwei Auffahrten erledigt der Lift. Das lässt vermuten, dass The WU am Hochwechsel auch als Stage mit dabei ist.

Die Anmeldung ist geöffnet (noch bis 28.9. um Mitternacht). Alle Infos zum Rennen findet ihr auf der Webseite. Der Zeitplan schaut folgendermaßen aus:

Freitag, 1. Oktober

  • 14.00 – 18.00 Uhr | Startnummernausgabe

Samstag, 2. Oktober

  • 10.00 – 18.00 Uhr | Startnummernausgabe
  • 10.00 – 18.00 Uhr | Streckenbesichtigung

Sonntag, 3. Oktober

  • 08.00 – 08.45 Uhr | Startnummernausgabe
  • 08.45 Uhr | Riders Meeting
  • 09.00 Uhr | Rennstart – Elite Herren, Junioren m, Masters, Elite Damen
  • anschließend | Rennstart – Hobby Damen & Herren
  • 18.00 Uhr | Siegerehrung

Update 3.5.2021

Nicht nur Corona ist heuer eine Herausforderung, sondern auch der lange Winter. Die Crew der Wexl Trails ist aktuell noch damit beschäftigt die Strecken für den normalen Betrieb auf Vordermann zu bringen. Eine Tätigkeit, die man ohne April-Schneefälle schon vor einem Monat erledigt hätte. Da bleibt wenig Zeit neue Strecken und Stages für die Enduro ÖM vorzubereiten. Deshalb wird diese ans Ende der Saison verschoben. Neuer Termin ist der 3. Oktober. Das Nachwuchsenduro wird ebenfalls verschoben und findet wie gehabt einen Tag vor der Staatsmeisterschaft – jetzt am 2. Oktober – statt.


Vorbericht

Die Wexl Trails wollten eigentlich schon 2020 die Enduro ÖM ausrichten. Pandemiebedingt wurde das Event jedoch verschoben und Stattegg sprang ein. Heuer soll es aber am 20. Juni wirklich soweit sein, dass im Gebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark die schnellsten Enduristen gekürt werden. Man kann davon ausgehen, dass Cornelia Holland und Max Fejer ihre Titel auf einigen der neuen Strecken verteidigen müssen. Die genaue Streckenführung ist noch offen – auch ob The WU dabei sein wird.

Vielleicht auch im Enduro ÖM-Aufgebot: the WU.

Nachwuchsenduro

Das Nachwuchsenduro findet heuer im Vorfeld – am 19. Juni – der Enduro ÖM statt.


FAQs

Lizenz oder ÖRV Bike Card?

Fix ist: man braucht eines von beiden um am 20. Juni an den Start gehen zu können. Aber nur mit einer Lizenz kann man auch österreichischer Meister werden. Eine Lizenz benötigt einen Verein, ein ärztliches Attest, etc. – also ein bisserl Vorlaufzeit. Mit der ÖRV Bike Card startet man in der Hobby-Klasse, wird also offiziell nicht österreichischer Meister. Bestellt werden kann diese ganz einfach online. Es gibt eine Version, die für 365 Tage gilt oder den Raceday Pass für ein Rennwochenende.

Strecken?

Fix sind der Singletrail, der WU und die Downhill Line. Der Streckenplan wird am 29.9. veröffentlicht.

Training

Am Samstag vor dem Rennen.

Zeitplan

Siehe oben.

Nachnennung

Ist heuer nicht möglich. Nennschluss ist der 28.9. um Mitternacht.

Brauche ich Ellbogenprotektoren?

Auch heuer wird die Enduro ÖM nach gültigem ÖRV Reglement abgehalten werden und da stehen Ellbogenprotektoren drinnen.

Camping

Siehe Campinginfo.

Wer fährt mit?

Hier gibt’s die Nennliste.

Du hast noch eine Frage, die hier nicht steht?
Schreib uns an linestribe@lines-mag.at

Über den Author

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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