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Ti amo numero 6 [Dobnig]

 

“Ich habe was für euch. Es ist kein Rennbericht…” Mit diesen Worten leitete Yana Dobnig ein, was eine Hommage an einen Trail und einen Enduro-Mythos gleichzeitig werden sollte:

 

Ti amo numero 6

…zugegeben, eine Linie von 4 cm ist nicht sehr viel, schon gar nicht auf einer Bikekarte mit über 120 Linien… die meisten davon schön geschwungen und länger… aber immerhin… sie ist schwarz und das zurecht!!!

Diese 4 cm, mit der Nummer 6 und dem nicht gerade frauenfreundlichen Namen: “Downhill Uomini” beschäftigen mich nun schon seit ein paar Jahren!

Die meisten kennen die “Nummer 6” unter einem anderen Namen… “Downhill Men”! Klingt genauso blöd,… ist aber zum Inbegriff im Endurosport geworden! Inbegriff für Action, Konzentration, Leidenschaft, Sport, Fanatismus, Respekt, Schmerz, Freude, Verrücktheit, an die Grenzen gehen… einfach für ALLES… für all das, was “Enduro” ausmacht,… zusammengefasst auf 4 cm, in tiefem Schwarz gehalten!!!

Als ich vor drei Jahren zum Enduro Sport wechselte und zum ersten Mal Bilder und Videos von der “Nummer 6” gesehen habe, wusste ich sofort …das ist die Krönung!!

Hier hinunter zu fahren… durch einen Schlauch von Menschen, die deine Leidenschaft teilen, die großen Respekt vor deiner Leistung haben, die dich bewundern… das kann durch nichts getopt werden!

Von nun an zählten zwei Dinge, die ich unbedingt erreichen wollte. Eigentlich zwei Fotos!

Ein Foto zusammen mit “Greg Minnaar” und eines vom “Downhill Uomini”, im Zuge eines EWS Rennens!! :-))

Das mit Greg Minnaar war leichter… der lief mich in Leongang fast über den Haufen!! Das Bild habe ich schon seit 2 Jahren in der Tasche!

Das mit der “Nummer 6” war bedeutend schwieriger.

Richtig italienische Aussicht.

Ok… für die EWS war ich schnell einmal qualifziert. Zum Training in Finale war ich auch schon öfter. Den “Downhill Men” bin ich schon ein paar Mal gefahren.

Einmal war ich da ganz alleine… stand oben, blickte hinunter auf die bunten Häuser von Varigotti… sah nach rechts, Richtung Finale, wo ich unbedingt einmal am Podest stehen wollte… schmeckte die salzige Luft des tiefblauen Meeres… und es roch… naja… es roch…. so richtig “italienisch”!!!

Also Bilder von der “Nummer 6” hatte ich schon. Doch keines mit einer Startnummer auf meinem Bike… keines mit den Fans, die mich da im Rennen hinunter tragen sollten… keines wie ich es mir so sehr wünschte!!!

Ein Trainingssturz auf Stage 3 im letzten Jahr verhinderte mein “Big Picture” 2017!! …wieder nichts!!!

Die nächste Gelegenheit gab es heuer. Heuer sollte es endlich klappen …mit mir und der “Nummer 6”!!

Doch es gab zwei Dinge die mich nachdenklich stimmten!

  1. Da ich eine sehr frühe Startnummer hatte, waren meine Bedenken groß, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch wenige Fans auf der Strecke befinden werden!?!
  2. Wie wird mein Vater mit diesem Druck umgehen?? Seine Fotos sind gar nicht so schlecht …außer er fotografiert mich!! :-))) Da ist er zu sehr aufgeregt!

Ok… der Renntag verlief gar nicht schlecht. Ich kämpfte um Platz 2… war nach Stage 3, die mir nicht so gut gefiel, auf Platz 3… und dann … dann kam … Stage 4!!! “Downhill Men” … “Downhill Uomini” … meine Nummer 6!!!!!!!

Schon vom Start weg und besonders bei der Einfahrt in den technisch schwierigen Teil wusste ich … sie waren da … das konnte man hören … sie waren ALLE da!!! … als wüssten Sie alle: “Ich will mein Big Picture”!!!

Angetrieben von der Begeisterung, dem Lärm und den Zurufen, wollte ich auf meiner Ideallinie hinunterrasen! Äh…., doch wo war die????? Da war nur dieser Schlauch … dieser Schlauch von Menschen, den ich von den Bildern her kannte. …war dieser Schlauch die “Ideallinie”??

Ich hatte ein ungewohntes, unbekanntes Gefühl im Kopf. Soll ich schneller fahren… kann ich schneller fahren… bin ich zu langsam …soll ich für die Fans über meine Grenzen gehen …macht das Sinn …soll ich meinem Podest Platz riskieren??? Es roch auch nicht so “Italienisch”, wie ich es gewohnt war … es roch nach Staub, salzigem Schweiß statt salziger Meeresbrise …ganz anders als sonst…?!?!?!

Irgendwie irritierte mich die Stimmung auf meiner “Nummer 6”! Ich wollte es dann nur noch genießen und fuhr mein Tempo! … das war sicher die beste Entscheidung! Die zweitbeste Laufzeit (Kat. U21) gab mir recht!!!! ;-))

Im letzten Drittel, dort wo es richtig hart zur Sache geht, konnte ich meinen Vater, in meinem rechten Augenwinkel, ausmachen!! Ich fühlte die Anspannung die ihn umgab!

Yes!!… er stand auf der richtigen Seite… die Sonne im Rücken!! :-)))

Er sagte kein Wort … feuerte mich auch nicht an … als wüsste er, dass ich irritiert und angespannt bin! Für einen Augenblick war es ganz still um mich herum! Nur ich und meine “Nummer 6”!!!!

…. und da war es: “Kick….. klick…, klick…. klick…. klick…. klick… klick….” Mir war es als hörte ich den Auslöser der Canon … oder war es das Blut, das in meinem Kopf hämmerte?????

Klick...

klick...

klick...

klick!

Gerne hätte ich das Gefühl, dass ich am Ende der Stage hatte, in Flaschen gefüllt und verkauft!!! Ich wäre unermesslich reich geworden…….!!!

Was dann noch folgte war nur noch cool! Eine Siegesfeier wie eine Oscar-Verleihung … umgeben von hunderten Fans, die mir zu meinem 3. Platz gratulierten, war der krönende Abschluss eines Rennens, das mir wirklich sehr, sehr wichtig war!!!!

Und mein Vater hatte seinen Job auch nicht schlecht gemacht! Mit feuchten Augen … die Stimmung auf Stage 4 hat ihm emotional doch ein bisschen zugesetzt … gelangen ihm doch ein paar coole Fotos!!! ;-)))

Ich widme diese Fotos hiermit offiziell meiner großen Liebe …………Sorry Greg Minnaar,… nicht dir,… ……nein dir: “Nummer 6”!!!!!

 

In Finale am Stockerl.

So schaut ein gelungener Saisonabschluss aus.

 

Yana Dobnig

Yana Dobnig

Ehemals XC-Racerin, jetzt Österreichs flotte Enduro-Zukunft aus Kärnten.