Quicklebendig

Christoph Berger-SchauerMaterial

Specialized Stumpjumper 2021

Alle Fotos (c) Valentin Rapp

Das neue Specialized Stumpjumper ist von Haus aus quietschfidel und blüht richtig auf nicht-geshapten Trails auf.

Wer bin ich?

Simpel gesagt: ein Fully mit mittlerem Federweg. Leicht, verdammt lebendig zu fahren und ein Genuss bergauf. Ein Radl für Bikepark-Meider und Naturtrails-Afficionados.


Im Stand

Das Stumpjumper ist so etwas wie der VW Passat unter den Bikes (für einen Golf müsst’s ein Hardtail sein). Wie der Name schon sagt wurde es für banale Sachen wie (Baum-)Stumpf hupfen und dergleichen entworfen. So wie ein Passat halt zum Urlaub fahren war. Beide kommen mit der Grundanforderung nach wie vor klar, sind aber heute weitaus gereifter als ihre Urahnen. Was ist also neu im Jahr 2021? Das Specialized Stumpjumper kommt mit 140mm Federweg vorne und 130mm Federweg hinten (jeweils 20mm weniger als die EVO-Version). Mittlerer Federweg, bekannte Zutat. Die Crew vom großen S hat sich vor allem den Kopf über den Rahmen zerbrochen und – nach eigener Angabe – alleine 203 Tage lang das Carbonfaser-Layup verfeinert. Das Gewicht von zwei Müsliriegel (100 Gramm) konnte man so sparen. 2.420 Gramm wiegt das Rahmenset inkl. Dämpfer und Kleinteile in Größe „S4“. Wem das zu leicht ist: die zwei Müsliriegel lassen sich durch die praktische SWAT-Box im Unterrohr leicht wieder draufpacken. Den Löwenanteil der Gewichtseinsparung (=1 Müsliriegel) trägt der neue Hinterbau – eigentlich das echte Highlight. Das Stumpjumper 2021 kommt nämlich (anders als das EVO) ohne Horst-Link aus und ist jetzt ein abgestützter Eingelenker. Für alle Kinematik-Anti-Enthusiasten bedeutet das einfach: es gibt kein Gelenk mehr zwischen Sitz- und Kettenstrebe. Um auf die 130mm Federweg zu kommen flexen jetzt die Sitzstreben selbst. Funktioniert natürlich nur in der Carbon-Variante. Die Alu-Versionen (nicht beim EVO erhältlich) kommen weiterhin als Viergelenker.


In Bewegung

Das Stumpjumper ist ein bisserl wie ein kleiner, agiler Hirtenhund (ein Welsh Corgi Pembroke zum Beispiel), der schon drei Tage nicht mehr auf’s Feld durfte. Beim Ausladen am Parkplatz ist es schon quietschfidel, will loslegen. Bergauf gibt es Vollstoff, als wär jede Kuppe das Ende des Anstiegs. Wird Steigung zu Gefälle, startet es los ohne dass jemand „Fahr ma“ gesagt hätte und hüpft mit einem Jauchzer über jede Welle. Das Stumpjumper kurbelt sich herrlich bergauf, ist aber für reine Forststraßen-Pedalierereien viel zu schade. Da sollte man vielleicht eher Richtung Specialized Epic & Co schauen. Bikepark-Tracks steckt das Stumpjumper zwar weg, auf Dauer ist der Hub am Fahrwerk aber doch ein bisserl zu kurz (genau wie bei unserem Welsh Corgi Pembroke). Naturtrails, das ist das Terrain, wo das Stumpjumper ewig und drei Tage unterwegs sein könnte.


Preis & Leistung

Dank Alu ist man beim Specialized Stumpjumper ab € 2.199,- dabei. Die teurere der beiden Metall-Version geht für unter € 3.000,- über den Tisch. Carbon (und damit der Eingelenker) startet bei 3.999,- und gipfelt in der S-WORKS Version bei € 9.999,-. Dazwischen ist die Expert-Variante mit € 5.299,- angesiedelt, für alle die auf elektronische Schaltung und Sattelstütze verzichten können.

Geometrien

Specialized Stumpjumper 2021 Geometrie
Dank Flipchip gibt’s zwei Geometrie-Konfigurationen

Paintjobs


Specialized Stumpjumper 2021 Saalbach Hinterglemm

Wer will mich?

Leute, die den Lift maximal benutzen, um danach noch weiter rauf pedalieren zu können. Leute, die Bikeparks okay finden, ihren Spaß aber auf natürlichen Trails und Wanderwegen haben. Leute, die ein extrem verspieltes Radl haben wollen.


Specialized Stumpjumper MJ 2021

Preisvon € 2.199,- bis € 9.999,-
Federweg140mm vorne, 130mm hinten
Laufräder29 Zoll
RahmenmaterialCarbon (3 Modelle) oder Alu (2 Modelle)
Gewichtca. 12-13 kg
Garantielebenslang (Rahmen & Roval Laufräder), 2 Jahre (alles andere)
Gleiche Liga:Trek Fuel EX, Giant Trance, Pivot Trail 429, Canyon Neuron, Radon Skeen Trail
Über den Author
Christoph Berger-Schauer

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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