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RRP verabschiedet sich

Schönes Bild aus vergangenen Tagen: Gruber gratuliert RRP-Teamkollegen Trummer. Foto (c) Racement

 

RRP ist nicht mehr. Am 13. November 2016 gab Teamchef Georg Danner das Aus des österreichischen Downhill-Rennteams bekannt. Damit endet ein Stück heimische Mountainbike-Geschichte und es gibt damit eine Möglichkeit weniger für österreichische Talente Rennsport auf höchstem Niveau zu betreiben. David Trummer und Manuel Gruber sind aktuell auf Teamsuche.

Erfolge

Rund ein Jahrzehnt war das Kürzel RRP – bekannt unter Revolution Racing Project, RapidRacerProducts, Ghost RRP und zuletzt Rose Racing Project – recht erfolgreich unterwegs. 2011 wurde David Trummer für RRP Vize-Weltmeister bei den Junioren, 2014 Staatsmeister und Europacup-Gesamtsieger. Petra Bernhard holte 2013 ihren fünften Staatsmeistertitel für RRP. Zwei deutsche Meistertitel (2014 & 2015) holte Johannes Fischbach und krönte sich 2015 zum Europacup-Gesamtsieger. Durch Jana Bartovas Sieg 2015 in Wisla konnte das Team sogar einen Europameistertitel verbuchen. Etliche Titel und top Platzierungen die sich über die Jahre zusammengesammelt haben – trotz deutlich kleinerem Budget als die Teams mit den prominenten Namen in ihren Reihen.

Auf der Nordkette fliegt David Trummer 2015 zu seinem ersten Staatsmeistertitel - für RRP. Foto (c) Mathias Reisenhofer

Team & Fahrer

Entstanden ist RRP als Zusammenschluss aus Fahrern, die vorrangig Spaß haben wollten. Aus Spaß wurde Professionalität. Rund um den Salzburger Georg Danner entstand ein UCI Rennteam, welches zwar nicht auf die ganz großen Namen setzte, die großen aber im Weltcup ärgerte und im iXS European Cup den Ton angab. Bis 2013 stand der Teamchef selbst an der Startlinie, danach konzentrierte er sich auf den Support der nationalen und internationalen Fahrer. David Trummer war lange unter der rot-weiß-schwarzen Flagge unterwegs. Petra Bernhard, Elke Rabeder, Manuel Gruber ebenso wie Johannes Fischbach, Phil Atwill, Harry Molloy, Jana Bartova, Johannes von Klebelsberg, Johann Potgieter und zuletzt Marcus Hannsson. Mit dem Ausscheiden von RRP bleiben MS Mondraker, MS Mondraker B Team und Alutech Mauna Loa als österreichische Welt- bzw. Europacup-Teams übrig.

Europameisterin Jana Bartova für Rose Racing Project. Foto (c) Racement

Ende mit Nachgeschmack

So erfolgreich die Ära von RRP verlaufen ist, so kurios ist das Ende. Offiziell heißt’s: “Es wird einfach immer schwieriger, Sponsoren zu finden.” Die Gründe sind aber vielfältiger. Erst heuer fand man in Rose einen neuen Materialsponsor, nachdem Langzeit-Ausstatter Ghost sein Downhill-Projekt auf Eis legte (was nichts mit RRP zu tun hatte). David Trummer und Jana Bartova blieben an Bord, Manuel Gruber und Marcus Hansson kamen neu hinzu. Früh in der Saison zeigte Trummer mit Top 10-Platzierungen beim Portugal Cup auf. Manuel Gruber kam nach seiner Handverletzung bei den iXS EDCs in Kranjska Gora und Willingen in Fahrt. Doch kurz vorm Weltcup in Lenzerheide im Juli kam Sand ins Getriebe. Von den Fahrern wurde innerhalb weniger Tage ihre Unterschrift auf einem Zweijahresvertrag gefordert – ohne ausreichend Absicherungen hinsichtlich den nächsten Saisonen, wie Manuel Gruber erzählt. Weder Gruber noch Trummer unterzeichneten. Während David Trummer das Renngeschehen geradlinig weiterverfolgte und seine beste Weltcupplatzierung (16. Platz in Andorra), entwickelte sich zwischen Manuel Gruber und Teamchef Georg Danner ein Zwist, der leider bis heute anhält. Verwehrter Zugang zu Ersatzmaterial, Schadenersatzforderungen über fünfstellige Eurobeträge, Anwaltsschreiben und gefälschte Unterschriften auf UCI Verträgen (lt. Schilderungen von Manuel Gruber), hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Obwohl RRP Geschichte ist, ist die Sache noch nicht verdaut. Der Rechtsweg wird aktuell beschritten, weshalb Georg Danner sich einer öffentlichen Stellungnahme enthält und wir auch nicht näher darauf eingehen werden.

Da war noch alles eitel Wonne. Manuel Gruber beim Weltcup in Leogang. Foto (c) Klemens König

Zukunft?

Fix ist, dass der Name RRP in nächster Zeit nicht mehr im Radsport auftauchen wird. “Sag’ niemals nie”, meint Georg Danner zu einer eventuellen Rückkehr. Jetzt will sich der Blumenhändler allerdings erst einmal einem alten Hobby widmen: dem historischen Autorennsport. Danner Racing Project ist geboren. Manuel Gruber tüftelt währenddessen an einer Teamkonstellation für 2017, in der vor allem Fokus auf Nachwuchsfahrer gelegt werden soll. Und David Trummer klopft mit seinen Karrierebestleistungen bei den Weltcup-Equipen an. Hoffentlich mit viel Erfolg.

David Trummer beim iXS EDC Leogang - dem letzten Rennen für RRP. Foto (c) Friedrich Simon Kugi

Christoph Berger-Schauer

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.