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MTBInnsbruck Arzler Alm Trail

Einblicke in die aktuelle Bike- und Transport-Infrastruktur Innsbrucks und wie es überhaupt dazu gekommen ist…

Alles passiert aus einem bestimmten Grund. Damit kann man den bedauerlichen Vorfall vor einigen Wochen auf keinen Fall rechtfertigen, es hilft jedoch zu verstehen, warum es zum allgemeinen Transportverbot für Downhiller in Innsbruck gekommen ist. Aus Sicht der Szene oder auch im Hinblick der „Bike City“ und Austragungsort des weltgrößten Mountainbike Festivals Crankworx, wurde diese Reaktion als ein widersprüchliches Verhalten wahrgenommen. Doch von Seiten der Nordkettenbahnen und der Innsbrucker Verkehrsbetriebe war es vielmehr eine Notbremse, die bereits viel früher hätte gezogen werden müssen. Innsbruck hat sehr viele Biker, doch hat die Stadt noch sehr viel mehr Nicht-Biker. Kombiniert mit der einmaligen Lage direkt am Fuße der Nordkette treffen dadurch eine Vielzahl an Menschen mit unterschiedlichsten Interessen zusammen, die eines gemeinsam haben: „Wir wollen aufn Berg aufi!“ Öffentliche Möglichkeiten hierfür gibt es bisweilen zwei: Die Nordkettenbahnen, von denen in erster Linie die Hungerburgbahn relevant ist und die Buslinie “J”, die zwischen der Hungerburg an der Nordkette und dem südlichen Hausberg Patscherkofel pendelt. Dass die bestehende Infrastruktur nicht auf eine solche Interessenvielfalt, oder besser gesagt auf eine so große Mountainbikebegeisterung, ausgelegt ist, hat sich bereits vor einigen Jahren erahnen lassen, doch leider wurde das genaue Ausmaß der Situation damals noch nicht erkannt.

Die Hungerburgbahn

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Hungerburgbahn. Um die heutige, recht angespannte Lage zu verstehen, muss man sich einige Zahlen vor Augen halten und sich auf eine kurze Zeitreise begeben: 

Als die Hungerburgbahn 2007 als einzigartiger Prototyp errichtet wurde, wurde sie füreine Höchstzahl von 4 Fahrrädern konzipiert. Bei fünf Kabinen, von denen eine barrierefrei und somit auch fahrradfrei bleiben muss, heißt das ein Fahrrad pro Kabine. Grund hierfür sind die Befestigungsmöglichkeiten, von denen es je Kabine nur eine gibt. Dass die Räder während des Transports befestigt sein müssen erklärt sich durch die potentielle Gefahr, die bei einer Notbremsung für die Gäste in der Bahn entstehen würde und somit die Befestigung des Fahrrads für einen sicheren Betrieb unabdingbar macht. Zu dem Zeitpunkt gab es die beliebten Hungerburg- und Arzler Alm Trails noch nicht und somit war das Bedürfnis nach einer Transportmöglichkeit für MountainbikerInnen noch nicht dermaßen relevant. Der Fahrradtransport war nur für Pendler aus dem Ortsteil Hungerburg ausgelegt,nicht als mehrmalige Aufstiegsmöglichkeit. Die Bahn durch bauliche Maßnahmen an die heutigen Verhältnisse anzupassen ist leider keine Option. 

Doch die Anzahl der zweirädrigen Fahrgäste stieg und stieg… Die Konsequenz waren fast tägliche Konflikte mit Angestellten und anderen BahnbenutzerInnen, weshalb die Innsbrucker Nordkettenbahnen bereits mehrmals auf die zu geringe Kapazität hingewiesen haben. Da der Änderungsspielraum jedoch so begrenzt war – und ist – versuchte man in der nachfolgenden Zeit jede Situation immer wieder zwischenmenschlich zu regeln und für einen respektvollen Umgang an alle Parteien zu appellieren. Heuer hat sich die Lage bekanntermaßen derart zugespitzt, dass es zum kollektiven Downhill-Verbot kam. 

MTBInnsbruck Arzler Alm Trail
Foto (c) Thomas Grüner

Buslinie “J”

Alternativ zur Hungerburgbahn gibt es, wie bereits erwähnt, den “J”. Bis vor kurzem an den meisten und mittlerweile an allen Bussen, die diese Linie fahren, gibt es Halterungen am Heck, an denen 4 Bikes Platz finden. Ist der Andrang im Bus überschaubar und befinden sich keine Kinderwagen oder RollstuhlfahrerInnen im Inneren, können auch hier zwei weitere Bikes mitgenommen werden. Dass es auch hier Transportverbote gab wurde in der Theorie stärker diskutiert als in der Praxis umgesetzt. Unabhängig davon wie genau sich dies abgespielt haben soll, zeigt es, dass eseine gewisse Problematik gibt, für die Handlungsbedarf besteht.

Wenn auch diese ganzen Missstände und die damit verbundenen Schlagzeilen der letzten Wochen in vieler Hinsicht zu Unzufriedenheiten geführt haben, wurde die Notwendigkeit einer langfristigen Bewältigung der Transportnachfrage bewusster dennje und brachte damit den Stein bei den Verantwortlichen ins Rollen. Doch er rollt bergauf!

Kurz- und langfristige Lösungen

Bereits unmittelbar nach dem Ausspruch des “Hungerburgbahn-Verbots” gingen die Gespräche und Verhandlungen los. Früh mit dabei war auch #MTBInnsbruck, um die geplanten Konzepte von Seiten der BikerInnen einzuschätzen und die bestmöglichen Kompromisse mit zu gestalten. Da die diesjährige Saison bereits längst im Gang ist und Crankworx vor der Tür steht, musste erstmal eine schnelle Lösung her. Größte Anliegen der #MTBInnsbrucker waren, dass die Busse und die Bahn wieder Bikes mitnehmen und es vorerst keine weiteren Kosten geben darf. Somit bleibt der Transport der Bikes in der HUBU-Bahn, im “J” und auch im neuen Shuttle zum Bikepark Innsbruck heuer kostenlos. Ein Personenticket muss, wie bisher, gelöst werden. Die Begrenzung der Mountainbike-Mitnahme in der HUBU-Bahn auf bestimmte Zeiträume (vor 10 Uhr und nach 15 Uhr) wurde durch den Abgleich der Nutzerzahlen am Arzler Alm Trail mit denen der Hungerburgbahn auf die unterschiedlichen Stoßzeiten abgestimmt. Es werden pro Fahrt 4 Räder mitgenommen, was heißt, dass die barrierefrei zugängliche Kabine auch weiterhin fahrradfrei bleibt. Man muss bedenken, dass es sich bei den gefallenen Entscheidungen lediglich um Übergangslösungen handelt, die im Schnellverfahren umgesetzt werden konnten. Über die genaue Art des Shuttles in den Bikepark wird die nächsten Tage entschieden. 

As Rome wasn’t built in a day, braucht auch die Entwicklung eines guten und ganzheitlichen Transportkonzepts seine Zeit. Hierfür wird es eine Arbeitsgruppe der Stadt geben, die sich zusammen mit dem Tourismusverband, den IVB (Innsbrucker Verkehrsbetriebe), den Nordkettenbahnen und #MTBInnsbruck, intensiv mit dem Thema beschäftigen wird. 

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die urbane Struktur in Innsbruck ganz andere Voraussetzungen bietet als beispielsweise ein Gebiet, das in erster Linie auf Ski- und Mountainbiketourismus ausgelegt ist. So steht auch die Erweiterung des Trailnetzes wegen komplizierten Grundbesitzverhältnissen vor ganz anderen Herausforderungen als es in anderen Regionen der Fall ist. Zusätzlich ist der Mountainbikesport in dem Ausmaß, wie er zur Zeit betrieben wird, in Innsbruck noch nicht so etabliert wie vergleichsweise das Wandern oder Skifahren, weshalb auch die gesamte Infrastruktur noch eher “in Kinderschuhen” steht. Es wird sich an allen Ecken bemüht gemeinsame nachhaltige Lösungen zu finden, darum ist es an der Zeit lieber die kleinen Schritte zu feiern als ewig kompromisslos auf der Stelle zu treten. 

In diesem Sinne: Seid gespannt auf das was uns bevorsteht und bringt eure Ideen mit ein. Gemeinsam können wir die Bike-Zukunft für Innsbruck gestalten und unseren Sport auch neben Crankworx in der Stadt etablieren. Die Aufmerksamkeit haben wir, nun geht’s ans Eingemachte!

Mit besten Grüßen #MTBInnsbruck 🙂 

Über den Author
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Wir sind eine Kommunikationsplattform für Innsbrucks Mountainbike Szene; alle engagierten Moutainbiker und Mountainbikerinnen, Mountainbike Vereine, unsere Bike-Shops und Innsbrucker Athleten kommen zu monatlichen Treffen zusammen.

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