Guide, Trainer, Instruktor?

Peter SchrottmayerLesestoff

Mountainbike-Ausbildungen Ausbildung

Foto (c) Bernd Gruber

Welche Mountainbike-Ausbildungen gibt es in Österreich? Was ist sinnvoll? Das MTB-Fortbildungssystem schaut am ersten Blick verwirrend aus – ist in zwei Schienen aber leicht erklärt.


Gute Trainerinnen und Trainer sind der wichtigste Faktor in jeglicher Nachwuchsarbeit. Auch abseits des Vereinswesens wird durch den Mountainbike-Boom die Nachfrage nach Guides und Fahrtechniktrainern immer größer. 

Gute Trainer leben für ihren Sport und verstehen es andere mit ihrer Begeisterung anzustecken. Sie haben eine breite Basis an allgemeinen pädagogischen Kompetenzen und darauf aufbauend fachdidaktisches Know-how. Sie verfügen über ein sehr gutes fahrtechnisches Eigenkönnen und sind in ihren Fachbereichen absolute Experten. 

Diese und noch viele weitere für den Trainer nützliche Kompetenzen, werden durch die Sammlung von vielen Erfahrungen und deren Reflexion erworben. Jegliches theoretische Wissen ist ohne Praxiserfahrung wertlos, ebenso jegliche praktische Erfahrung ohne deren reflektierte Betrachtung. Eine Ausbildung kann am Anfang der Auseinandersetzung mit dem Thema stehen, oder als Anstoß zur Reflexion der bisher gesammelten Erfahrungen dienen.

In jedem Fall sind Aus- und Fortbildungen ein wesentlicher Punkt in der Weiterentwicklung jedes Trainers und Guides, egal zu welchem Zeitpunkt seiner Laufbahn. Nur durch die Auseinandersetzung mit den aktuellen Entwicklungen und den eigenen Kompetenzen kann ein anzustrebendes Qualitätsniveau erreicht bzw. gehalten werden.

Das Aus- und Fortbildungssystem in Österreich wird vom Österreichischen Radsportverband (ÖRV) über sein Ausbildungsreferat koordiniert. Leider wird dieses mangels Ressourcen nur ehrenamtlich, also mit geringen Aufwandsentschädigungen, geführt, wodurch viel Potential liegen bleibt. Gerade langfristig gedacht müsste das Aus- und Fortbildungswesen ein Hauptanliegen des Fachverbandes sein, geht es doch um die Qualifikation jener Personen, die sich um sein ganzes zukünftiges Kapital kümmern, nämlich den Nachwuchs. Auf der anderen Seite ist trotz der äußerst geringen Ressourcen ein funktionierendes Ausbildungssystem vorhanden, auch wenn es da und dort verbesserungswürdig ist. Zumindest dem ist sich das Ausbildungsreferat bewusst, weshalb das Ausbildungssystem letztes Jahr evaluiert wurde und momentan überarbeitet wird. Ebenso wird an einem Fahrtechnik-Lehrplan gearbeitet, um die Grundlagen der vermittelten Fertigkeiten zu vereinheitlichen.

Zwei Schienen

Das österreichische Ausbildungssystem basiert auf zwei Schienen. Eine die für Vereinssport und später Leistungssport konzipiert ist und eine, die Guides und Trainer für den touristischen Sektor ausbildet. Die Ausbildungen finden in Kooperation des ÖRV’s mit den Bundessportakademien, Landesverbänden oder mit privaten Ausbildungsorganisationen statt. 

Ausbildungsordnung des ÖRV

Übersicht der Ausbildungsstruktur, sowie alle Ausbildungscurricula:
https://www.radsportverband.at/index.php/radsportverband/ausbildung/154-ausbildungsordnung

Aktuelle Kurstermine und Unterlagen:
https://www.radsportverband.at/index.php/radsportverband/ausbildung/153-ausbildung-termine-unterlagen


Schiene Wettkampfsport

Ausbildungshierarchie der Schiene Wettkampfsport

1. Übungsleiter Radsport (D1)

Ziel: „Praxis-Radfahrlehrer“ im Verein für die diversen Radsparten, speziell auf Nachwuchsarbeit ausgerichtet.

Der Übungsleiter Radsport hat einen sehr hohen Praxisanteil, um die wesentlichen Inhalte für die Vereinsarbeit als Übungsleiter zu vermitteln. Er wird meistens von einem Landesverband in Kooperation mit dem ÖRV angeboten. In drei Modulen werden in vier bis fünf Tagen die allgemeinen Grundlagen der Fahrtechnik und des für Radsportler wesentlichen Athletiktrainings vermittelt, sowie abschließend die spartenspezifischen Inhalte der jeweiligen Radsport-Disziplin (z.B. MTB, Rennrad, Bahn, etc.). Allgemein theoretischen Themen, die sonst in der Instruktor-Ausbildung thematisiert werden, können von den D1-Trainern in Zukunft als zweitägige Fortbildung bei den Dachverbänden absolviert werden, 

2. Instruktor Radsport (C1)

Ziel: Wegbereiter und Begleiter im Einstieg des Nachwuchses in den Wettkampfsport sowie „Praxis-Radfahrlehrer“ in den grundlegenden Radsparten MTB, Rennrad & Bahnrad.

Der Instruktor Radsport dauert ca. 20 Tage und wird meist in vier Kursteilen abgehalten. Er beinhaltet sowohl sportartspezifische, als auch allgemeine Inhalte in Theorie und Praxis.

3. Trainer Radsport (B)

Ziel: Heranführung zum und Begleitung im Leistungs- und Hochleistungssport.

Die Ausbildung zum Trainer Radsport umfasst zwei Teile. Im Trainer Grundkurs werden gemeinsam mit Teilnehmern aus allen möglichen Sportarten in ca. vier Wochen allgemeine Inhalte (Fokus auf Athletik, Physiologie, etc.) in Theorie und Praxis vermittelt. Im Trainer Spezialkurs werden in ca. drei Wochen spezielle radsportspezifische Inhalte vermittelt, die vor allem für das Training im Leistungssport relevant sind.

4. Diplomtrainer Radsport (A)

Ziel: Begleitung im Hochleistungssport auf Nationalkaderebene oder UCI-Team.


Schiene Breitensport & Touristik

Mountainbike Ausbildungen Mallorca

Da das Ausbildungssystem gerade überarbeitet wird, entspricht die vom ÖRV publizierte Ausbildungsstruktur nicht ganz dem zukünftigen Modell.

1. MTB-Guide, Freeride & Bikepark Guide, E-Bike Guide, etc.

Ziel: Qualifizierte Guides im Breitensport- und Tourismussektor.

Im touristischen Sektor kann bei entsprechenden Ausbildungsorganisationen eine Guide-Ausbildung absolviert werden. Diese wird vom ÖRV als Übungsleiter (D2) anerkannt, geht aber bei den meisten Anbietern deutlich über die Umfänge einer normalen Übungsleiter-Ausbildung hinaus. Inhaltlich enthält sie zumindest dieselben fahrtechnischen Grundlagen wie der D1-Übungsleiter, darüber hinaus aber noch alle wesentlichen Inhalte, die für einen touristischen Guide notwendig sind. In diesem Segment gibt es einige unterschiedliche Ausbildungsanbieter, die entsprechend ihrer Ausbildungsziele unterschiedliche Kursangebote bieten. Größter Anbieter ist Bikepro, daneben bilden auch AlpenvereinNaturfreundeUSI, und andere aus. 

2. Instruktor MTB- und Radtouren (C2)

Dieser Instruktor fokussiert sich vergleichsweise zum C1-Instruktor mehr auf das MTB-Tourenführen und weniger auf den Trainingsaspekt. Die MTB-spezifischen Inhalte sind jenen der längeren MTB-Guide Ausbildungen sehr ähnlich, bzw. werden noch etwas vertieft. Zusätzlich werden allgemeine motorische Inhalte in Theorie und Praxis behandelt.


Anbieter

Bundessportakademien (BSPA’s)

Fokus: Aus- & Fortbildung

Alle Ausbildungen ab der Stufe C-Trainer werden von den Bundessportakademien in Kooperation mit dem ÖRV durchgeführt. Neben sportartspezifischen werden auch allgemeine Ausbildungen angeboten, wie zum Beispiel Instruktor Fit-Jugend, Ausdauer, Haltungsprävention und Kraft, u.v.m.

Manche BSPA’s haben ein eigenes Fortbildungsangebot:

Sport Austria

Fokus: Fortbildung

Sport Austria (BSO) bietet für Vereinstrainer und Funktionäre regelmäßig kostenlose Fortbildungen zu diversen Themen rund um den Verein und das Training quer durch Österreich an.

UNION, ASKÖ & ASVÖ

Fokus: Aus- & Fortbildung

Bei den drei Dachverbänden gibt es eine große Anzahl diverser Aus- und Fortbildungen:

Über den Author
Peter Schrottmayer

Peter Schrottmayer

Getrieben von unendlicher Leidenschaft und hoffnungslosem Idealismus engagiert sich Schrotti in vielen Bereichen des österr. Radsports. Als Landestrainer in NÖ, Leiter der Wienerwald Trailschool, Ausbildner für ÖRV, Bikepro, Naturfreunde u.v.m.

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