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Mit dem Downhiller am Jakobsweg

Muschelsymbol und Downhill-Bike. Alle Fotos (c) Stefan Lendvai.

 

Die Headline ist kein Clickbait, sondern nichts als die reine Wahrheit. Stefan Lendvai aus Roitham, Oberösterreich, hat diesen Sommer den Jakobsweg bezwungen. Und zwar auf/mit seinem Downhill-Bike. 2.200 Kilometer mit einem Hobel, der sowas von ungeeignet ist für lange Distanzen. Warum man sich auf den Jakobsweg begibt, dafür gibt es verschiedenste Gründe. Warum man das mit dem Downhiller macht, das wollten wir von Stefan selbst wissen.

 

LINES: Bitte stell dich kurz vor. Wer bist du? Was machst du (normalerweise)? Woher kommst du?

Stefan Lendvai: Kurz zu mir…. ich komme aus Roitham, Bezirk Gmunden, bin jetzt 37 Jahre und war lange Zeit LKW Fahrer.

Stefan Lendvai. Der Mann der den Jakobsweg mit dem Downhiller bezwungen hat.

Und hier sein 'Weapon of Choice' - ein Giant Glory mit 200 mm Federweg.

LINES: Erzähl bitte was du heuer im Sommer/Herbst angestellt hast.

Stefan Lendvai: Am 17. August startete ich von Zuhause Richtung Spanien. Meine Route ging immer am Jakobsweg entlang, zuerst mal Richtung Salzburg, dann über’s kleine Deutsche-Eck nach Innsbruck. Von Innsbruck bin ich bis Genf mit dem Zug gefahren, da die Preise in der Schweiz meine Reisekasse gesprengt hätten… Von Genf bin ich dann quer durch Frankreich bis zur spanischen Grenze in Irun gefahren und von dort aus am Camino del Norte bis Santiago de Compostella.

Auf los geht's los.

Immer der Muschel nach.

LINES: Die brennendste aller Fragen: Warum fährt man den Jakobsweg mit einem Downhill-Bike? War kein anderes Radl zur Verfügung?

Stefan Lendvai: Zur Frage warum man 2.200 km mit dem Downhiller fährt habe ich leider keine Antwort ???? aber ich würde es wieder machen…. da der Weg durch Frankreich echt genial war und man dort auch das Rad artgerecht bewegen konnte.

Dass die Radlwahl perfekt war, behauptet niemand.

Einen Downhiller am Strand sieht man allerdings auch nicht alle Tage.

LINES: Wie kann man sich deinen typischen Pilgertag vorstellen kann?

Stefan Lendvai: Der typische Pilgertag beginnt erstmal ganz entspannt… Schlafsack und Rucksack packen, waschen, frühstücken. Und dann immer der Muschel nach. Das Geniale ist, dass man morgens nicht weiß wo man abends schläft und ob man eine Möglichkeit zum Einkaufen von Lebensmitteln hat. Deswegen hatte ich immer etwas Reserve-Essen mit. Ein großes Thema ist auch Trinkwasser… ich hatte Tage da bin ich von Brunnen zu Brunnen gefahren, die natürlich nicht angeschrieben sind. Aber witzigerweise findet man alles was man braucht am Weg.

Lebenselixier.

So stellt man sich das Pilgerleben vor.

LINES: Wurdest du oft auf dein Radl angesprochen?

Stefan Lendvai: Aufs Bike wurde ich mehrmals angesprochen und warum man sich das Leben selbst so schwer macht.???? Manchmal habe ich es selbst auch nicht verstanden, aber dann denkt man zurück was man schon geschaft hat und dann geht’s gleich wieder bergauf mit der Motivation.

Selten hat jemand so viele Kilometer auf seinen Downhiller gekurbelt.

Noch dazu mit Schlafsack am Lenker.

LINES: Langzeit-Reisende hält es selten lang daheim.

Stefan Lendvai: Das nächste Projekt geistert schon im Kopf herum, ich bin zwischen zwei Destinationen am entscheiden. Aber ich denke das ich den Pazifik Crest Trail in Angriff nehmen werde. Und ja, wieder mim Downhiller.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle besonders bei meiner Familie und Freunden die mir am Weg zur Seite gestanden sind…und beim Armadillos Chris sowie Bike & Boot Attersee.

LINES: Danke für’s Beantworten der Fragen, Stefan, und viel Spaß bei der nächsten Pilgerei!

Dazwischen fertig...

...in Santiago aber erleichtert und stolz.

Christoph Berger-Schauer

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.