Hirn mit Bike

Katrin KainederLesestoff

Hirn mit Bike Wissenschaft Kolumne

Grafik (c) iuriimotov / Freepik

Warum uns Mountainbiken süchtig macht – #1

Radlfoan is a Gaude! Egal ob eine längere Tour oder ein Tag im Bikepark, es bereitet uns einfach Freude und ein unbeschreibliches Glücksgefühl, wenn wir den Tag im Freien auf unserem geliebten Drahtesel verbringen. In den Sattel schwingen, durch den Wald cruisen, bergauf strampeln um den geilsten Trail zu shredden – all das wirkt auf uns ganz normal. Geil, aber normal. Aber was treibt uns an immer wieder einen Berg rauf zu haxln oder uns unermüdlich an einer Schlüsselstelle zu versuchen? Und warum haben wir Schmetterlinge im Bauch beim bloßen Anblick unseres Bikes, lecken genüsslich unsere Lippen und bekommen feuchte Hände? Es ist die Vorfreude auf das Gefühl des Glücks, mit dem wir nach einem Bike-Tag belohnt werden.

Motivation

Motivation immer wieder aufs Radl zu steigen kommt also ganz simpel gesagt daher, dass wir uns selbst gerne Freude bereiten. Wissenschaftlich erforscht hat man das nicht mit Mountainbikern, sondern mit Ratten. In den 50er Jahren führten die Psychologen James Olds und Peter Milner einen Versuch durch, bei dem sie Ratten eine kleine Elektrode ins Gehirn pflanzten. Mittels Betätigung eines Hebels konnten sich die Nager so selbst einen elektrischen Impuls ins Gehirn verpassen. Die meisten Ratten taten das, wie man sich denken kann, nicht oft. Ratte No. 32 und Ratte No. 34 hingegen konnten gar nicht genug von den Stromimpulsen kriegen: sie betätigten innerhalb von 12 Stunden 3.000 bzw. 7.500 Mal den Hebel. Die Auflösung: bei diesen zwei Ratten saß die Elektrode im Lustzentrum ihres Gehirns. Sie beglückten sich also mit jedem Stromimpuls selbst. Auf‘s Mountainbiken umgelegt: Wir sind die Ratten, das Fahren auf endlosen Trails der Hebel ins Lustzentrum unseres Gehirns.

Experiment Ratte Lustzentrum
Die Ratte in einer Box ist gerade dabei den Hebel zu betätigen und sich selbst Freude zu bereiten.
Grafik (c) http://www.cerebromente.org.br/n18/history/stimulation_i.htm

Gehirnwäsche

Wie der Pawlowsche Hund mit Speichelfluss auf Glockenläuten reagierte, weil er dies mit seiner Fütterungszeit verband, genauso reagieren wir mit explodierender Vorfreude, wenn wir unser Bike beäugen. Wir wurden, sowie der Hund, einer Gehirnwäsche unterzogen. Dem Hund wurde solange die Fütterung mit Glockenbimmeln eingeläutet, dass er schon beim Klang der Glocke zu sabbern beginnt. Mountainbike-Einsteiger reagieren noch unvoreingenommen beim Blick auf deren Neukauf, allerdings sieht es bei erfahrenen Bike-Enthusiasten schon anders aus. Sie haben bereits euphorische Tage mit dem Bike erlebt. Positive, sich wiederholende Erlebnisse reichen aus, um beim bloßen Gedanken ans Bike unsere Glubscher funkeln und Sabber aus dem Maul laufen zu lassen. 

Glücksgefühl

Unsere Belohnung ist das Glücksgefühl, das wir nach dem Biken empfinden. Der Hund hat sein Essen als Belohnung, und wird durch diese Erfahrung immer wieder beim Glockenläuten gehorchen, in der Vorfreude aufs Futter. Wir werden immer den letzten Anstieg zum Hacklberg Trail hochschnaufen, in der Vorfreude auf das wohlverdiente Glücksgefühl nach der Abfahrt. 

Blick ins Gehirn

Werfen wir hier einen Blick ins Gehirn. Wenn wir Vorfreude empfinden, wird unser Gehirn mit einer Dopamin-Welle überschwemmt. Dopamin ist unsere treibende Kraft für den Weg zum Glück. Der erregende Bote flitzt im Gehirn zwischen Lust-, Lern- und Gedächtniszentrum hin und her. Er passt nur in ein Schloss genau wie ein 5er-Inbus-Bit nur in eine 5er-Inbus-Schraube passt. Wird dieses Schloss in unserem Lustzentrum geöffnet, wünschen wir uns nichts sehnlicher als sofort los zu shredden, um unsere Belohnung abzuholen: das unbeschreibliche Glücksgefühl! 

Hirn mit Bike Wissenschaft Kolumne

Was in deinem Gehirn passiert, wenn du am Bike sitzt und woher das Gefühl des Glücks kommt – das schauen wir uns im nächsten Teil von Warum uns Mountainbiken süchtig macht an.

Bis zum nächsten Mal und radlts mit Hirn! Eicha Katrin.

Über den Author
Katrin Kaineder

Katrin Kaineder

Nur ned zlaungsaum sunst foist um. Das Motto von Katrin wenn sie als MTB Guide mit den Kids und Mädels auf der Hohen Wand Wiese die Lines rauf- und runterballert. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht und für jeden Spaß zu haben ist für sie das Mountainbiken zur Droge geworden. Als Neurowissenschaftlerin weiß sie welcher Mechanismus dahinter steckt.

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