Burgenland-Trails

Kersten BognerSzene

Burgenland-Trails

Radtechnisch war Österreichs östlichstes Bundesland bisher eher für Neusiedlersee-Umrundungen denn für knackige Singletrails bekannt. Das sollte sich bald ändern, denn mit den Burgenland-Trails entsteht gerade ein beispielgebendes Singeltrail-Paradies am Geschriebenstein, dem höchsten „Berg“ des Burgenlandes. 


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„I glaub dei baun do oum a BMX-Baun“ hörten wir beim Verlassen der Lockenhauser Konditorei Heiling vom Nachbartisch. Unser Guide und maßgeblicher Mitinitiator des Projekts, Philipp Nehrer, konnte glücklicherweise den Einheimischen, wie uns zuvor, die wahren Ursprünge der regen Bautätigkeiten in den umliegenden Wäldern erklären und wir wollen euch diese Informationen weiterreichen. 

Übersicht

  • Soft-Opening: 14. Mai
  • Offizielle Eröffnungsparty: Geplant am 3. Juli
  • Tageskarte: 8 Euro
  • Jahreskarte: 85 Euro

Planung

„Momentan siacht ma scho wieda mehr Nehrer wia Sauna auf dei Wüdkameras.“ Diese wohl nicht wohlmeinende Aussage eines Eisenstädter Waldhüters zeigt wie passioniert die Angesprochenen rund um ihre Heimatstadt zu Werke gehen. Da die Familie seit Jahrzehnten auch dem Geschriebenstein sehr verbunden ist, nutzte Dr. Martin Nehrer, pensionierter Arzt aus der Landeshauptstadt, samt seinen Zwillingssöhnen Lukas und Philipp die Corona-Lockdowns zur Konzeptentwicklung eines öffentlich befahrbaren Trailnetzwerkes zwischen Lockenhaus und Rechnitz.

Neben der schieren Länge der gebauten Trails von sage und schreibe 40 Kilometern setzen auch die Nutzungsmöglichkeiten hierzulande neue Maßstäbe. Mit 884 Metern Seehöhe ist der Gipfel des Geschriebensteins zwar die höchste Erhebung des Burgenlands, aber klimatisch in einem Bereich der auch in den Wintermonaten zum Radfahren einlädt. Und tatsächlich, während in anderen burgenländischen Bikegebieten, wie der Rosalia, die einzig legal befahrbare Forststraße fünf Monate pro Jahr gesperrt ist kann man an den Hängen zwischen Rechnitz und Lockenhaus künftig das ganze Jahr über legal biken. 

Möglich wurde dies durch viel Überzeugungsarbeit. Der Kurdirektor von Bad Tatzmannsdorf, Andreas Leitner, vernetzte die Familie Nehrer mit der Politik und mit der Zusage von Landeshauptmann Doskozil das Projekt zu unterstützen war der nötige Rückenwind gegeben. Neben unzähligen Freiwilligen zählen auch Hannes Schwahofer, der ehrenamtliche Projektmanager, sowie Martin Ochsenhofer, seines Zeichens Geschäftsführer des Tourismusverband Südburgenland, zu den tragenden Säulen der Burgenland-Trails. Die Radvereine Trailwerk Geschriebenstein (Rechnitz) und Verein Schaltwerk (Lockenhaus) waren schnell an Board, haben in allen Bereichen tatkräftig unterstützt und auch bei den Grundeignern stieß man auf offene Ohren. 


Unerwartete Koalitionen

Diesen wurde nämlich eine minimalinvasive Bauform versprochen. Das bedeutet, dass bei den Trailbauarbeiten maximal 30 Zentimeter Erdreich abgegraben oder aufgebaut – und keine Bäume gefällt werden. Da im Burgenland legales Mountainbiken bisher fast ausschließlich auf Forststraßen möglich war überraschte die Freude der Grundbesitzer ob der fast ausnahmslos als Singletrails projektierten Routen umso mehr: „Endlich spricht jemand Klartext und erklärt wie man die Trails bestmöglich von Jagd- und Forstwirtschaft entkoppeln kann“, meinte einer der größten örtlichen Grundbesitzer im O-Ton. So wurden Korridore für die Strecken genehmigt „die wir uns in den kühnsten Träumen nicht erhofft hatten“ wie Vater und Sohn Nehrer unisono schwärmen. Traumhaft sind auch die Zusagen des Land Burgenland. In der Phase 1, die mit der Errichtung des 40 Kilometer Trailnetzes abgeschlossen ist, fließen 1,5 Millionen Euro Landesgelder in das Projekt. Insgesamt sind 4,5 Millionen dafür genehmigt. 

Burgenland-Trails
Aktuell wird noch gebaut.

Damit sollen noch viele Kilometer Singletrails gebaut werden, aber auch in Projekte der Regionalentwicklung, wie die Anbindung von Bad Tatzmannsdorf und Schlaining sowie einen etwa 25 Kilometer langen „10 Dörfer Trail“, investiert werden. Von Bad Tatzmannsdorf wird es auch einen vom südburgenländischen Tourismusverband errichteten Radweg Richtung Rechnitz geben. Die Trails am Geschriebenstein sind Teil der gesamtburgenländischen Radoffensive und werden in weiterer Folge vom Tourismusverband Südburgenland betrieben werden. 


Die Trails

Das Streckennetz ist auf einer Nord-Süd-Achse zwischen Lockenhaus und Rechnitz ausgerichtet. Von der Geschriebensteinwarte geht es entweder nach Rechnitz oder nach Lockenhaus. Öfters gabeln sich Trails und führen in mehrere Varianten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden pararell ins Tal. Durchschnittlich sind sie zwischen sechs und zwölf Kilometer lang. Zurück zum Gipfel geht es dann meist wieder per Forststraße. 

Burgenland-Trails
Uphill-Trails sind auch dabei.

Eine Zukunftsvision wäre es auch die auf ungarischer Seite von Bikerhand gebauten Trails irgendwann mit den Burgenland-Trails zu verbinden. Die lokale ungarische Politik lässt hier Zustimmung erkennen, welche aber derzeit nicht von der Forstverwaltung geteilt wird. 


Wie fährt sich’s?

Wir hatten das Vergnügen die Trails vorab unter die Räder zu nehmen (siehe Video). Wer 12 Meter Gaps sucht wird woanders fündig werden, aber auch für Profis bieten die Trails Spaß-Potenzial. Die Enduro Asse und Locals Peter Mihalkovits und Paul Heimel waren jedenfalls gestoked und drifteten schon mal den Saharastaub für euch aus den besten Lines. Die Trailbauprofis von Mountain Bike Movement nutzten die vorhandenen Gegebenheiten perfekt und so schlängeln sich flowige Singletrails die kleinen Canyons hinab. Leider war ein Tag zu kurz um alles zu befahren, aber die Burgenland-Trails stehen ab Mai sicher regelmäßig am Tourplan. Tagestickets sowie die Jahreskarte kann man online buchen. 

Burgenland-Trails
Von Burgenlands höchstem Punkt starten die Burgenland-Trails.

Service

Geplant ist ein Shuttleservice von Lockenhaus sowie vom Rechnitzer Stausee, angeboten von örtlichen Taxiunternehmern. Am Stausee ist auch ein von der Gemeinde Rechnitz finanzierter Pumptrack in Planung und ein kleiner Campingplatz vorhanden.

Über den Author

Kersten Bogner

Burgenländer mit dem es seit den 1980ern bergab geht, bevorzugt auf dicken Reifen. Nach 25 Jahren Boards, Weltenbummel und Rock'n'Roll nun voll endurosiert. Anders gesagt: Old but gold!

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