Arctic Biking

Christoph EderReise

Neben Nordlichter bestaunen, Fischen und Skitourengehen kann man sich seit einiger Zeit im hohen Norden auch super mit dem Bike beschäftigen! Wir waren biken im Lyngenfjord.

Bunter, rauer Norden. Foto (c) Moritz Ablinger

Nord-Norge

Mitte September haben wir uns auf den Weg Richtung Polarkreis gemacht. Per Luftschiff ging es ganz hinauf in den Norden von Norwegen, nach Tromsö. Tromsö gilt als größte Stadt im Norden des Landes und ist neben den Nordlichtern, dem nördlichsten Burger King und der nördlichsten Brauerei (Macks Ølbryggeri), vielleicht auch bald für das nördlichste Trailcenter der Welt bekannt.

Auf der Insel gelandet wurden wir gleich herzlichst von Georg empfangen. Hier oben wird gemunkelt, Georg sei der Chuck Norris des Nordens. Man sagt: „Wenn er sein Fischerboot besteigt springen die Dorsche von selbst ins Boot und wenn er Spitzbergen betritt, flüchten sofort alle Eisbären winselnd in ihre Höhlen zurück.“ That’s our man! Er wird uns in der kommenden Woche die besten Trails rund um den Lyngenfjord zeigen, aber zuerst einmal bringt er uns zur ersten Unterkunft, der Magic Mountain Lodge, nach Lyngenseidet.


Mit der Fähre nach Lyngenseidet. Foto (c) Moritz Ablinger

Dag en

Am nächsten Morgen geht es dann nach Einpacken der wichtigsten Mahlzeit „KVIKK LUNSJ“ mit Patrick, dem Betreiber der Magic Mountain Lodge, direkt in das von ihm initiierte Lyngen Trail Center. Hier gibt es neben den drei offiziellen Trails (Golden Trail, Edge of Heaven, Waterfall Trail), auch noch eine Reihe an Secret Trails, die mit den Guides der Lodge geshredded werden können. Die Trails sind ein Mix aus natürlichen Singletrails mit gebauten Features wie Anliegern, Sprüngen und Drops. Das Spezielle am Ganzen: der Großteil der Trails wurde von Andrew, einem Künstler und Trailbauer aus Utah, der die letzten fünf Sommer bei Patrick verbrachte, erbaut. Er hat die Trails perfekt in die Landschaft gemeißelt und dabei für unheimlichen Flow am Trail gesorgt.

Nachdem wir einige Trails im Trailcenter gefahren sind geht es kurz zurück in die Lodge auf ein norwegische Nationalgetränk – „Kaffe“ – den es hier überall in rauen Mengen gibt. Quantität statt Qualität… haha… aber ohne geht’s halt auch nicht! Nach kurzer Kulturpause geht es am Nachmittag noch schnell auf den Berg vor Lyngenseidet zur Skihytta hinauf. Eine Hütte, die im Winter als Top-Ausgangspunkt für Skitouren gilt. Als krönenden Abschluss des Tages lassen wir es am Skihytta Singletrail noch einmal richtig krachen.


Ekspedisjon destilleriet

Nach super feinem Abendessen in der Logde geht es dann noch schnell zur nördlichsten Destillery der Welt. In der Aurora Spirit Distillery erwartet uns schon ein leger gekleideter Mann, auch „The Manager“ genannt, dessen Riechkolben voll und ganz auf Whiskey, Gin und sonstige hochprozentige Kapazunder eingestellt sind. Echt eine mega Location zwischen alten Natobunkern. Der Whiskey muss allerdings noch etwas lagern bevor er als solches benannt werden darf.


Dag to

Next day, next location. Alles wieder eingepackt geht es am nächsten Morgen mit etwas Blei im Kopf erstmal mit der Fähre nach Sorkjosen und danach direkt zum Traileinstieg nach Rakto. Ziel ist der Gjovarden, ein sehr beliebter Skitourenberg im Winter. Anfangs über eine Forststraße, danach direkt über den Trail auf den Gipfel. Schon beim Aufstieg können wir die Abfahrt kaum erwarten. Ich sag nur „Werksboden deluxe„!! Oben am Gipfel erwartet uns eine atemberaubende Aussicht über den Reisafjord und einige Bergseen in der Umgebung. Die Abfahrt ist einfach nur prime!

Der Trail spuckt uns direkt beim Parkplatz aus und wir fahren volley ins North of Lyngen, wo wir diese Nacht bleiben. Nach dem Check-In wird noch kurz gechillt und die Kohlenhydratspeicher mit frischem Räucherlachs aufgefüllt. Anschließend starten wir gleich direkt von den Appartements die zweite Tour des Tages. Ziel ist der Gipfel Andrevarden. Der Anstieg geht zum größten Teil wieder über den Singletrail hinauf und ist ganz schön knackig. Aber wer mit ein paar Uphillskills gesegnet ist hat auch mega Spaß bergauf. Ca. 80% sind bergauf fahrbar. Unterschiedlicher könnten zwei Trails gar nicht sein. Von Werksboden am Vormittag wechseln wir am Nachmittag auf Rock ’n‘ Roll. Auf den Riesensteinplatten gibt es unzählige Varianten zum Hinuntershredden.

Wieder ein mega Tag mit wahnsinns Eindrücken, den wir nach Einbruch der Dunkelheit gebührend im Bios Café ausklingen ließen.


Dag tre

Same procedure as every day… frühstücken, zammpacken, einladen und Abfahrt zum Trail. Diesmal geht es in das Kafjord Valley. Shutteln ist angesagt, oh yeah!

Als erstes geht es gleich einmal ganz hinauf zum Traileinstieg des ZigZag Trails. Wobei Traileinstieg nicht ganz stimmt. Um zum Trail zu gelangen müssen wir noch ein Weilchen einer Schotterstraße folgen und ein Flussbett queren. Bevor wir in den Trail starten gibt’s noch einen KVIKK LUNSJ in einer kleinen Schutzhütte. Danach gibt es 700 Tiefenmeter Singletrail über Wiesen, Steinpfade und zum Schluss noch durch Ruinen, die an den Erzabbau erinnern.

Unten angekommen wartet schon das Shuttle für den zweiten Trail des Tages. Der Gorsa Trail ist an der Reihe. Hierzu kann ich nur sagen: „Top Singletrail der Region!“. Weich, fluffig und mit extrem gutem Grip flowt uns der Singletrail hinunter bis zur Gorsa Brücke. Ich höre immer wieder die Jungs vor und hinter mir schreien: „Werksboden… wohoooo… Weeeeerksboooooodeeeen!!!“. Ein unbeschreibliches Gefühl bei solchen Bedingungen zu fahren.

Noch immer mit den Gedanken am Gorsa Trail geht es dann weiter zum Strandbu Campingplatz. Bei der Ankunft werde ich gleich mal wieder vom Gorsaflow auf den Boden zurückgeholt. Mein Rucksack ist nicht mehr an Board! Fuck. Geldtaschl, Reisepass, iPad und Daunenschlafsack weg. „Was soll schon sein, wenn nix is!“ Der ist sicher in der letzten Unterkunft liegen geblieben. Also erst einmal mit einem Mack Isbjorn chillen und morgen wird sich das regeln.


Dag fire

Noch bevor jemand aufwacht mache ich mich frühmorgens bewaffnet mit einer Banane und einem Energiecake, auf die Suche nach meinem verloren gegangenen Rucksack. North of Lyngen, Traileinstiege im Kafjord Valley, Supermärkte, Fähren, Gemeinden, Polizei… keine Spur vom Rucksack. Aus der angedachten kurzen Rückholaktion wird ein Tagesausflug auf der Küstenstraße vom Lyngenfjord… hat auch was! An den norwegischen Verkehr könnte ich mich gewöhnen.

Leider wird es an diesem Tag nichts mehr mit dem Biken. Aber die anderen haben eine Mordsgaude im Gatsch von Skibotn. Skibotn gilt übrigens als bekannteste Bikedestination am Lyngenfjord. Beim jährlichen Bikefestival gibt es sogar ein Enduro Rennen!


Dag fem

Restday!! Unserem „Fiskebauer“ Felix brennt es schon unter den Fingernägel, endlich ist er gekommen, der Tag des „Fiske“!

Chuck… äh… Georg, chartert uns zwei Boote. Wir teilen die Crew auf und schon geht’s ab auf den Fjord. Ich glaube Georg war in der vorigen Woche einmal kurz mit dem Boot am Fjord, denn außer einem Minidorsch und einer Pflanze fangen wir nur noch eine Dose Isbjorn! Schade Marmelade aber der Petri war wohl nicht auf unserer Seite. Die Bootsfahrt war trotz Fischpleite ein feiner Zeitvertreib.

Nach dem Bootsausflug geht es gleich weiter zur nächsten Destination nach Nordleangen zu den Experience Apartments. Ganz können wir die Pleite nicht auf uns sitzen lassen, so rücken wir vor dem Abendessen noch schnell einmal mit den Angeln aus und siehe da… ein Wurf, ein Biss… innerhalb einer Stunde ziehen wir 40 Fische an Land! Oh yeah… „Fiskebauer“ ist entzückt. Unser Essen für die nächsten Tage ist gesichert.


Dag seks

Einstellige Temperaturen und Regen aus Kübeln lässt die Stimmung beim Frühstück etwas trüben. Nachdem der Regen etwas nachlässt beschließen wir trotzdem für den letzten Trail der Woche auszurücken und siehe da, schon beim ersten Anstieg hört es auf zu regnen und die Sonne kommt schön langsam hinter den Wolken hervor.

Nicht viel von den 150hm erwartet, sind wir schon am Einstieg der Auffahrt, als wir das erste mal den Fjord erblicken, von der Landschaft überwältigt. Oben angekommen entpuppt sich auch der Nordlenangsasen-Trail zu einem Traum Ridge-Trail auf feinstem Untergrund. Auf alle Fälle „Worth It“!! Da vergisst man sogar den kurzen steilen Anstieg davor.

Nach der Tour geht es dann zurück nach Tromsö, wo uns schon Tromsö Outdoor erwartete. Nach Präsentation des Geschäftes geht es im Anschluss in die Stadt, wo wir eine private Stadtführung bekommen, die in der Mack Brauerei am ausgestopften Eisbär endet! Haha… ein Traum… Prädikat „Sehenswert“!


An dieser Stelle noch einmal ein fettes Danke an Andrea und Georg für die top organisierte Woche und den Einblick in die Bike-Szene im Norden. Auch ein großes Dankeschön an die österreichische Botschaft in Oslo, die mir prompt einen Notpass nach Tromsö zukommen ließ und an alle, die mir in der Zeit Geld pumpten. „Ohne Pass und Geldtaschl is ma echt angschissn!“

Hier noch ein paar bewegte Bilder vom Trip…


Über den Author
Christoph Eder

Christoph Eder

Zweirad Ambassador, fährt dort wo andere schieben. Immer auf der Suche nach Airtime, egal ob am Trail oder am Pumptrack. Bike, write, sleep, repeat.

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