Vertikale Radträger

Michael PfuisiMaterial

Neomotus vertikaler Heckträger

Radträger waren bisher meist ein Kompromiss. Entweder die Hecktüren gingen nicht mehr ordentlich auf, die Träger saßen nicht stabil genug oder die Bikes rubbelten aneinander oder am Auto. Aus Deutschland möchten das drei Unternehmen ändern und bringen vertikale Radträger à la North Shore Style nach Europa.


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Kanada ist für viele Biker:innen die Traumdestination schlechthin. Da kommen einem sofort Whistler, Skinnies und Shuttle Laps per Pick Ups in den Sinn. Mit dabei: hochkant montierte Bikes. Vertikale Heckträger sind dort der absolute Standard. Bei uns sieht man sie hingegen so gut wie gar nicht.

Die übliche Methode zur Bike-Mitnahme mit dem Auto hierzulande ist ein horizontaler Radträger, der auf der Anhängerkupplung sitzt, direkt an der Heckklappe montiert wird oder am Dach Platz findet. Geht auch, ist aber nicht ganz so praktisch wie der nordamerikanische Standard. Entweder Stabilität und Zuladung sind mau oder man bringt die Heckklappe vor lauter Gewicht nicht auf oder muss einen Balance-Kraft-Akt vollführen, um das Rad auf’s Auto zu hieven.

Der vertikale Transport ist da um einiges praktikabler: die Bikes sind leicht und schnell montiert, keine Reihenfolgen-Einhaltung notwendig und stabil befestigt. Für alle, die ihre Bikes nicht im Auto transportieren, sind vertikale Radträger wohl die beste Option. Ein Grund warum sie in unseren Breiten bisher kaum verbreitet waren, ist der Unterschied in der Anhängevorrichtung im Vergleich zu den Kollegen auf der anderen Seite des Antlantiks. Dort erleichtert eine simple Vierkantaufnahme die stabile & verwindungssichere Montage eines vertikale Heckträgers.

Drei Firmen aus Deutschland haben sich der Herausforderung – vertikale Radträger auf europäischen Autos – gestellt und drei smarte, recht unterschiedliche Lösungen entwickelt.

Small Car kleines Auto Canada Bike Trip Roadtrip
Bei uns die Norm: Heckträger für PKWs, auf denen die Räder horizontal angebracht sind.

Neomotus

From the Rockies to the Alps ist das Motto von NEOMOTUS. Hinter dem Name stecken Christina Treppte und Alexander Bergmann, die das Projekt im Zuge einer Abschlussarbeit ins Leben gerufen haben. Die ersten Prototypen entstanden 2023, der Verkaufsstart erfolgte Ende letzten Jahres. Innerhalb kürzester Zeit waren die zehn Stück der ersten Serie ausverkauft. Die nächste Auslieferung peilt das Start-up dieses Frühjahr an.

Die Montage des MOTUS VR4 erfolgt mittels Verschraubung über den Anhängebock des Fahrzeugs (dort, wo im Regelfall der Kugelkopf draufgeschraubt ist). Dadurch entsteht eine extrem stabile Verbindung, auf die die eigens entwickelte Gelenkanbindung kommt. Somit ist sogar ein sicherer Offroad-Betrieb mit Vollbeladung möglich. Ausgelegt ist der MOTUS VR4 für vier Räder bis zu 100 kg Gesamtgewicht bei einem Eigengewicht von 30 kg. Und das Feine an diesen vertikalen Heckträgern: durch die Kipptechnik, lassen sich Hecktüren und -fenster problemlos öffnen, außerdem fungiert er als Rad- und Montageständer.

Vorraussetzung für den MOTUS VR4 ist ein Anhängebock. Den findet man meist an Kleinbussen wie VW T4, T5, T6, Mercedes Vito & Co, an Transportern wie Mercedes Sprinter, VW Crafter, Fiat Ducato oder Ford Transit und größeren Wohnmobilen. Wer einen PKW besitzt, der ausschließlich über eine Kugelkopfkupplung verfügt, der muss auf die NEO Urban Series warten oder in diesem Artikel weiter unten lesen.

MOTUS VR4

  • 4 Bikes bis zu 100 kg Gesamtgewicht
  • Offroad tauglich
  • Voraussetzung: Anhängebock
  • einstellbare Geschwindigkeit beim Absenken durch hydraulische Bremse
  • 3 verschiedene Kippwinkel
  • 16 Zoll Radgröße aufwärts
  • wird in Deutschland & Österreich gefertigt
  • verfügbar ab Frühjahr 2026
  • Webseite
  • ab € 2.680,-
Mit dem MOTUS VR4 lassen sich 4 E-Bikes mit je 25kg problemlos transportieren – auch Offroad. Foto: Benita Kerbler

Push Components

PUSH Components aus Bayern tüftelt schon seit fast einem Jahrzehnt an Lösungen, die einem das Leben mit Radl leichter machen. Viele werden die Firma von HOOKABIKE oder PADABIKE kennen. Die Köpfe hinter all den Produkten sind Bettina Schindelka und Laurenz Dann – ursprünglich aus Österreich. Mit der Anschaffung eines eigenen Vans kam dann die Idee für das PUSHrack auf. Dank einem modularen System gibt’s aber nicht nur ein PUSHrack, sondern viele verschiedene. Mittlerweile gibt’s Optionen, um Bikes, Ski, Board, E-Roller und sogar externe Aufbewahrungsboxen an der Hecktür zu befestigen.

Ein Schienensystem (z.B. Airline) an den Hecktüren fungiert dabei als Basis und kann beliebig erweitert werden. Die Halterungen für Bikes sind dadurch auch individuell verschiebbar. Pro Hecktür können bis zu zwei Bikes je 25 kg befestigt werden. Die Montage erfolgt bei diesem System also nicht über die Anhängevorrichtung, sondern an den Hecktüren direkt. Das System ist dadurch um einiges leichter als herkömmliche Träger. Ein integrierter Sperrriegel sorgt außerdem für einen wirksamen Diebstahlschutz der Bikes. Mittlerweile gibt es schon die dritte Version des PUSHracks, die Vorgängerversion ist dadurch aktuell sogar deutlich vergünstigt zu haben.

PUSHrack Bike

  • bis zu 4 Bikes je 25 kg
  • für alle Rahmen- und Laufradgrößen geeignet
  • modulares System mit Optionen für Ski, Aufbewahrungsboxen und auch E-Roller
  • integrierter Diebstahlschutz
  • Vorraussetzung: Fahrzeuge mit einer Höhe über 2,25m
  • wird in Deutschland gefertigt
  • Webseite
  • ab € 132,- pro Bike
Mit GründerLaurenz Dann haben wir sogar mal eine Folge MTB Cribs gefilmt, wo man das (ältere) System live sehen kann.

FASTRACK

Das dritte Unternehmen stammt ebenso aus Deutschland und hört auf den Namen FASTRACK. Nomen est omen, denn man wirbt mit der Schnelligkeit und Einfachheit der Montage der Räder, aber auch des Trägers selbst. Dieser wird nämlich direkt auf der Anhängekupplung montiert. Das erleichtert die Montage erheblich, sorgt aber auch für ein geringeres zulässiges Gesamtgewicht der Räder. Vom FASTRACK wird es zwei verschiedene Modelle geben, die für zwei oder vier Bikes ausgelegt sind. Das maximale Gesamtgewicht von 60 kg ändert sich je nach Version aber nicht. Wer wirklich vier Bikes transportieren will, sollte also eine Waage zur Hand haben. Für Familien oder mit einem Setup aus zwei Enduros und zwei Rennrad-/Gravelbikes sollte das aber genügen.

Ein weiterer Vorteil des Systems ist, dass sich die Heckklappe oder Hecktüren weiterhin öffnen lassen. Der Radlträger ist nicht ausschließlich für Busse konzipiert, sondern für alle Fahrzeuge mit einer Anhängevorrichtung.

An der Idee getüftelt wird seit rund vier Jahren von drei Freunden, die Anfang 2025 dann offiziell die Firma FASTRACK gründeten. Erhältlich wird das System im Laufe dieses Jahres werden, die Vorbestellung läuft über die Website. Ein Vertriebsnetz mit Partnerhändlern soll in Zukunft folgen.

FastRack vertikaler Heckträger

FASTRACK

  • entwickelt und produziert in Deutschland
  • verschiedene Optionen für 2 oder 4 Räder mit 60 kg Gesamtgewicht
  • Voraussetzung: Kugelkopfkupplung
  • einfache und schnelle Montage an der Anhängekupplung
  • schnelles Be- und Entladen der Bikes
  • verfügbar im Laufe des Jahres 2026
  • Webseite
  • ab € 1.000,- (2 Räder) bis € 1.400,- (4 Räder)
FastRack vertikaler Heckträger
Montiert wird der FASTRACK-Träger durch die Klemmung auf der Anhängekupplung.

Welches System ist dein Favorit? Sag’s uns per Mail oder auf Instagram.

Über den Author

Michael Pfuisi

Noch recht frisch in der Bike-Szene, aber schon vollkommen von diesem Enduro-Virus befallen. Das zeigt seine Trailpartie-Süchtelei inkl. Prolog-Erfolgen. Die Grazer Trails sind sein Heimrevier, das er immer öfter für Stages mit Zeitnehmung verlässt.

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