Grafik: KI generiert
2026 unterzieht sich Redakteuer, zweifacher Vater und Masters-Downhill-Podiumsfahrer Kersten Bogner dem Biohacking-Selbstversuch und schreibt in der Kolumne Unverbesserlich ich in allen LINES Printausgaben des Jahres über seine Erfahrungen.
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Interview zur Kolumne in LINES Issue #35
Gentests im Sport: Wie viel steckt in unseren Genen – und wie viel im Training?
Ein Interview mit dem Genmedizin-Spezialist Dr. Stefan Wöhrer, mit dem wir uns in dessen Praxis in Neunkirchen getroffen haben.
Biohacking, personalisierte Trainingspläne oder Gentests sind längst im Sport angekommen. Was vor einigen Jahrzehnten noch Superreichen wie Steve Jobs vorbehalten war, ist mittlerweile für ein paar hundert Euro zu haben. Kann uns ein Gentest helfen, schneller zu werden? Unser Gesprächspartner Dr. Wöhrer ist unter anderem Sportmediziner und selbst begeisterter Mountainbiker. Wir haben mit ihm über Genetik, Training und die Frage, ob Talent messbar ist, gesprochen.
Sie sind praktizierender Mountainbiker, wie ist es dazu gekommen?
Ich bin grundsätzlich mit dem Mountainbike zum Sport gekommen. Das war damals Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Ich war etwa 14 und damit bei den ersten Mountainbikern im österreichischen Nachwuchsbereich dabei. Ich habe damals an zahlreichen Cross Country-Rennen teilgenommen und war bis zu den Junioren aktiv. Außerdem war ich eher groß und schwer, deshalb wurde mir geraten, auf die Straße zu wechseln, weil das dort weniger ins Gewicht fällt. Damals waren die Strukturen im Mountainbike noch nicht so ausgeprägt wie heute. Es gab keine wirklichen Nationalteams und wenig Betreuung, also habe ich es bei den Straßenfahren veruscht.
Hat der Rat zum Erfolg geführt?
Ich war auf dem Mountainbike erfolgreicher, bin österreichischer Meister in der Jugendklasse geworden und habe auch an Europameisterschaften teilgenommen. International habe ich aber nicht wirklich vorne mitfahren können. Das war auch die Zeit, in der Doping ein Thema wurde. Irgendwann musste man sich entscheiden, ob man da mitgeht oder nicht. Ich habe mich dagegen entschieden und mich relativ enttäuscht aus dem Leistungssport zurückgezogen.
Und danach?
Ich habe mich auf mein Medizinstudium konzentriert. Das Rad ließ ich für 25 Jahre im Keller stehen. Vor drei Jahren habe ich mir ein neues Bike geleistet und fahre jetzt Marathonrennen in der Masters-Kategorie. Das macht mir wieder richtig Spaß, auch aufgrund der Technik der Bikes. Allein schon die Reifen, früher musste man ja jede Woche zumindest eine Ausfahrt wegen eines Snakebites unterbrechen, seit ich Tubeless fahre hatte ich keine einzige Reifenpanne mehr.
Was hat Sie beim Comeback am meisten überrascht?
Dass die Ausdauer noch da ist, ich schnell wieder auf ein gutes Niveau gekommen bin. Das überraschte mich und zeigt, dass gewisse Dinge langfristig erhalten bleiben.
Sie haben sicher selbst einen Gentest gemacht. Was war dabei die wichtigste Erkenntnis zum Thema Sport?
Dass ich genetisch eine längere Regenerationszeit brauche. Das war für mich spannend, weil ich früher oft im Übertraining war. Ich habe sehr viel trainiert und meinem Körper wahrscheinlich nicht genug Erholung gegeben. Rückblickend könnte das ein Grund gewesen sein, warum ich meine Leistung nicht weiter steigern konnte.
Wie wird Genetik aktuell im Leistungssport eingesetzt?
Es gibt erste Projekte, zum Beispiel mit Leistungssport Austria, wo man genetische Analysen mit realen Leistungsdaten vergleicht. Man schaut, ob die genetischen Aussagen mit der Realität übereinstimmen und versucht, daraus Rückschlüsse für Training und Entwicklung zu ziehen.
Wie verlässlich sind die Gentests diesbezüglich aktuell?
Die Ergebnisse kommen aus sogenannten Genome-Wide Association Studies. Dabei wurden sehr viele Menschen genetisch analysiert und haben dazu ein breites Spektrum an Fragen beantwortet. Die Antworten wurden mit den Tests abgeglichen, das passiert fortlaufend, es wird also immer exakter. Aber man muss die Ergebnisse immer mit Vorsicht betrachten. Manche Dinge passen sehr gut, andere weniger. Deshalb arbeiten wir in der Trainingssteuerung eng mit den Trainern zusammen und schauen uns die Daten gemeinsam an. Wir geben vor allem positive Erkenntnisse weiter und prüfen negative Aussagen sehr genau.
Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen?
Ein Triathlet hatte genetisch einen erhöhten Regenerationsbedarf, das ließ sich eindeutig aus seinem Gentest herausfiltern. In der Praxis haben wir gesehen, dass er tatsächlich besser funktioniert, wenn seine Trainingseinheiten weiter auseinanderliegen. Das sind genau die Fälle, wo Genetik sinnvoll helfen kann.
Kann man mit Genetik Talente erkennen?
Teilweise. Aber man muss vorsichtig sein. Es geht nicht darum zu sagen, jemand ist gut oder schlecht. Sondern eher darum, Tendenzen zu erkennen. Im Leistungssport spielt Talent definitiv eine große Rolle. Ohne Talent kommt man nicht an die Weltspitze. Aber Talent allein reicht auch nicht. Von 1.000 bis 2.000 Athleten schafft es vielleicht einer ganz nach oben.
Was bedeutet „polygenetisch“ in diesem Zusammenhang?
Dass nicht ein einzelnes Gen entscheidend ist, sondern viele. Manche wirken positiv, manche negativ. Erst das Zusammenspiel ergibt ein Gesamtbild. Deshalb ist es so schwierig, klare Aussagen zu treffen.
Ein oft genanntes Beispiel ist das sogenannte Aggressionsgen. Wie sehen Sie das?
Das MAOA-Gen ist ein gutes Beispiel. Es kommt bei vielen gewalttätigen Straftätern vor, aber auch bei etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Entscheidend ist die Umwelt. Wenn jemand mit dieser genetischen Anlage in der Kindheit misshandelt wird, ist die Wahrscheinlichkeit für eine gewalttätige Zukunft der Person sehr hoch. Hat er ein stabiles Umfeld, kann es genau in die andere Richtung gehen. Das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie sehr eine genetische Veranlagung in verschiedene Richtungen gelenkt werden kann. Ich vergleiche Genetik gerne mit einem Kartenspiel: Man bekommt Karten, aber wie man sie spielt, ist entscheidend.
Wie sinnvoll sind also Gentests aktuell für Sportler?
Als Ergänzung sind sie sinnvoll. Aber sie ersetzen keine Leistungsdiagnostik. Man muss immer zuerst schauen, was der Körper tatsächlich leisten kann. Gentests können bei der Trainingssteuerung, bei der Regeneration und bei der Verletzungsprävention helfen. Man kann Trainingspläne besser individualisieren.
Welchen Faktor hat die Genetik im Ausdauersport?
Einen entscheidenden. Ein großer Teil hängt mit dem Sauerstofftransport zusammen. Manche Menschen haben genetisch mehr rote Blutkörperchen. Das ist ein klarer Vorteil.
Wo sehen Sie die Zukunft für Gentests im Sport?
Ich glaube, dass Genetik in den nächsten 10 bis 20 Jahren eine größere Rolle spielen wird. Vor allem in der Trainingssteuerung, in der Verletzungsprävention und bei der Einschätzung von Potenzial. Aber es wird nicht so sein, dass jemand am Computer entscheidet, wer welche Sportart machen soll.
Kann man durch seinen Lebensstil beeinflussen, was man weitergibt?
Die Gene selbst nicht, aber epigenetische Effekte spielen eine Rolle. Ein gesunder Lebensstil kann sich auf die nächste Generation auswirken. Es ist jetzt im Moment noch meine Vermutung, aber wenn man sich betreffende Studien anschaut, trifft das hauptsächlich für Mütter zu. Die Epigenetik des Vaters, welche mit dem Sperma mitkommt, wird bei der Befruchtung gelöscht, aber jene der Mutter bleibt bestehen. Wenn also Väter misshandelt wurden, dann haben eben die Kinder nicht unbedingt eine höhere Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen, wenn hingegen Mütter misshandelt wurden oder andere Traumata wie eine Hungersnot erlebten, zeigen Studien wie die „Dutch Hunger Winter Study“ (1944/45) dass epigenetische Veränderungen bei der Mutter signifikante Auswirkungen auf die Folgegeneration hat.
Ein Schlusswort bitte.
Der Mensch steht immer an erster Stelle. Genetik darf helfen, aber sie darf niemals entscheiden oder Menschen einschränken.
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