An E-Bike Buyer’s Diary: Stevens E-Inception

Christoph Berger-SchauerMaterial

E-Bike Buyers Diary Kersten Bogner Stevens E-Inception Test

Kersten Bogner ist auf der Suche nach einem neuen E-Bike und probiert sich deshalb quer durch’s reichhaltige Angebot. Heute in seinen Klauen: das Stevens E-Inception ED 8.8.1 GTF.


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Testrad 2: Stevens E-Inception ED 8.8.1 GTF (UVP 6.999 €)

Nach dem KTM Macina Kapoho Exonic Di2 geht meine persönliche Suche nach dem nächsten E-Bike in die zweite Runde. Und unterschiedlicher könnten zwei Räder, die auf dem Papier gar nicht so weit auseinanderliegen, kaum sein.

Stevens E-Inception Test Kersten Bogner Seitenansicht

Vergleiche

Stevens E-Inception Test Kersten Bogner Aufeinandertreffen
Die zwei Testräder haben sich persönlich getroffen.

Stevens bietet mit dem E-Inception ein Konzept für mehrere Einsatzzwecke. Neben dem getesteten Enduro-Modell gibt es zwei weitere Versionen der gleichen Plattform mit jeweils einem Zentimeter weniger Federweg und anderen Komponenten. Aber weniger war bei mir noch nie mehr.

Das ED 8.8.1 GTF (für „Gas to Flat“) kam wie das KTM als Mullet, unterstützt vom Bosch CX-Motor samt 800-Wh-Batterie, aus dem Karton.

Geometrisch gesehen ist das E-Inception ED 8.8.1 GTF dann doch „moderner“ geschnitten als das eher konservative KTM. Lenkwinkel flacher (63,6 Grad), Sitzwinkel steiler (76,8 Grad), Kettenstrebe kürzer, vorne ein „Zanti“ mehr an Federweg (17 Zentimeter, hinten 16) und last but not least auch die richtige Rahmengröße (in meinem Fall R4) sorgten schon vorab für gesteigerte Vorfreude.

Getrübt wurde diese nur durch den straffen Testzeitplan. Drei Wochen waren mir fast zu kurz, nicht nur weil ich ein Grübler bin …


Jackson Goldstone-Feeling

Das Bike ist eine Spaßmaschine. Von den Ausfahrten mit dem E-Inception kam ich zwar regelmäßig ziemlich erledigt nach Hause, aber nicht, weil es anstrengender als andere Bikes zu fahren gewesen wäre, sondern weil es ständig dazu verleitet, irgendwas zu machen, was man an gleicher Stelle vorher nicht am Radar hatte. Bodenwelle? Pumpen. Kleine Kante? Abspringen. Gegenhang? Reindrücken. Noch schnell irgendwo abziehen, wo man normalerweise einfach drüberrollen würde? Na sicher.

Vielleicht lag’s an der Jahreszeit – Frühling –, aber irgendwie fühlte ich mich auf dem Rad wieder ein paar Jahre jünger und ein wenig wie Jackson Goldstone. Jacksons neue E-Bike Plattform (Vala, Bullit) ist der des E-Inception ja optisch eh nicht ganz unähnlich.

Der mit 649 Millimetern ohnehin hohe Stack dürfte jedenfalls seinen Teil dazu beigetragen haben, dass ich beim Downhill das Gefühl hatte, eine aufrechtere Position als gewohnt einzunehmen. Das Bike ließ mich meiner Skateboard-Wurzeln gedenken und machte mich quasi über Nacht zum Jibber.

Die Kehrseite der Medaille: Der jugendliche Überschwang ist ein Spiel mit dem Feuer. Jedenfalls fuhr ich mit dem Stevens recht häufig auf des Messers Schneide. Vielleicht hatte die dreiwöchige Ablauffrist dahingehend auch etwas Gutes, jedenfalls: Guad is gangan, nix is gschen.


Facts & Details

Stevens ist eine familiengeführte Hamburger Fahrradmarke, deren Geschichte bis Anfang der 1990er-Jahre zurückreicht. Die E-Inception-Familie gibt es seit dem Modelljahr 2021, für 2026 wurde die Plattform grundlegend überarbeitet.

Und auf dieser fühlte ich mich vom Start weg sehr wohl. Man steht sehr angenehm im Rad, hat viel Bewegungsfreiheit, auch die verbaute 170-Millimeter-Sattelstütze fand ich ausreichend. Sattelstütze wie auch Schaltung (SRAM Eagle 90) werden per Seilzug betätigt.

Das Gewicht des Carbon-Bikes von 23,6 kg ist für die Full-Power-Motorisierung mit großer, nach unten entnehmbarer Batterie und robuster Ausstattung (z. B. Schwalbe Gravity-Karkasse am hinteren Pneu) absolut okay und fühlt sich am Trail leichter an.

Gewicht gespart wird an den richtigen Stellen, so zum Beispiel bei der Dämpferwippe, die in Carbon daherkommt. Der Hinterbau ist dafür mit doppelreihigen Kugellagern gelagert und wirkt allgemein sehr robust. Die Farbe der ED-Version erinnert bei Sonnenlichtbestrahlung an das Mahagoni-Interieur alter Sportwagen. Edel.

Stevens E-Inception Test Kersten Bogner Dämpfer
Gewicht gespart wo’s Sinn macht: an der Dmpferwippe.

Downhill

Während ich auf dem für mich etwas zu kleinen, aber fehlerverzeihenden KTM satt und sicher unterwegs war, verlangt das Stevens ein bisschen mehr Aufmerksamkeit im Bergabbetrieb. Dafür kommt mehr zurück, wenn man das will. Mir kam auch vor, dass ich beim E-Inception besser Druck aufs Vorderrad brachte als bei vielen anderen Rädern, was zur aufrechten Fahrposition passen würde.

Die verbaute Fox 38 Float Performance mit 170 Millimetern Federweg und der Fox Float X Performance Elite Dämpfer mit 160 Millimetern erledigen ihren Job verlässlich und sind über jeden Zweifel erhaben. Beim ersten Ansprechen fand ich die 36er Factory Kashima am KTM allerdings noch ein Stückerl feiner, was mit zunehmendem Alter je nach Tagesform schon einen Unterschied machen kann. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Reserven gibt es vorne jedenfalls genug und zur Persönlichkeit des Stevens passt die stabile 38er ausgezeichnet.

Lustig fand ich die Sprungweitenmessung am Bosch-System, welche nach einem Pieps am Lenker angeklemmten Purion 400 Display abgelesen werden konnte. Gefühlt dürfte Bosch bei der Weitenmessung ähnlich großzügig sein wie ich bei meiner eigenen Einschätzung als Jackson Goldstone.

Stevens E-Inception Test Kersten Bogner Sprung
Der obligatorische Test der Flugeigenschaften.

Uphill

Beim Bergauffahren gibt es wenig Spektakuläres zu berichten – und das ist durchaus positiv gemeint. Das Stevens verhält sich auch auf steileren Anstiegen angenehm neutral und durch das allgemein gute Handling habe ich mich auch bergauf vom ersten Moment an wohlgefühlt.

Der Bosch CX liefert genug Leistung, das Mullet-Konzept funktioniert und das Bike lässt sich auch auf technischeren Anstiegen gut kontrollieren. Im Vergleich zum Race-Motor des KTM ist der normale CX weniger aggressiv, was ich selten als Nachteil empfand.


Bremsen

Nachdem ich am KTM noch mit dem Vorgängermodell der aktuellen XTR-Linie und dabei mit mangelnder Bremskraft haderte, war die Performance der am Stevens montierten XT-Anker neuester Bauart eine positive Überraschung. Für mich ein absolutes Kriterium: Meine letzten drei Mountainbikes kamen durchwegs mit SRAM Code Bremsen, welche allesamt und zur vollsten Zufriedenheit durch TRP DH-R Evo Modelle ersetzt wurden. Die montierten Shimano XT-Bremsen würden dieses Investment jedenfalls verzichtbar machen.


Sonstige Ausstattung

Auch die weiteren verbauten Teile geben kaum Anlass zum Raunzen. Die SRAM Eagle 90 Transmission funktioniert sauber, die Laufräder und die Kombination aus Schwalbe Magic Mary vorne und Albert hinten passen zum Einsatzzweck und insgesamt wirkt die Ausstattung für den Preis sehr vernünftig zusammengestellt.

Ein Bauteil würde ich allerdings wahrscheinlich doch wechseln: Schon auf dem KTM war ich mit dem Fizik Terra Alpaca nur bedingt kompatibel und auch am Stevens wurden wir keine Freunde.

Mit der Leitungsführung durch den Steuersatz – Headset Cable Routing – gewinnt man heute wohl auch keine Popularitätsbewerbe mehr. Nachdem ich an einem anderen Testrad, ebenfalls mit integrierter Kabelführung, einen Spacer am Steuerrohr nachrüsten musste, weiß ich auch, warum dem so ist.

Stevens E-Inception Test Kersten Bogner Oberrohr
Headset Cable Routing? Hm…

Mein persönliches Fazit

Mir gefällt’s, das Stevens. Vom Fahrspaß her wie beschrieben super und auch optisch finde ich es sehr ansprechend. Das mit dem Fahrspaß ist mir sogar ein bisserl suspekt, denn eigentlich hat das Stevens mit 1.296 Millimetern für meine Verhältnisse einen relativ langen Radstand, und auch der Reach mit 491 Millimetern ist länger als bei meinen sonstigen bisherigen Radln. Nachdem ich aber nie der Verständigste war, was Bikegeometrien betrifft, kann ich mich nur aufs Erlebte verlassen und das hat diesen Frühling wunderbar gepasst.


Leiwand:
  • Handling: Agil, poppig und verspielt, und das mit voller Power und ebensolcher Reichweite.
  • Fahrposition: Hohe Front, viel Bewegungsfreiheit und ein bisserl Jackson Goldstone-Gefühl.
  • Bremsen: Die neuen XT überzeugten.
  • Optik.
  • Komponentenmix.
Nicht so leiwand:
  • Sattel.
  • Headset Cable Routing.
  • Batterieentnahme per Schloss.

Wird das Stevens E-Inception ED 8.8.1 GTF mein nächstes E-Bike?

Kann gut sein.

Stevens E-Inception Test Kersten Bogner
Wird das mein neues E-Bike?
Über den Author

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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