spusu Bikes

Christoph Berger-SchauerSzene

spusu Bikes E-Enduro

Fotos: Markus Frühmann

Bikes von einem Mobilfunker? Ist das ein Marketingschmäh? Mitnichten im Falle von spusu. Hinter dem Rad-Engagement der farbenfrohen Marke steckt viel Ernsthaftigkeit.


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Wenn man überlegt, welchen Branchen man zutrauen würde, ordentliche Fahrräder zu bauen, dann Motorrad-, vielleicht Auto- und mittlerweile Elektronik-Firmen. Mobilfunkanbieter stehen ziemlich sicher nicht auf der Liste stehen.

Dank Toni Polster, ein Sympathieträger vor dem Herrn, haben wir periphär mitbekommen, dass spusu Fahrräder macht. Das Interesse hielt sich dank City-/Trekkingbikes, von denen Toni lacht, in überschaubaren Grenzen. Das änderte sich schlagartig, als wir Bilder eines Enduros und E-Enduros mit spusu-Schriftzug entdeckten. Prompt waren wir voller Fragen.


Die Wege führen nach Wolkersdorf

Um unsere Fragen beantwortet zu bekommen, fahren wir ins Weinviertel. In einem modernen Zweckbau in Wolkersdorf sollen wir sie finden. Vor dem Gebäude lassen Erdhügel mit erkennbaren Fahrspuren erahnen, dass man hier Fahrräder nicht den Status von Werbegeschenken gibt. Und der Eindruck verstärkt sich, als wir in den hinteren Teil des Shops vordringen. Ein kleiner Schauraum mit Rädern voller Carbon und Kashima.

Patrick Vollman, Kopf der Bike-Sparte von spusu, lächelt. Er dürfte den Oha-Effekt gewohnt sein und führt uns ein ins Sortiment der spusu Bikes: ein Rahmen pro Rad-Kategorie mit jeweils drei Ausstattungsvarianten. Das Portfolio umfasst je ein Modell für Rennrad, Gravel, Race Fully, Race Hardtail und E-Enduro. Allesamt Carbon, allesamt hochwertig. Obendrein gibt’s noch das Tiefeinsteiger– und das Trekking E-Bike.

spusu Bikes Sortiment

Warum? Wann? Wie? Die Fragen werden eher mehr, als weniger. Unsere Gastgeber Patrick und Matthias beantworten sie geduldig.


Der spusu-Exkurs

Um die Fahrrad-Tätigkeit von spusu einordnen zu können, muss man kurz in die Geschichte der Firma abtauchen.

Gründer und Eigentümer ist der Weinviertler Franz Pichler. Als technischer Leiter der Mass Response GmbH übernahm er die Firma 2011 im Zuge eines Management-Buy-Outs. Als später Orange von Hutchinson erworben wurde, mussten andere Anbieter in deren Handynetz zugelassen werden und Franz Pichler sah eine Chance für eine neue Marke in einem zu 150% gesättigten Markt. 2015 war spusu geboren. Das Akronym für „Sprich und surf“ hält heute bei rund 700.000 Mobilfunk-Kunden und ist darüber hinaus in Italien, Großbritannien und der Schweiz tätig.

Ein Erfolg, auf dem man sich ausruhen könnte. Das liegt aber nicht in der Natur des Familienunternehmens. Unter spusu (Infrastruktur GmbH) betreibt man eine eigene Baufirma, die sich recht erfolgreich um Glasfaserinfrastruktur kümmert. Unter spusu (Wein GmbH) vertreibt man prämierten Wein, den man selbst anbaut und in einer eigenen Weinkellerei herstellt. Mit dem „Home of spusu“ entstand in Asparn an der Zaya im Weinviertel ein eigenes Bürogebäude inklusive Wohneinheiten. Und unter spusu (Bikes) baut man Fahrräder.

spusu Bikes Lager
Das Lager in Wolkersdorf ist sinnbildlich für die unterschiedlichen Geschäftsbereiche: vorne Router, hinten Bikes.

Warum Fahrräder?

Bei Glasfaser kann man eine Verwandtschaft zu Mobilfunk durch Kommunikationsinfrastruktur sehen. Der Wein kam dazu, weil die Väter von Franz und seiner Frau Andrea Pichler ebenfalls Wein anbauten. Was aber ist die Verbindung zu Fahrrädern?

Wir schreiben das Jahr 2022 und Franz Pichler findet kein E-Bike, das er für passend ansieht. Entweder ist der Akku zu klein oder die Bedienung zu kompliziert. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiter*innen entwickelt er ein E-Bike nach seinen Vorstellungen. „Das Feedback auf das erste Modell war überragend“, so der Mann mit vielen Interessen und offenbar genausovielen Fähigkeiten. Die Produktion wurde erweitert und wenige Jahre später komplett nach Wolkersdorf verlagert.

Das ist der Zeitpunkt, an dem Patrick Vollmann bei spusu in Wolkersdorf einzieht. Mit seinem eigenen Werkzeugkoffer und Montageständer in der Hand. Er hat Erfahrung in der Bike-Branche, ist selbst passionierter (und wettkampferprobter) Radfahrer, im Radverein (RC spusu) aktiv und Rennveranstalter (spusu short track). Und er gibt ab sofort die Linie vor: „Wenn wir als Radproduzent ernst genommen werden wollen, dann brauchen wir mehr als City- und Trekkingbikes.“ Mit Sommer 2024 steht das eingangs genannte, carbonisierte Line up. Mittlerweile braucht er auch seinen eigenen Werkzeugkoffer und Montageständer nicht mehr mitnehmen.

spusu Bikes Patrick Vollmann Xentis
Patrick Vollmann ist der Kopf von spusu Bikes und leidenschaftlicher Radlfahrer.

Aber wie?

Bei der Firma spusu will man möglichst viel selbst machen. Das zieht sich durch alle Geschäftsbereiche. (Noch) außer Reichweite ist eine eigene Rahmen- oder Komponentenproduktion (no-na), darum macht man auch keinen Hehl daraus, dass es rahmentechnische Ähnlichkeiten zu namhaften Herstellern gibt. Den Rest nimmt man aber selbst in die Hand. Die Rahmenrohlinge werden in Wolkersdorf ausgepackt, kontrolliert und gehen mit Decals und Lackierungswunsch ins Nachbardorf. Wieder retour werden sie mit Komponenten von Shimano, Vittoria, Pepi’s Tire Noodle, Xentis & Co aufgebaut. 1-3 Wochen nach Bestellung ist das fertige spusu Bike bereit zur Übergabe.

Soweit der erste Teil vom Wie. Der zweite Teil – wie will man sich abheben? – heißt Service. Analog zum Mobilfunk umsorgt man die Kunden hinten und vorne. Konkret beginnt das bei Auswahl und Beratung. Anschauen und Probefahren kann man die Räder in den spusu Shops in Wien (DC-Tower), Wolkersdorf, Vöcklabruck und Baden. Lackierung und Komponenten sind nach Wunsch anpassbar. Die Bikes werden eingebremst und auf Wunsch mit Tire Noodle tubeless montiert. Sobald der letzte Handgriff in Wolkersdorf erledigt ist, liefert ein Techniker das fertige Rad gratis nach Hause und stellt’s vor Ort ein. Ein kostenloses Erstservice ist obendrein im spusu Service inbegriffen.


Wo Internet-Router und Bike-Komponenten nebeneinander lagern, sind letztes Jahr 500 Fahrräder aus der Halle gerollt. 600-700 sollen’s heuer werden. Umsatzsteigerung hat man bei keinem der spusu Geschäftsfelder als Ziel. Man will das Beste geben, dann kommt das Wachstum von selbst – dieser Meinung sind die Weinviertler. Und so wie’s ausschaut sind sie da auch im Fahrradbereich auf einem guten Weg.


Was sagst du zu spusu Bikes? Wie gefallen dir die Räder? Könntest du dir vorstellen ein spusu Bike zu fahren? Sag’s uns per Mail oder auf Instagram.

Über den Author

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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