Das Fahrwerks-Bingo

Michael PfuisiMaterial

RampAir Product Shot

RampAir, ehemals AWK, gibt’s schon eine ganze Zeit lang. Letztes Jahr wurde das Produkt von The Styrian Flow übernommen und weiterentwickelt. Das Versprechen: ein möglichst kompromissloses Setup für die Gabel. Ich konnte das Teil seit Ende letzten Jahres fahren und mir dabei ein ziemlich gutes Bild davon machen.


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Was ist das Versprechen?

RampAir ist ein Tuning-System für Luftfedergabeln, das nicht an der Dämpfung, sondern direkt an der Luftfeder ansetzt. Im Gegensatz zu klassischen Volume-Spacern, die schlicht das Volumen der Positivkammer verkleinern und damit vor allem die Endprogression erhöhen, erweitert RampAir das System um eine zweite positive Luftkammer. Der Ansatz dahinter ist also nicht, die Gabel einfach nur härter gegen Durchschläge zu machen, sondern die Federkennlinie über den kompletten Federweg anzupassen.

Beim Einstellen von Luftgabeln kann man ganz grundsätzlich zwei Richtungen einschlagen – entweder ein weicheres Setup, das auf kleine Schläge sensibel reagiert und viel Grip bietet oder man fährt die Luftfeder straffer, was für mehr Gegenhalt über den gesamten Federweg sorgt, aber man einiges an Feinfühligkeit einbüßt. Ein gutes Setup findet sich meist irgendwo zwischen den Extremen, je nachdem wo der Fokus des Fahrers eben liegt. Genau in diesen Kompromiss will RampAir reingrätschen. Dadurch soll das System für besseres Ansprechverhalten, mehr Support in der Mitte UND eine kontrollierte Endprogression sorgen. Also das gesamte Fahrwerks-Bingo.

Und wie soll das funktionieren?

Das Grundprinzip von RampAir ist schnell erklärt, auch wenn es auf den ersten Blick kompliziert wirkt. Um die Wirkweise zu verstehen, muss man im Grunde nur wissen, dass in einer geschlossenen Luftkammer der Druck steigt, wenn das Volumen kleiner wird. Beim Einfedern wird die Luftkammer kleiner, was dann den Luftdruck erhöht. Je mehr man die Gabel also einfedern möchte, desto mehr Kraft muss man dafür aufbringen. Und genau mit diesem Konzept spielt RampAir.

RampAir sorgt für eine kontrollierte Freigabe des Federwegs – das hat auch zur Folge, dass man selbst im letzten Drittel des Federwegs noch Gegenhalt spürt. – Foto: Matej Lovrič

Es führt nämlich eine zweite positive Luftkammer ein, die mit einem beweglichen Kolben von der Hauptkammer getrennt ist. Durch einen deutlich höheren Druck in der zweiten Kammer bewegt sich dieser Kolben im ausgefederten Zustand und im Federweg-Anfangsbereich nicht und das System verhält sich wie eine Gabel mit verbauten Volumenspacern. Federt man dann aber weiter ein, bei größeren Schlägen, Kompressionen oder Landungen wird der Druck in der Hauptkammer größer als der in der zweiten Positiv-Kammer und der Kolben beginnt sich zu verschieben. Dadurch wird das vorhandene Volumen bis zum Durchschlag dynamisch vergrößert. Vorhin haben wir aber geklärt, dass mehr Volumen einen geringeren Druckanstieg bedeutet. Wieso schlage ich dann nicht noch leichter durch?

Das verhindert der deutlich höhere Druck in der RampUp-Kammer. Der bewegliche Kolben gibt das zusätzliche Volumen nicht einfach gratis frei, sondern muss erst gegen den Druck der zweiten Luftkammer verschoben werden. Dadurch soll die Gabel am Anfang feinfühlig bleiben, in der Mitte mehr Support aufbauen und hinten raus kontrolliert progressiv werden, ohne dieses typische „erst weich, dann plötzlich hart“-Gefühl mancher Luftfedern mit Spacern. Dort wird das Volumen statisch kleiner, hier verändert es sich dynamisch während des Einfederns. Die Idee dahinter ist also nicht, die Gabel bloß härter oder weicher zu machen, sondern ihren Verlauf über den ganzen Federweg gleichmäßiger und berechenbarer hinzubekommen. Das sorgt für eine deutlich linearere Federkurve.

Im ausgefederten Zustand gleicht das System einer normalen Gabel mit verbauten Spacern -sobald man aber weiter im Federweg steht, verschiebt sich der Kolben und gibt mehr Volumen frei.

Einbau & erstes Setup

Nachdem die Funktionsweise des RampAir nun erklärt ist, geht’s an die Montage. Und die ist denkbar simpel.

Original-Luftkappe raus, RampAir rein. Wer schon einmal einen Volume-Spacer getauscht hat, weiß ohnehin, wie das funktioniert. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung samt Startwerten fürs Setup gibt’s hier. Ich bin das RampAir in einer RockShox ZEB mit 170 mm Federweg gefahren. Für die RampUp-Kammer lag die Empfehlung dabei bei dem 1,6- bis 1,9-fachen Hauptkammerdruck, für den Einstieg habe ich mich für die goldene Mitte entschieden.

Von der Theorie auf den Trail

Schon beim klassischen Parkplatztest war klar: Die Gabel fühlt sich extrem weich an und rauscht beim Durchdrücken fast durch den kompletten Federweg. Deshalb bin ich in beiden Kammern rund 10 % über das empfohlene Setup gegangen. Über die nächsten Monate habe ich dann viel herumprobiert und bin schlussendlich bei einem für meine 86 kg sehr stimmigen Setup von 72 psi in der Hauptkammer und 110 psi in der RampUp-Kammer gelandet, was nur einem Faktor von rund 1.5 entspricht. Dazu später mehr.

Auf dem Trail merkt man den Unterschied zur normalen Luftkammer sofort. Die Gabel steht deutlich höher im Federweg, was vor allem auf steilen Trails für viel Kontrolle sorgt, ohne das sensible Ansprechverhalten zu opfern. Gleichzeitig taucht sie bei Schlägen oder beim Bremsen schneller ein -allerdings aus einer höheren Startposition heraus und somit spürbarer. Mit einigen Klicks Low-Speed-Compression ließ sich das aber komplett in den Griff bekommen.

Gscheit viel Grip ohne auf Gegenhalt verzichten zu müssen – mit dem RampAir weniger Kompromiss als gewohnt. – Foto: Bastian Meier

In flacheren Sektionen merkt man aber die negativen Seiten der höheren Front. Diese verlagert den Körper etwas weiter nach hinten, was sich vor allem in flachen Kurven durch weniger Grip am Vorderrad bemerkbar gemacht hat. Ausgleichen konnte ich das mit weniger Druck in der RampUp-Kammer, sodadurch bin ich sogar unter das empfohlene Druck-Fenster geraten. Für sehr schnellen Strecken, wie zum Beispiel der Downhill-Weltcup Strecke in Maribor, war dieses Setup aber zu weich. Um mich dort wohl zu fühlen, habe ich den RampUp-Druck wieder auf den 1.65-fachen Hauptkammerdruck erhöht. Generell würde ich sagen, dass das System am besten funktioniert und seine Stärken ausspielen kann, wenn man es auf die jeweiligen Trail-Gegebenheiten anpasst. Damit meine ich natürlich nicht, dass man für jedes Wegerl den Luftdruck anpassen soll – zwei unterschiedliche Setups für flache oder steile Gebiete machen aber auf jeden Fall Sinn. Normalerweise bin ich ein Freund davon, ein Fahrwerkssetup zu haben, das überall gut funktioniert, als irgendwo sehr gut – beim RampAir tendiere ich aber immer mehr zur Zwei-Setup-Lösung.

Für wen ist RampAir?

Wenn man jemand ist, der das Fahrwerk einmal einstellt und für die Saison nicht mehr angreift, würde ich eher davon abraten. Vom RampAir profitiert man nur, wenn man wirklich Zeit investiert, um ein perfektes Druckverhältnis für sich zu finden. Unterm Strich dauert das länger als gewohnt. Überraschen sollte das aber nicht, schließlich kommt mit der RampUp-Kammer ein zusätzlicher Parameter dazu, der die Gabel stark beeinflusst. Hat man den Sweet Spot aber einmal gefunden, ist RampAir ein richtig starkes Upgrade.

RampAir
Optisch eher unauffällig – am Trail aber deutlich spürbar. – Foto: Klemens König

Als ambitionierte:r Radler:in kann man damit richtig viel Performance aus der eigenen Gabel rausholen. Das Verhalten der Luftfeder lässt sich extrem individuell einstellen und es verbessert nicht einfach nur einzelne Bereiche wie Ansprechverhalten, Midstroke-Support oder Endprogression, sondern entschärft vor allem den bekannten Kompromiss vieler Luftfedern. Oder einfacher gesagt: RampAir fährt sich wie Volume-Spacer, die nur dann da sind, wenn man sie wirklich braucht.


RampAir kurz & knapp

  • verändert das Luftvolumen der Gabel dynamisch
  • sorgt für ein lineares Verhalten der Luftfeder
  • extrem individuell einstellbar
  • gehört zur Styrian Flow Familie – das heißt viel Expertise in Sachen Fahrwerk
  • konstruiert & gefertigt in Europa – zusammengebaut in Österreich
  • für die gängigen Gabelmodelle erhältlich
  • um €230,- hier erhältlich
  • Zum Hersteller

Über den Author

Michael Pfuisi

Noch recht frisch in der Bike-Szene, aber schon vollkommen von diesem Enduro-Virus befallen. Das zeigt seine Trailpartie-Süchtelei inkl. Prolog-Erfolgen. Die Grazer Trails sind sein Heimrevier, das er immer öfter für Stages mit Zeitnehmung verlässt.

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