Im Rahmen der Mountainbike-Strategie wurde angekündigt, dass Österreich eine Mountainbikekoordination bekommt – und das ist Ende August passiert.
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Update 24.9.2025
Bekannte Gesichter
„Österreich bekommt Mountainbike-Koordinationsstelle“ lautete der Titel der Presseaussendung Ende August vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Der unaufgeregte Tenor von der Ausschreibung (siehe unten) wurde also weitergeführt. Den Zuschlag nach einem aufwendigen Auswahlprozess bekam die KONNEKT GmbH mit Karl Morgenbesser und Thorsten Schmitz.
Wer in den letzten Jahren am Mountainbike Kongress vorbeigeschaut hat oder mit offenen Augen durch die heimische Bike-Infrastruktur-Landschaft gegangen ist, dem werden diese beiden Namen ein Begriff sein. Für alle anderen erklären wir kurz, wer die beiden sind.
Karl Morgenbesser hat vor 20 Jahren ein Sport- und Gesundheitszentrum (SGZ) in Aspang gegründet und vor 10 Jahren die Wexl Arena mit den Wexl Trails gestartet. Beim Projekt Wexl Trails hat er sich mit Sicherheit viel Know-how angeeignet, das er in seiner neuen Rolle als Mountainbike-Koordinationsstelle gebrauchen kann. Der Trailpark, aber auch die Panorama Trails gelten über die Landesgrenzen hinaus als Vorzeigeprojekt und Karls Zusammenarbeit mit den Stakeholdern (z.B. Großgrundbesitzer & GF ARGE Wechselforst Thomas Schenker) war und ist vorbildlich. Bei beiden Projekten ist Karl operativ nicht mehr tätig, nur wenn’s um Großprojekte geht, schaltet er sich ein. „Sonst hätte ich mir die Mountainbike-Koordination auch gar nicht zugetraut.“

Foto: Intersport Austria
Thorsten Schmitz trifft man immer wieder mal bei auner Austrian Gravity Series– oder iXS Downhill Cup-Rennen. Er ist Biker mit Leib und Seele. Das zeigte er auch in den sechs Jahren, als er CEO von Intersport Österreich, wo er den Bike-Infrastrukturfonds ins Leben rief und damit Initiativen wie MTB Linz oder MTB Region Murtal unterstützte.
Beide eint, dass sie vife Köpfe sind, eloquent und überzeugend auftreten, realistisch sind, aber auch vor großen Projekten nicht zurückschrecken. Die Ausschreibung der Mountainbikekoordination Österreich fiel genau in Thorstens Arbeitslosigkeit nach dem Abgang von Intersport Österreich, woraufhin er Karl überzeugte, sich gemeinsam zu bewerben. In der berufsfreien Phase widmete sich Thorsten außerdem dem Projekt Trailomat, das ein leichtes Finanzierungssystem für Trail-Communities bereitstellen soll. Das scheitert aktuell an österreichisch-bürokratischen Hürden. Die Learnings bisher sind aber sicherlich auch gutes Rüstzeug für die Mountainbikekoordinationsaufgabe.
Man merkt, die Erleichterung nach dem Zuschlag bei beiden. „So eine Ausschreibung produziert unglaublich viele graue Haare“, meint Thorsten. Es wurde viel Zeit investiert, der Weg nach Wien zum Hearing angetreten. Der erste Part, die technische Ausschreibung war trocken, der persönliche Kontakt mit den Beamten dann angenehm, beschreibt’s Karl. Gründe, warum gerade sie beide den Zuschlag bekommen haben, sind ihnen selbst nicht bekannt. Wer sich sonst noch beworben hat oder welche Mitbewerber ins Hearing kamen, auch darüber hielt man sich seitens der Ministerien bedeckt.
Wie ist der Stand?
Natürlich tät‘ uns gleich interessieren, wie Karl und Thorsten ihre neue Rolle anlegen werden, wie ihre Version der Mountainbike-Strategie ausschauen wird und was man sich nach den acht Jahren ihres Tuns erwarten kann. Da steigen sie aber gleich mal ordentlich auf die Bremse.
„Die größte Gefahr ist, dass man sagt: So und so machen wir das jetzt“, erklärt Thorsten. Und Karl stellt klar, dass sie ihre Vorstellungen und Visionen haben, wie sie die Sache angehen wollen, aber: „Aus Perspektive der Mountainbike-Koordination kann und darf es aktuell noch keine Meinung zu irgendwelchen Themen geben, bevor es nicht mit den Ministerien abgestimmt ist.“ Die sind schließlich ja die Auftraggeber. Außerdem heißt’s zwar Mountainbikekoordination, das bedeutet aber nicht, dass Karl und Thorsten jetzt die Ombudsmänner der Mountainbiker*innen auf Bundesebene sind.
Worauf die Mountainbike-Koordinationsstelle zusteuert ist ein breit angelegter Stakeholderprozess. Mit allen zusammensetzen, mit allen reden, klären ob alle die gleiche Flughöhe haben und gemeinsam einen Lösungsraum bauen, so beschreiben die beiden das Vorhaben. Starten wird dieser Prozess voraussichtlich im Februar 2026. Aktuell richten die beiden eine Anlaufstelle (mit Webseite & Co) ein und stimmen sich mit den Ministerien ab. Noch im Herbst soll’s eine Pressekonferenz mit mehr Substanz als in der initialen Presseaussendung geben. Dann werden Daten gesammelt (zum Beispiel in der Steiermark und in Salzburg wurde schon viel Arbeit geleistet, darauf will man aufbauen), bevor man den oben erwähnten Stakeholderprozess startet. Im September 2026 muss die Mountainbike-Strategie für Österreich dann formuliert sein.
Auch wenn die beiden Profis sind und sie ihren Kompetenzen nicht vorgreifen wollen, so hört man schon ein bisserl die Richtung raus, in die es gehen wird. „Extremforderungen“ (darunter könnte man das aktuelle Volksbegehren verstehen) sehen sie selten als Lösungsweg, können aber helfen ein System (oder zumindest eine Diskussion) in eine Richtung zu bewegen. Als Chance sehen sie die Mobilitätswende und die zukünftig noch prominentere Rolle des Fahrrads. Je mehr Leute im Alltag mit dem Rad unterwegs sind, desto mehr wird es auch in der Freizeit genutzt werden. „Deshalb muss man Infrastrukturen schaffen, sonst wird’s ein Chaos werden“, meint Karl.
Wir sind gespannt, wie die Arbeit der Mountainbike-Koordinationsstelle ausschauen wird und wünschen den beiden möglichst viel Erfolg die Situation des Mountainbikens in Österreich zu verbessern (was ja der Punkt der ganzen Sache ist). Bis es konkrete Ergebnisse gibt, werden wir uns wohl noch ein Zeiterl gedulden müssen – so realistisch müssen wir sein. Oder wie es Thorsten ausdrückt: „In der Politik gibt es andere Regeln als in der Privatwirtschaft. Deshalb ist die Stelle wahrscheinlich auf etwas längere Zeit angelegt.“
Vorbericht
Als im April 2024 von (fast) höchster politischer Stelle ausgerufen wurde, dass man sich um eine nationale MTB-Strategie kümmert, ging mit dieser Ankündigung auch einher, dass eine nationale Mountainbikekoordinationsstelle geschaffen wird. Da vier Ministerien den Vorstoß mittragen – was grundsätzlich sehr positiv ist – dauerte es aber ein Zeiterl, bis eine konkrete Stellenausschreibung rausgehen konnte. Die wurde am 7. Februar nun über das Vergabeportal der Bundesbeschaffung GmbH unter dem Titel „Österreichweite Mountainbikekoordination von Bund und Ländern“ veröffentlicht. Jetzt weiß man definitiv, wer und was dafür gesucht wird.
Gegenstand dieser Rahmenvereinbarung ist die Errichtung und der Betrieb einer österreichweiten Mountainbikekoordinationsstelle.
Kurzbeschreibung aus dem Vergabeportal
Was ist zu tun?
Konkret handelt es sich um einen Rahmenauftrag, der vergeben wird. Dieser ist auf 95 Monate (also knapp acht Jahre) angelegt und umfasst maximal 2,8 Millionen Euro netto, ergo 350.000 Euro pro Jahr. Also kein Pappenstiel.
Der Auftrag besteht aus drei Arbeitspaketen:
- Arbeitspaket 1: Einrichtung und Betrieb einer österreichweiten Mountainbikekoordinationsstelle
Das beinhaltet zum einen das Projektmanagement inkl. Planung und Reporting, die Vertretung der Koordinationsstelle nach außen (inkl. adäquatem Auftritt), den Aufbau einer Wissenssammlung, das Knüpfen von nationaler und internationaler Kontakte. - Arbeitspaket 2: Entwicklung einer nationalen Mountainbike-Strategie
inklusive Prozessdesign - Arbeitspaket 3: Umsetzung der Mountainbike-Strategie
sowie der laufenden Weiterentwicklung der Wissensammlung, des -transfers und der Vernetzung.
Alle Arbeitsschritte erfolgen in sehr engem Austausch mit einer Steuerungsgruppe, die sich aus je einem Mitglied der auftraggebenden Ministerien zusammensetzt. Das sind die Ministerien, deren Zuständigkeit Forstwirtschaft, Sport, Tourismus und Mobilität beinhalten – wie auch immer sie in einer neuen Regierung aufgeteilt sein mögen. Wie eng die Abstimmung sein muss, wird schon in der Ausschreibung deutlich: Darin ist zu Beginn von einem Jour Fixe jeden Monat die Rede.
Wer kann sich bewerben?
Darüber gibt Punkt 5 in den Allgemeinen Ausschreibungsbedingungen (übrigens eines von 12 Dokumenten dieser Stellenausschreibung) Auskunft: Eignungskriterien.
Der Bewerber muss
- befugt sein (das heißt eine Gewerbeberechtigung o.ä. vorlegen),
- über mindestens eine Projektleitung und eine Projektleitungsstellvertretung verfügen,
die beide sehr gute Deutschkenntnisse, zumindest Matura und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung im Projektmanagement vorweisen können - zusätzlich muss eine der beiden mindestens drei Jahre Berufserfahrung in der Koordination unterschiedlicher Stakeholder aus mind. zwei der folgende Bereiche besitzen: Land- & Forstwirtschaft, Regionalentwicklung, Klima/Umwelt, Mobilität, Tourismus, Sport, Innovationsförderung oder Wissensmanagement,
- außerdem muss eine der beiden Positionen mindestens drei Jahre Erfahrung in der Auseinandersetzung mit den österreichischen Rahmenbedigungen des Mountainbikens haben,
- es gilt einen Referenzauftrag vorzulegen, der
- Vernetzungs-/Beratungstätigkeiten und/oder den Aufbau/Management einer Organisation umfasst,
- in dem der Bewerber zumindest 6 Monate Projektleitung vorweisen kann
- das Projekt die Koordination unterschiedlicher Stakeholder aus den oben genannten Bereichen umfasst
- muss mind. einen Nettoumsatz von € 50.000,- über die letzten drei Jahre vorweisen,
- er beruflich zuverlässig ist (kein Straf-/Insolvenzverfahren, etc.).
Das ist eine ganz schöne Litanei an Anforderungen. Man kann sich denken, dass diese schwer von einer einzigen Person erfüllt werden können, deshalb ist es auch möglich sich als Arbeitsgemeinschaft zu bewerben. Darin können sowohl Firmen, andere Organisationen, als auch Einzelpersonen sein. Macht’s möglicher, aber es bleibt wohl dennoch spannend ob passende Bewerber*innen gefunden werden können.
Wie schaut der Zeitplan aus?
Noch spannender macht’s der Zeitdruck, denn auch wenn’s „erst“ im August losgehen soll, ist die erste Deadline knapp gesteckt. Wer sich um die Mountainbikekoordination Österreich bewerben will, der muss die Teilnahmefrist bis 12. März 2025 um 11 Uhr einhalten. Angebote sind dann in KW 21 abzugeben. Verhandlungen sind bis KW 24 geplant. Letztangebote bis KW 28. Im August 2025 soll es schließlich zum Vertragsabschluss kommen und der Auftragnehmer ab 11.8.2025 zu arbeiten beginnen.
Wie es mit der Mountainbikekoordination Österreich weiter geht, darüber halten wir dich selbstverständlich hier am Laufenden.
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