An E-Bike Buyer’s Diary: KTM Macina

Kersten BognerMaterial

E-Bike Buyer's Diary Kersten Bogner KTM Macina Test

Fotos: @haukesphotography – Hauke Hanisch

Kersten Bogner ist auf der Suche nach einem neuen E-Bike und probiert sich deshalb quer durch’s reichhaltige Angebot. Heute in seinen Klauen: das KTM Macina Kapoho Exonic Di2.


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Prolog zu meiner persönlichen 2026er E-Bike-Testreihe

Vor 35 Jahren und nach zwei Monaten Ferialpraxis erwarb ich mein erstes Mountainbike. Ein Stumpjumper musste es sein, California über alles. Quasi ident mit einem modernen Gravelbike, nur dass der damals schon eine gerade Lenkstange hatte.

Ein paar Jahre später, Anfang der 1990er, ergab sich eine gute Möglichkeit um auf den technisch letzten Stand aufzurüsten. Wir fuhren damals ein paar Rennen im Austria-Cup-Downhill und unser Local Shop, Gitti´s 2-Rad Center, bot uns für das damals einzige vollgefederte Rad im Shopprogramm einen Teamfahrer-Deal. Hier die Verbindung zur Gegenwart: Schön war’s nicht, aber ein KTM-Pickerl war oben. In Wahrheit kam es aus der Schmiede von Horst Leitner, war also ein AMP, ausgestattet mit Parallelogramm-Gabel und zwei dünnen Unterrohren.

Auch die wuchtige Optik des (noch) aktuellen KTM E-Bike-Zugpferds spaltet die Geschmäcker. Und eins ist klar – Style matters bei der Bikewahl! Size sogar noch mehr, was mich gleich zum größten Beziehungskiller zwischen der orangen Rennmaschine und mir bringt, welche in Größe M geliefert wurde, der kleinsten Größe, in der das Bike produziert wird. Ein L wäre meinen 182 Zentimetern Körpergröße wohl besser gestanden.

Wuchtig ist nicht nur die Optik. Mit mehr als 24 kg zählt die Rennmaschine nicht unbedingt zu den Leichtgewichten. Dafür gibt’s aber Gimmicks en masse an Bord, wie eine nach oben entnehmbare Batterie. Die dafür notwendige Adaption soll aber auch ein bisschen zum Gewicht beitragen und ich persönlich, als eher vergesslicher Mensch, bin kein Fan von per Schlüssel absperrbaren Batteriedeckeln.

Ein bisschen E-Bike-Erfahrung bringe ich in diese Testreihe mit. Vor zwei Jahren, als es mit den Preisen bergab ging, leistete ich mir ein Santa Cruz Heckler zum Rabattpreis. Ich hätt’s mir schon vorher gegönnt, aber die Frau Bogner ist eine strenge Finanzministerin. Das seither nicht mehr bewegte Specialized Enduro wurde bald verkauft und der Downhiller schaut auch schon ängstlich aus dem Winkerl.

Warum nach zwei Jahren schon wieder ein Neues?

Nachdem die Elektrik des verbauten Shimano-Motors fortlaufend Probleme machte, wurden beim Händler Motor und Batterie getauscht. Das edle Stück steht seither wieder gut da, ready to sell, quasi. Außerdem war der EP8 mit einer 720er-Dafon-Batterie in Kombination mit dem Fahrer oft der limitierende Faktor, was die Tourenreichweite in unserer Gruppe betrifft.


KTM Macina Test Kersten Bogner Hometrails

Testrad 1: KTM Macina Kapoho Exonic Di2 (UVP 10.999 €)

Geometrie

Getestet habe ich das KTM Macina vor der Haustüre und auf den Wegerln des italienischen Karsts rund um Triest, auf dessen engen Trails die sonst für mich etwas kurze Rahmengröße sich als gar nicht so falsch erweisen sollte. Dass in allen Größen die gleiche Kettenstrebenlänge von 448 Millimetern verbaut wird, hat sich in meinem Fall wohl eher als Vorteil ergeben. Laufruhe vor Scrubs oder Hinterradfahren – das habe ich vor einigen Jahrzehnten bereits ad acta gelegt.

Trotzdem interessant, dass mein Downhiller und auch das E-Bike, jeweils ein „L“, die Kettenstrebenlänge mit je 445 Millimetern kürzer ausfallen als beim sonst kleiner dimensionierten KTM. Dieses wird mit 27,5-Zoll-Hinterrad ausgeliefert, was sich bei KTM DiMMiX nennt, kurz für Dimension-Mix. Mehr Länge hätte ich bei der sonst tadellosen FOX Wireless-Sattelstütze brauchen können. Wenn’s richtig steil wurde, musste die Stütze per Inbus komplett versenkt werden. Trotz des nicht unbedingt flachen Lenkwinkels von 65 Grad, aber wohl auch aufgrund der langen Sitzstrebe, empfand ich das Rad auch auf den Highspeed-Trails vor meiner Haustüre als angenehm laufruhig.


Downhill

Das bringt uns schon zum wichtigsten Punkt in meiner zukünftigen Kaufentscheidung. Ich fahre bergauf, um bergab zu fahren. Und beides kann man mit dem KTM ausgezeichnet.

Das Top-of-the-Line-Fahrwerk glänzt nicht nur ob der Kashima-Beschichtung. Die 36er Fox Factory und vor allem der Live-Valve-Dämpfer aus gleichem Haus vereinen super Ansprechverhalten bei allergrößter Schluckfreudigkeit. Das Rad ist ja nicht gerade billig, die Komponenten entsprechen aber dem Premiumpreis in allen Belangen. Wobei, die verbauten XTR-Bremsen würde ich nicht in die Kategorie „Anker“ einordnen.

Sensibel, satt, kontrolliert – beim Thema Downhill setzen wir also ein Hakerl. Ich kann mir das Rad wirklich gut als Race-Maschine vorstellen. Newschool-Jibber werden vermutlich noch etwas Verspielteres suchen.


Motor & Batterie

Der Bosch CX Race ist im direkten Vergleich zu meinem bisherigen Shimano EP8 schlicht eine andere Welt. Ich hatte bisher noch nicht das Vergnügen mit einem Avinox-Aggregat, aber mehr als die 750 Watt maximale Leistung bei 100 Nm (seit dem letzten Update 120 Nm) Drehmoment hätte ich bisher nicht gebraucht.

Im Fahrbetrieb besonders auffallend war der lange Nachlauf im Race-Modus, was bedeutet, dass der Motor nach Pedaldruck noch einige Zeit ordentlich „anschiebt“. Daran muss man sich gewöhnen, vor allem wenn’s feuchtelt. Hat man einmal ein Gefühl dafür entwickelt, werden bisher als unbezwingbar eingestufte „Schupfer“ bergauf plötzlich machbar.

In meiner Stylekategorie gibt’s für die Wuchtigkeit des Bosch-Aggregats leichte Abzüge, die einzige Kategorie, wo ich den unscheinbaren, aber dafür deutlich leistungsschwächeren und vor allem, in meinem Fall, unzuverlässigen Shimano-Motor vorne sehe. Die ebenfalls wuchtige 800-Wh-Bosch-PowerTube-Batterie versah ihren Dienst vorbildlich. Auf die Kollegen mit dem Vorgängermotor von Bosch samt 750-Wh-Batterie hielt ich trotz großteils Race-Modus-Verwendung immer bei einem etwa 20-prozentigen Plus am Ladestanddisplay.

Der Fahrer war jedenfalls immer vor dem Akku leer. Meine Idealvorstellung bezüglich der Batterie wäre übrigens: fest verbaut, möglichst hohe Speicherkapazität, schnell ladbar.


Uphill

Auf besonders steilen Passagen brauchte ich ein wenig Übung, bevor ich den im Vergleich zum EP8 massiven Motorschub kontrolliert in Vortrieb bergauf umwandeln konnte. Gewöhnungsbedürftig war der langanhaltende Vorwärtsschub schon bei leichtem Pedaldruck. Ein Effekt, der sich auch bei Bodenberührung eines Pedals prompt und bei freilaufendem Hinterrad umso rasanter einstellen kann. Es empfiehlt sich vor dem Absteigen auf weniger Unterstützung „runterzuschalten“. Ein Zupfer am Pedal, zum Beispiel wenn man das Rad unter einem Hindernis durchschieben will, und schon rotiert einem das Hinterrad möglicherweise ein ungewolltes Andenken ins Schienbein. Mir zumindest erging es so.

KTM Macina Test Kersten Bogner Triest
Auch auf den Wegerln rund um Triest wurde das KTM Macina ausgeführt.

Sonstige Ausstattung

Das elektronische Shimano XTR Di2-Schaltwerk wird direkt von der Batterie gespeist und die völlig ausreichenden 11 Gänge wurden fehlerfrei bepsielt. Der Fizik Terra Sattel hingegen erwies sich als anatomisch nicht mit mir kompatibel. Alle anderen Komponenten sind durchwegs hochwertig und haben sich in der Praxis als absolut tauglich erwiesen.


Mein persönliches Fazit

Leiwand:
  • Fahrwerk: Mother’s finest.
  • Power: Mehr brauch ich nicht.
  • Reichweite: Der Fahrer war immer vor dem Akku leer.
  • Laufruhe: Safety first statt Aua.
  • Verlässlichkeit: Alles hat über mehrere hundert Kilometer immer so funktioniert, wie es sollte.
Nicht so leiwand:
  • Transport: Hier hat sich das wuchtige Oberrohr als Spannungsgarant erwiesen. Mit drei Radln am Volant musste die Thule Greifzange jedenfalls bis zur letzten Umdrehung geöffnet werden, um das mächtige Oberrohr samt Stützstreben zu umfassen.
  • Das verbaute XTR-Bremsenmodell (M9120, mittlerweile gibt es schon das Nachfolgermodell M9220)
  • Sattel
  • Gewicht
  • Preis

Wird das KTM Macina Kapoho Exonic CX-R Di2 mein nächstes E-Bike?

Nein, weil für mich schlichtweg nicht bezahlbar. Weiters darf an dieser Stelle hinzugefügt werden, dass es sich nicht um ein superaktuelles Modell handelt. Das getestete Rad wurde bereits vor fast einem Jahr vorgestellt.

KTM Macina Test Kersten Bogner Radträger
Die Thule Klemme musste sich beim wuchtigen Oberrohr bis auf Anschlag strecken.
Über den Author

Kersten Bogner

Burgenländer mit dem es seit den 1980ern bergab geht, bevorzugt auf dicken Reifen. Nach 25 Jahren Boards, Weltenbummel und Rock'n'Roll nun voll im Downhillfieber. Anders gesagt: Old but gold!

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