Hier kommt ALiCE

Christoph Berger-SchauerMaterial

HOTT ALiCE Enduro

Fotos: Alexander Wolke

Ein Alu-Carbon-Getriebe-Enduro sieht man nicht alle Tage. Eins aus Tirol? Da deckt sich die Wahrscheinlichkeit schon mit einer Sonnenfinsternis. Eins für unter 10k? Jetzt sind wir bei Sonnen- und Mondfinsternis gleichzeitig – und beim HOTT ALiCE.


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Wer bin ich?

Das HOTT ALiCE ist etwas ganz Exquisites. Als wir vor zwei Jahren HOTT Cycles in der kleinen Werkstatt in Tirol besucht haben und die ersten Skizzen von ALiCE sahen, waren wir schon recht aufgeregt. ALiCE steht für Aluminium (AL) Carbon (C) Enduro (E). Das kleine i dient dazu, dass der leichter über die Lippen geht.

HOTT ALiCE Enduro
Carbon-Rohre, gefräste Alu-Muffen, gefräster Alu-Hinterbau, Pinion-Getriebe, Intend-Fahrwerk, Eightpins-Sattelstütze – Herz, was willst du mehr?

So ziemlich alles an diesem Rad ist außergewöhnlich. Der Rahmen wird aus Carbonrohren und gefrästen Alu-Muffen kreiert. Der Hinterbau sticht als Alu-Fräskunst ins Auge. Metallspäne und damit die feschen Fräsformen erzeugt man unweit vom Firmensitz in Tirol. Die Carbonmatten legt der Chef, Christoph Hotter, höchstpersönlich und verklebt sie mit den Frästeilen. Warum man sich für die aufwendige Carbon-Alu-Konstruktion entschieden hat? Weil man das hochfeste Alu EN AW-7075 bevorzugte, gegenüber dem leichter schweißbareren und häufig eingesetztem 6061-T6.

Speziell an der Konstruktion ist außerdem, dass es nicht simple Muffen sind, in die die Rohre gesteckt und verklebt werden. Beim ALiCE verfügen die Muffen über eine Nut, in die das Carbonrohr eingesetzt wird. Hat den Vorteil, dass man dadurch die doppelte Klebefläche erhält. Zudem werden die Teile von der Hinterseite verpresst und jeder einzelne Rahmen mit der Teleskopkamera kontrolliert, ob der Kleber wirklich überall hingelangt ist. Die Muffen werden zusätzlich eloxiert, um Kontaktkorrosion vorzubeuben.

Ausgelegt ist der Rahmen für ein Pinion-Getriebe und die Eightpins-Sattelstütze. Er kann als Full-29er oder Mullet gefahren werden und gibt zwischen 155 und 188 mm Federweg frei.

2023 stellte HOTT Cycles die ersten ALiCE-Prototypen am Gardasee vor. Seitdem wurde das Enduro mindestens jedes Wochenende ordentlich gefahren und etliche Male getestet und auf den Prüfstand geschickt. Die zwei Jahre hat’s gebraucht um vor allem an der Kinematik zu feilen. Alles neben einem Vollzeitjob – das gehört erwähnt.

Anfang 2026 ist nun der Moment gekommen, wo das Radl erstmals für Kunden erhältlich sein wird. Für den ersten Batch von 15 Exemplaren kann man sich ab sofort anmelden. Weitere Bikes werden produziert, sobald der nächste Batch gefüllt ist. Als Early Adopter hat man den Benefit, dass man alle weiteren Rahmenupdates kostenlos bekommt. Sprich: Gibt’s z.B. einen neuen Hinterbau, kriegt man den. Gehört man zu den glücklichen Bestellern, wird man seitens HOTT mit regelmäßigen Updates zum Fortschritt des eigenen Radls am Laufenden gehalten. Ab Bestellung kann man sich auf 8 bis 10 Wochen Vorfreude einstellen.


Im Stand

Das HOTT ALiCe kommt nicht nur rahmentechnisch ganz fein daher, sondern auch jede gewählte Komponente in der „Basisausstattung“ (was für eine unglaubliche Untertreibung!) ist edel. Pinion Smart.Shift Getriebe (Deutschland) als Antrieb. Intend Fahrwerk (Deutschland). Eightpins Sattelstütze (Österreich). Hope Bremsen (Großbritannien) mit Sumart Schreiben. RadoxX Vorbau (Deutschland). Schwalbe Reifen (Deutschland). Ergon Griffe und Sattel (Deutschland). Unschwer zu erkennen, steckt ein Muster dahinter: nämlich Wertschöpfung möglichst im Umfeld zu halten. Deshalb kommen nicht nur alle Rahmenbauteile aus Österreich, sondern auch möglichst viele Komponenten von möglichst nahe.

Die „Basisausstattung“ ist allerdings nur ein Vorschlag. Wer beispielsweise nur 9 statt 12 Gänge beim Pinion Getriebe will oder Radial-Reifen statt konventionellen Gummis, der gibt das einfach im Bestelldialog mit dem Gründer & Macher Christoph Hotter an.


Geometrie

Was man anhand des üppigen Federwegs schon erahnt, das bestätigt sich beim Blick auf die Geometrie. Das HOTT ALiCE will bergab bewegt werden. Der Lenkwinkel ist mit 62,3° in Medium flach. Normal ist der Reach (441mm), länger die Kettenstrebe (472mm) und lang der Radstand (1.284mm) – alles bei Größe Medium. In der Parklücke vorm Eisladen überragt es damit bspw. ein Trek Slash in der gleichen Größe um satte sechs Zentimeter. Der Stack ist allerdings relativ niedrig, was in einer geringen Überstandshöhe resultieren dürfte.

Zudem hat HOTT das Steuerrohr so ausgeglichen gestaltet, dass sich mit entsprechendem Steuersatz der Lenkwinkel um +/- 2° und der Reach um +/- 5mm anpassen lassen.

Dem Feintuning nicht genug, verfügt das ALiCE über das sogenannte Ride Height Adjust System (R.H.A.). Mit drei Schrauben tauscht man die Höhe der Dämpferaufnahme in den Abstufungen 0, 6, 8 und 10mm und verändert somit Tretlagerhöhe und Bodefreiheit.

Größe Small fehlt übrigens in der aktuellen Geometrie-Übersicht, da HOTT Cycles selbst sagt, dass man hier aufgrund der langen Kettenstrebe noch an der Kinematik tüfteln muss.


In Bewegung

Fahren konnten wir das HOTT ALiCE leider noch nicht, aber Zahlen und Buschfunk weisen auf einen sehr laufruhigesn Enduro-Hobel hin. Mit langem Reach und langer Kettenstrebe wird es vermutlich zu vielen anderen Bikes eine Umstellung sein, doch dafür läuft’s, wenn’s mal läuft. Worauf wir schon sehr gespannt sind: Der Hinterbau soll extrem feinfülig ansprechen. Wir schauen, dass wir so flott als möglich ein(e) ALiCE in die Hände bekommen und werden berichten.

LINES Issue #29

Wir haben uns in LINES Issue #29 angeschaut, wo HOTT Cycles herkommt, wer dahinter steckt und welch akribisch, material-enthusiastische Philosophie da in Tirol Bikes entstehen lässt.


Preis & Leistung

Was würde man schätzen, was ein Boutique-Enduro-Bike in absoluter High End-Ausstattung mit einzigartiger Rahmenkonstruktion und Wertschöpfung in Zentraleuropa kostet? Unter 10.000,- Euro. Hätte wohl anhand der aktuell ausgerufenen Preise von Serienherstellern keiner geschätzt, aber genau dort siedelt HOTT Cycles sein ALiCE an. € 9.950,- stehen am Preismarkerl für das in Tirol gebaute Radl mit Intend-Fahrwerk, Pinion-Getriebe & Co. Dafür, dass man damit einen Menschenauflauf wie der Kaiser verursachen wird, ein immens fairer Preis.


Wer will mich?

Menschen, die ein ganz besonderes Radl fahren wollen, ein Faible für Außergewöhnliches haben und/oder goutieren, wenn etwas so lokal wie möglich produziert wird.

HOTT ALiCE Enduro

HOTT Cycles ALiCE

Preis€ 9.950,- (Basisausstattung)
Federweg155-188mm
LaufräderMullet oder komplett 29″
RahmenmaterialAluminium-Carbon-Rahmen, Aluminium-Hinterbau
Gewicht
Garantie4 Jahre
Gleiche Liga:Atherton Bikes A.170, Dedicated Senduro
Über den Author

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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