Fotos: Daniel Schemmel, Lukas Kühar
Zwei Wochen Bike-Roadtrip in Frankreich – kann’s was Besseres geben, als seinen Sommer so zu verbringen? Den Erzählungen von Lukas Kühar und Daniel Schemmel nach, kaum. Zwei Wochen voller Radln, Bier, Glamping und Offroad-Abenteuer.
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Sommerzeit ist, wie jeder weiß, Urlaubszeit – so hat sich das Ganze über die letzten Jahre irgendwie zu einer fixen Tradition entwickelt: ein Bike-Roadtrip nach Frankreich. Das Motto ist schnell erklärt: Bikes & Beers. Mehr braucht’s eigentlich nicht – zumindest fast.
Wenn man sich so langsam dem Dreißiger nähert, ändert sich das mit der Genügsamkeit. So romantisch die Nächte früher vielleicht auch waren – im Kastenwagen mit der dünnen Matratze im Kofferraum, Klo im Gebüsch nebenan und der Dusche aus’m kalten Wasserkanister – im Alter braucht’s dann einfach mehr…
Fest installiertes Klo mit gemütlicher Brille, eine Matratze, die nicht schon nach zwei Stunden Kreuzweh verursacht, geräumiger Kühl-/Tiefkühlschrank und warmes Wasser sowieso. Klingt nach der Beschreibung eines Luxus-Apartments in Nizza, oder aber genau nach der Ausstattung unseres Campers mit fetten Geländereifen.
Dank Sunlight durften wir nämlich einen Roadtrip lang Assi-Camping gegen altersgemäßes Glamping tauschen und genießen!

Kickoff am Schweizer Asphalt: Furka – Grimsel – Susten Pass 3600hm/130km
Wie lässt sich’s am besten in einen zweiwöchigen Mountainbike-Roadtrip starten? Ganz klar mit 3600 hm am Rennrad! Wenns Assi-Camping-Setup schon dem Alter zum Opfer fällt, dann führt sowieso kein Weg mehr an rasierten Haxen, schmalen Reifen und Aero-Wäsche vorbei.
Aber um ehrlich zu sein, hat’s schon einiges an Überredungskunst vom Luki gebraucht. Eh klar, dass ich bei sowas im Vergleich zum motivierten Obmann des frisch gegründeten Zona Rossa Rennrad Clubs nur verlieren kann. Mein Gesamtpensum am Rennrad dieses Jahr beläuft sich, wenn überhaupt, auf die Hälfte der Zahlen dieser wilden Runde…

Aber a bissal Beißen hat ja no nie wem geschadet, oder? Und die Aussicht auf den hohen Bergen lässt einen fast vergessen, wie weit und lang es dort nach oben geht.
Gibt ja nix über einen ganzen Tag Quälerei im Sattel und an Haufen eisgekühlte Schwechater danach – Recht hat er!
ans Eingemachte
Rennradeln schön und gut und gerade in Mode, aber natürlich nicht das weswegen wir hier sind! Der richtige Urlaub fängt erst einen Tag später an, wenn die weißen Carbon-Schucherl gegen butterweiche Slip-Ons getauscht werden und statt Aero Baggy getragen werden darf. Endlich wieder Bikepark Ballern und statt körperlichen Grenzerfahrungen gemütlich am Sessellift chillen. So lieben wir das!
Mit hohen Erwartungen sind wir also nach Bernex gefahren und wurden keineswegs enttäuscht. Ein richtig süßer, kleiner Bikepark mit allem, was das Herz begehrt. Jumpline von Großmeister Vinc, fette DH-Tracks und Secret-Trails soweit das Auge reicht. Campingspot direkt an der Bergstation mit Ausblick auf den Genfer See und kitschigem Sonnenuntergang all Inclusive. Zum Abendessen gibts aus unserer Hauben-Campingküche Fondue au fromage, sublimé par Lukas dans toute sa virtuosité – Käsefondue vom Luki persönlich in kulinarischer Höchstform!


Aber Parkplatz am Ende der Asphaltstraße kann jeder. Wer die All-Terrain-Geländereifen am Camper montiert hat, will diese natürlich auch benutzen! Zuerst ein bisschen skeptisch ob wir’s zur Bergstation des Schigebiets schaffen, hat uns dann doch der Einheimische vom Lift ermutigt! “C’est 4×4?? C’est Bon!!” – Na also! Dass aber die Straßen in Frankreich nicht so gut in Schuss sind wie im Glemmtal, ist nicht zu übersehen, aber trotzdem kein Problem für unseren rollenden Palast.
Am Tag darauf steuern wir nach Morgins: Klarer Fall, die besten Anlieger in ganz Frankreich. Leider im Regen, aber was soll’s. Morgins ist nur einmal im Jahr! Also wird die 5-Stunden-Karte ausgefahren, bis wir ausschauen wie’s Kalbsschnitzerl vom Reitbauer persönlich herausgeklopft und paniert. Slip and Slide und so.
Provence de Luxe
Woche zwei unseres Roadtrips dürfen wir uns bei Max, Matzi, Pfuisi und Hanna einbauen. Valberg ist zwar nicht ums Eck, aber die Trails in der Provence lassen uns gern einen ganzen Tag im Auto sitzen.
Die Belohnung dafür folgt schon am nächsten Tag: wie gemalt erheben sich die provenzalischen Berge in den tiefblauen Himmel, und uns wird schnell klar, wie fein sich die Ruhe der Natur eigentlich anfühlt – grad im harten Vergleich mit einer laufenden Stihl auf Ohrenhöhe..
Richtung Rochers de la Maïre sind die 1500 Höhenmeter Uphill in aller Stille wie Balsam für unsere Seelen. So stell ich mir Urlaub vor!


Auf den Spuren des Enduro Weltcups werden die erkämpften Höhenmeter bergab dann erst zum richtigen Hochgenuss. Zuerst schon eher ausgesetzt, dann über weite Wiesen bis sich später im Wald eine Kehre nach der anderen vor uns auftut. Gefangen im unendlichen Flow auf einem Wanderweg der Extraklasse – Herrlich.
Dank Max wird die Woche sowieso zum allerfeinsten Festessen an Schmankerl-Wegerl. Rund um Valberg serviert er uns ein Traumwegerl nach dem anderen, angefangen mit einer Trilogie an farbigem Untergrund:
Am Dienstag gibt’s als Abendrunde ein Grey-Earth-Vergnügen, am Mittwoch erwarten uns 1500 Tiefenmeter am Stück auf roter Erde und am Donnerstag eine Runde vom aller feinsten auf weißem Boden.


Schuld an dem Übermaß an Flow sind übrigens die Esel! Die waren seinerzeit in Verwendung um allerhand über die Berge zu transportieren, und zu unserem Glück gehen die Viecher genauso ungern steil bergauf wie wir bergab fahren. So schlängeln sich die Trails hier in die Landschaft wie handgebaut nach IMBA-Lehrbuch.
Am Freitag wird’s dann nochmal zapfig. Von Sospel aus starten wir mit 700 Höhenmetern Hike&Bike auf den Grand Mont. In der Hitze alles andere als genüsslich, aber als Entschädigung gibt’s jetzt zusätzlich zum Berg-Kitsch auch noch das weite Meer, welches sich langsam, aber umso imposanter vor uns auftut. Apropos Entschädigung: Als allerletztes Ass schüttelt da Max für uns nochmal einen Trail der Extraklasse aus seinem Ärmel. Vom 1400 hm hohen Grand Mont schlängelt sich dieser einfach nicht enden wollend Richtung Meer und spuckt uns direkt an der Küste direkt in Menton aus.

So sitzen wir irgendwann am späten Nachmittag im Sand am Meer, mit Bier in der Hand und der Sonne auf dem Bauch.
Keine Ahnung, wie man zwei Wochen Luxus-Bike-Roadtrip besser abschließen sollte!
Und nächstes Jahr? Eh klar!
Die Tradition lebt.
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