Wen wählt man als Grazer Mountainbiker*in?

Christoph Berger-SchauerLesestoff

Gemeinderatswahl Graz 2026 Mountainbike

Am 28. Juni 2026 findet die Gemeinderatswahl in Graz statt. Wir haben alle wahlwerbenden Parteien um Stellungnahme ihrer Position zum Thema Mountainbike gebeten. Wahlempfehlung ist das keine (es gibt mit Sicherheit wichtigere Themen), aber für Mountainbiker*innen kann’s nicht schaden die Einstellung der Parteien zum Thema zu kennen.

Von FPÖ, SPÖ, Neos, DBÖ, KFG, GAZA und PIRAT haben wir keine Antworten erhalten (so viele Enthaltungen wie bisher nur bei der Wiener Gemeinderatswahl 2025). Die Anworten der anderen Parteien werden in zeitlicher Reihenfolge der Beantwortung nachfolgend aufgelistet.


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1) Wie nehmen Sie die aktuelle Situation des Mountainbike-Sports in Graz wahr? 

ÖVP (auf-/zuklappen)

Mountainbiken boomt in und um Graz. Generell ist der Radsport in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Insbesondere rund um Vereine wie den Bikeclub Stattegg gibt es eine lebendige Szene und eine hervorragende Nachwuchsarbeit. Von Graz aus bestehen zahlreiche attraktive Möglichkeiten, mit dem Mountainbike unterwegs zu sein. Schwieriger ist die Situation bei den Trails, da das Angebot der Nachfrage derzeit noch hinterherhinkt.

KPÖ (auf-/zuklappen)

Ausbaufähig – es gibt sehr viele illegale Trails – auf zu kleiner Fläche soll zu viel gleichzeitig stattfinden. Und einzelne Nutzergruppen behindern sich gegenseitig. Das aktuelle Angebot ist zwar gut, aber bei weitem nicht ausreichend und kann sich niemals nur auf das Stadtgebiet beschränken, sondern führt in fast allen Fällen darüber hinaus.

GRÜNE (auf-/zuklappen)

Graz ist tatsächlich ein kleines Mekka der österreichischen MTB-Szene. Mit einer Weltcup-Training-tauglichen MTB-Strecke am Schöckl, die direkt von der Stadt Graz betrieben wird. Mit einem vielfältigen legalen und offiziellen Trail-Angebot. Mit dem Sitz mehrerer MTB-Vereine, Größen des Radsports, die Graz ihre Heimat nennen, und nicht zuletzt sitzt auch DAS MTB-Magazin von Österreich in Graz.


2) Was sind Ihrer Meinung nach die größten Chancen und Risiken des Mountainbike-Sports in Graz?  

ÖVP (auf-/zuklappen)

Graz ist eine Radstadt – sowohl für den Rennrad- als auch für den Mountainbike-Sport. Beide Bereiche müssen als Themen des gesamten Zentralraums betrachtet werden, da die Strecken meist über das Grazer Stadtgebiet hinausführen. Manche Angebote, etwa am und rund um den Schöckl, liegen überhaupt außerhalb des Stadtgebiets, werden jedoch von der Holding Graz, den Naturfreunden Graz beziehungsweise dem Bikeclub Stattegg betrieben und finanziert.

Hier wäre ein stärkeres Engagement des Landes, insbesondere im Zusammenhang mit der Landeskoordination, dringend erforderlich. Letztlich geht es dabei auch um die Sicherstellung der notwendigen Finanzierung.

KPÖ (auf-/zuklappen)

Chancen: Die Tourismusregion Graz steht hinter einem Gesamtkonzept zur Umsetzung und holt neben der Stadt Graz auch die Umlandgemeinden ins Boot, weil die Nutzung ja nicht an der Stadtgrenze endet. Weiters ist die Freizeitpolizze des Landes Steiermark eine wichtige Grundlage für weiterführende Aktivitäten.

Risiken: zu viele Einzelinitiativen, die ungeordnet und illegal gestaltet werden bringen die Waldeigentümer:innen gegen das Mountainbiken auf und verhindern eine Gesamtlösung. Weiters ist die Grundstückseigentümer:innenstruktur in und um Graz bis auf einige Ausnahmen äußerst kleinstrukturiert und steht großräumigen Lösungen fast immer entgegen.

GRÜNE (auf-/zuklappen)

Nachdem MTB ein Breitensport geworden ist, braucht es einerseits ausreichend Trails und MTB-taugliche Anlagen wie Pumptracks, auf denen geübt werden kann. Dazu ist auch ein Netz aus Bike-Schulen wichtig, damit das gefahrlose und sichere Fahren erlernt und geübt werden kann.


3) Mountainbiken ist mittlerweile ein Breitensport. Wen sehen Sie in der Verantwortung, eine attraktive MTB-Infrastruktur in Graz zu schaffen?  

ÖVP (auf-/zuklappen)

Soweit die Stadt selbst Grundeigentümerin ist, funktioniert das Engagement gut. Es stößt jedoch dort an seine Grenzen, wo private Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer zu keiner Kooperation bereit sind. Eine einheitliche Koordination sowie ein Anreizsystem für Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer wären daher wesentliche Schritte für die weitere Entwicklung.

KPÖ (auf-/zuklappen)

Partner in der Schaffung einer Infrastruktur können ausschließlich die Gemeinden vor Ort sein. In Graz und Umgebung tragen das die Gemeinden über Kooperationsvereinbarungen wo die Wegeentgelte für die Waldeigentümer:innen bezahlt werden. Es gibt also bereits ein umfassendes Bekenntnis der Gemeinden Verantwortung in GU-Nord und auch der Stadt Graz zu übernehmen.

GRÜNE (auf-/zuklappen)

Es sind sowohl die Grazer MTB-Vereine als auch die Stadt Graz gefordert, gemeinsam gute Lösungen zu finden. Mit der Freizeit-Polizze (Die Freizeit-Polizze schließt das Haftungsrisiko für Weghalter praktisch aus) des Landes Steiermark gibt es hier eine gute Möglichkeit für legale und haftungssichere Trails zu sorgen. 

Da ist etwa z.B. im Leechwald geglückt, ebenso gibt es am Plabutsch und auf der Platte legale öffentliche Trails. Wichtig sind auch der Pumptrack bei den Eustacchio-Gründen und die Dirt-Jumps bei der Maut Andritz.

Mit dem Grazer-Kinder-Radlbonus haben wir für über 3000 Kinder außerdem eine Möglichkeit geschaffen, viele Kinder schon sehr früh fürs Radfahren zu begeistern. Mit dem Radlbonus werden ganz gezielt die lokalen Radhändler:innen unterstützt und viele Kinder aus den 3. Klassen der Volksschulen können so sehr früh das Radfahren lernen. Wir haben dadurch eine Vielzahl von Kindern mit bis zu € 250 unterstützt, mit denen Kinderräder und Kinderrad-Equipment gekauft werden kann.


4) Asphaltierte Pumptracks bieten insbesondere Kindern und Jugendlichen ein niederschwelliges und attraktives Bewegungsangebot. Derartige Anlagen entstehen derzeit in vielen Städten und Gemeinden. Würden Sie die Errichtung eines solchen Angebots in Graz auf Ihre Agenda setzen?  

ÖVP (auf-/zuklappen)

Auch hier muss der gesamte Großraum betrachtet werden, in dem es bereits entsprechende Angebote gibt. Der im Jahr 2020 in Mariatrost geplante Pumptrack wurde durch Einsprüche einiger Bürgerinnen und Bürger verzögert. Obwohl sämtliche Einsprüche nun nach vier Jahren rechtskräftig abgewiesen wurden, konnte das Projekt bislang nicht umgesetzt werden.

Die Stadt hat daher über das Sportamt zwischenzeitlich einen mobilen Pumptrack angeschafft. Darüber hinaus wurden in Reininghaus, auf den Eustacchiogründen sowie am Bezirkssportplatz in der Theodor-Körner-Straße sogenannte Tablelines errichtet. Die Umsetzung des geplanten Pumptracks in Mariatrost hängt nun von der Finanzierung in der nächsten Gemeinderatsperiode ab.

KPÖ (auf-/zuklappen)

Natürlich ist uns bewusst, wie gefragt Pumptracks im Speziellen und wie wichtig Bewegung gerade für unsere Jüngsten im Allgemeinen ist. Gerne sind wir zur Aussage bereit, dass wir derlei Angebote auf unsere Agenda setzen. Dennoch kann man kein konkretes Versprechen abgeben, weil der finanzielle Rahmen auch in der nächsten Periode recht eng gesteckt sein wird. So ehrlich muss man sein – auch oder gerade im Wahlkampf.

GRÜNE (auf-/zuklappen)

Ja, würden wir. Das Sportamt hatte einen solchen auch auf seiner Agenda, die Verfahren sind unseres Wissens auch abgeschlossen. Dieser hätte in Mariatrost gebaut werden sollen. Das werden wir sehr gerne für die kommenden Jahre aufnehmen. 

Wir selbst haben – nicht so sehr für sportliche Zwecke gedacht – zwei Radspielplätze geschaffen, auf denen das sichere Fahren geübt werden kann. Auch mit speziellen Elementen, wie zB einer „Übungs-Straßenbahnschiene“, zum sicheren Queren von Gleisen. 


5) Welche konkreten Maßnahmen würden Sie in der nächsten Legislaturperiode treffen, die direkt den Mountainbike-Sport in Graz betreffen?

ÖVP (auf-/zuklappen)

Graz ist eine zertifizierte „Active City“ und sollte sich daher als internationale Bike-City positionieren. Gut ausgeschilderte Rennradtouren und ein familienfreundliches Mountainbike-Tourennetz sind dafür unbedingt notwendig.

Graz und die Region verfügen bereits über starke Bausteine für ein sichtbares Bike-Profil: den Schöckl mit seiner Trail Area, Stattegg als sportlich und szenenah geprägten Standort sowie die Verbindung von Stadt, Naturraum und touristischer Vermarktung. Die Chance liegt darin, diese vorhandenen Stärken zu einem gemeinsamen Leitprodukt weiterzuentwickeln.

KPÖ (auf-/zuklappen)

Die Finanzierung einer Person / eines Vereins zu übernehmen, der sicherstellt, dass die Strecken regelmäßig befahren und kontrolliert werden, so wie das die Holding Graz im Rahmen der Trail Area am Schöckl sicherstellt. Das wäre die Basis für weiterführende Maßnahmen im MTB-Sport und würde Haftungsrisiken minimieren bis sogar ausschließen!

GRÜNE (auf-/zuklappen)

Ein eigener städtischer MTB-Koordinator oder eine Koordinatorin war bereits in Planung. Das werden wir gerne aufgreifen, um damit – ähnlich wie mit dem Landeskoordinator Markus Pekoll – eine Ansprechperson und einen Kümmerer, um die Grazer Trails zu haben. Hier ist viel Verständnisarbeit notwendig, damit die Grundeigentümer ihre Wege freiwillig und abgesichert öffnen. Dazu ist durch die Freizeit-Polizze alles angerichtet, es braucht dann „nur“ mehr das Zusammenwirken der Vereine mit den Eigentümern. Hier wollen wir gerne tatkräftig mithelfen.


Stellungnahme M F G am 26.6.2026 (auf-/zuklappen)

Vielen Dank für Ihre Anfrage!
Leider war es uns zeitlich nicht möglich Ihre Fragen zu beantworten.
Als kleines Team in den letzten Tagen vor der Wahl, war es leider zu knapp.
Als Sportler, der physische Freizeitgestaltung klar unterstützt, bin ich dem positiv gesinnt.
Fundierte klare Antworten, welche nicht nur Wählerstimmen fischen sind, kann ich nun allerdings leider nicht geben.
Trotzdem vielen Dank!


Es gibt natürlich viel wichtigere Themen als das Mountainbiken und die sollten deine Wahlentscheidung natürlich maßgeblich prägen. Bitte beachte das bei der Abgabe deiner Stimme.

Über den Author

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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