Fotos: Enduro2
Beim Enduro2 fährt man, wie der Name schon verrät im Duo. Dass das eine Mordsgaudi ist, haben wir letzets Jahr bereits feststellen können. So war es für uns klar, auch heuer wieder an den Start zu gehen – und das sogar in einem neuen Venue.
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Enduro fahren zu zweit hört sich immer etwas komisch an – so gab’s bei uns in der näheren Umgebung auch wenige Rennformate, die dies ermöglichten. Heuer gab es mit dem SloEnduro in Ljubljana und dem Blinduro in Lipno zwar zwei Rennen, bei denen man als Duo um die Bestzeit fahren konnte, deutlich länger gibt’s aber die Enduro2-Serie, die sich über Frankreich und die Schweiz erstreckt.

Das erste Mal Paar-Enduroluft schnuppern konnten der Max Trafella und meine Wenigkeit bereits letztes Jahr beim Enduro2 in Méribel. Drei Tage lang blind über für uns komplett unbekannte Trails zu racen, hat einfach etwas komplett Frisches und Abenteuerliches. So war’s keine Überraschung, dass es uns so gehooked hat, dass wir dieses Jahr unbedingt wieder an den Start gehen wollten. Méribel kannten wir schon, also entschieden wir uns, beim Stopp in der Aletsch Arena in der Schweiz mitzufahren. Es war das erste Mal, dass das Enduro2 in der Region gastierte, also waren wir beide schon extrem gespannt, was uns erwarten würde.
Eines aber noch vorweg: Ganz neu waren einige der Trails für mich nicht. Anfang Juli fand nämlich auch schon ein Enduro-Weltcup dort statt, bei dem ich an den Start gegangen bin. Trotzdem hat man es geschafft, viele neue Wegerl für das Enduro2 herzurichten oder bekannte deutlich anders zu tapen. Ob es also ein Vorteil war, ist schwer zu sagen – ein Nachteil war’s aber auf jeden Fall keiner.
Anders als gewohnt geht ein Enduro2-Wochenende von Samstag bis Montag. Die Anreise zum Event war für uns also Freitagnachmittag. Die Startnummernausgabe war aber nicht im Tal, dafür musste man schon einmal mit der Gondel rauf zur Bettmeralp. Per Auto ging das nicht – der Ort ist nämlich komplett autofrei. Also einmal rauf, Startnummer holen – wir bekamen die 31 (das sollte noch zum Problem werden) – und wieder per Gondel runter. Nach einem g’scheiten Carb-Loading à la Nudeln mit Pesto ging’s früh ins Bett. Um unseren Rollout-Slot zu erreichen, mussten wir nämlich schon um 7:50 Uhr in die Gondel steigen.
Pedalieren muss man bei Enduro2 in der Regel sehr wenig und nur, wenn wirklich kein Lift zur Verfügung steht. Am ersten Tag waren es nicht einmal 300 Höhenmeter bei rund 3.000 bergab. Von den 300 sollte aber rund die Hälfte – gefühlt – in der ersten Stage sein.

Tag 1 – ein gemächlicher Start
In der Gondel zur Stage 1 spaßelten wir noch, warum die Leute unter uns denn nicht mehr treten. Aber nach ein paar Trailminuten war relativ schnell klar, dass wir nicht besser dabei waren. Der Start war hingegen wahnsinnig idyllisch. Mit Blick auf den riesigen Gletscher ging’s über einen flowigen Wanderweg, der wie fürs Biken gemacht war, los. Der erste Gegenanstieg ließ aber nicht lange auf sich warten und genauso wenig der erste Lungenpatschen. Max ist vorgefahren – und zwar mit einem solchen Tempo, dass ich keine Chance hatte, dranzubleiben. Meine Frage, wie er das zwölf Minuten lang durchhalten wird, hat sich aber nach der halben Zeit selbst beantwortet, als ich ihn überholt habe und er auf einmal hinter mir weg war.
Damit waren meine Sorgen, dass dies doch kein ausgeglichenes Wochenende für uns beide wird, wieder vom Tisch und die Pace für die nächsten Tage gesetzt – das passt. Der erste Tag war im Rückblick der schwächste was die Stages betrifft. Zwei eher fade Flowtrails und ein unspektakulärer Wanderweg. Nur die dritte Stage, die sich technisch, aber trotzdem flowig fahren ließ, ist herausgestochen.

Rough, rougher – Tag 2
Tag zwei ging gleich einmal wild los. Die Oldschool-Downhillstrecke hat’s nämlich in sich. Steil, extrem rough und richtig schnell. Wach war man danach auf jeden Fall, und ich kenne persönlich keinen Trail, bei dem einem die Arme so sehr zumachen wie da. Bis auf eine Flowline waren aber auch die anderen Stages des Tages besonders und abwechslungsreich. Die Trails in Bellwald haben einen komplett anderen Charakter als der Rest und sorgten für eine willkommene Abwechslung.
Die letzte Stage des Tages war wiederum ein Highlight. Zu dieser Stage sind wir nach einer kurzen Handy-Such-Exkursion am Transfer ein bisserl später als gewohnt gekommen und somit auch in mehr Verkehr als sonst.
Die erste Hälfte war eine Materialschlacht, wie sie härter nicht hätte sein können. Ein relativ breites Wegerl, auf dem man mit einem Mordsspeed in Steinfelder reinhält. Der Streckenrand war voll mit Teams, die bei der Reifenwahl Gewicht über Sicherheit gestellt hatten – und die Folgen zu spüren bekamen. Nachdem der Trail dann wieder auf einen schmäleren Wanderweg geht, ist’s dann aber doch passiert. Meine Kette ist vom Kettenblatt gesprungen und im Stress hab ich sie natürlich nicht auf Anhieb draufbekommen. Das hat uns leider extrem viel Zeit gekostet und uns in der Ergebnisliste auch von Platz vier auf fünf katapultiert.
Die 5.000 Tiefenmeter gingen aber nicht spurlos an uns vorbei und am Abend ging’s schon vor neun ins Bett. Auch ein Spaßrennen kann brutal zach sein.

Tag 3 – Aufholjagd bis zum Schluss
Tag drei und somit das Finale ging gleich einmal auf knapp 3.000 Metern los. Die Stages an dem Tag waren unter den besten des Wochenendes. Richtig abwechslungsreich, mit einigen ganz frischen Loam-Stückerln zwischendrin. Dass die Tage davor auch schon richtig zach waren, merkten wir aber beide. Die Taktik am Wochenende war eigentlich durchgehend dieselbe: Vorfahren tut der, der sich gerade besser fühlt, und das Wichtigste ist, Spaß zu haben.
Da aber sowohl der Max als auch ich am meisten Spaß haben, wenn wir richtig schnell fahren, war so schnell wie möglich zu fahren das erklärte Ziel – und somit doch noch auf Platz vier vorzufahren. Das Podium war zu diesem Zeitpunkt leider schon komplett außer Reichweite.Die letzte Stage des Rennens war der berühmte Glaciara-Trail. Ein richtig technischer, verblockter Weg mit ein paar Highspeed-Sektionen und gar nicht so wenig zum Treten. Perfekt für ein Grande Finale also. Im Nachhinein auch eine der besten Stages des Wochenendes.

Trotz gutem Radlfahren hat’s aber doch nicht für den vierten Platz am Ende gereicht. Verschlechtert haben wir uns aber auch nicht mehr. Groß war die Enttäuschung nicht, viel größer war die Erleichterung, dass man ein richtig anstrengendes und forderndes Wochenende hinter sich gebracht hat und echt viel Radl gefahren ist – und das immer zu zweit.
Nach dem vierten Platz letztes Jahr und dem fünften Platz heuer sind wir aber noch immer heiß auf das Podium – das Ziel ist also klar:
Enduro2 Verbier 2027, wir kommen!
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