Gutes Teil gegen schlechtes Wetter

Christoph Berger-SchauerMaterial

Dirt Love Regenjacke Glacensis

Fotos: Marek Chabros

Dirt Love hat letztes Jahr eine Regenjacke vorgestellt – das 20K Explore Jacket – und wir haben sie neun Monate lang beim hundigsten Wetter ausgeführt.


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Als Einstieg nochmal ein schneller Überblick. Unsere Freunde von Dirt Love haben im selben Jahr gegründet wie wir. Das war 2014. Angefangen hat alles im Kopf von Chef Markus Weissinger und war sehr „lifestylig“: hauptsächlich T-Shirts und Caps, optisch mit schwerer Kalifornien-Schlagseite.

In den letzten Jahren hat sich die Marke aber ordentlich entwickelt. Sie ist irgendwie erwachsener geworden, ist aber cool gealtert. Ungefähr so wie der Steve Peat. Die Sortimentspalette wurde breiter, die einzelnen Produkte komplexer. Vom einfachen Siebdruck-Shirt zur Fleece Weste mit Mesh-Innenfutter, wasserdichten Zip-Taschen und Kordelzug.

Zum 10-jährigen Firmenjubiläum traute sich die niederösterreichische Marke dann über die, wie wir finden, Königsdisziplin drüber: eine Regenjacke. Königsdisziplin deshalb, weil es nirgends so auf gute Qualität drauf ankommt, wie bei einer Regenjacke. Ob der Pulli 100% top ist, ist halb so wild. Ob das Cap komplett gerade sitzt – wurscht. Wenn man aber in der Schiffe steht und es fängt an nass-kalt durchzusickern, dann wünscht man sich nichts so sehr, wie eine gscheite Regenjacke.


Dicht? Ja.

Was will man also von einer Regenjacke wissen? Genau, ob sie dicht ist. Dirt Love verspricht 20.000mm Wassersäule. Also einiges. Noch besser als eine Angabe auf einer Produktseite? Die Probe aufs Exempel.

Wir dürfen uns (mit ein bisserl Stolz und Glück) auf die Fahnen heften, dass wir die Dirt Love Regenjacke wirklich in den widrigsten Bedingungen getestet haben. Und das in Spanien! Eigentlich flogen wir Anfang März nach Santa Coloma de Farners um unsere Hautfarbe etwas zu tönen, doch das Land der Siestas und Fiestas schenkte uns in einer Woche genau zwei trockene Tage. Das grausigste Wetter bekamen wir gleich zu Beginn serviert. Biken am Anreisetag war in etwa so verlockend wie Eis essen bei Minusgraden. Es ist der Hälfte unserer Reisegruppe also auch im Nachinein nicht zu verübeln, dass sie kniffen und die trockene Ferienwohnung den Trails vorzogen. Die erste Auffahrt war noch nicht tragisch. Bisserl Regen, ja mei. Wer die Trails in Santa Coloma kennt, der weiß: Sandstein ist im Nassen unglaublich geil zu fahren. Das Blatt wendete sich allerdings flott, als wir am Ende der ersten Abfahrt, Mitten im Nirgendwo in einem uns unbekannten Gebiet ankamen und zurücknavigieren mussten. Es regnete so viele dicke Tropfen, dass es unmöglich wurde ein Touchscreen-Display zu bedienen. Ein Moment, wo man sich kurz fragt: Okay, wie tun wir jetzt weiter? Unterm 20K Explore Jacket konnte man wenigsten in Ruhe eine Antwort auf diese Frage überlegen, ohne von den fetten, kalten Tropfen gepeinigt zu werden. Blöd nur, dass das oben erwähnte Smartphone nicht in dieser Jacke steckte. So bekam es Wassermassen ab, die offenbar die Wasserdichtheitsgrenze von Apple überstiegen. In der Kameralinse konnte man das Wasser innen sehen. Das Display gab am nächsten Tag den Geist auf.

Dirt Love Regenjacke Glacensis
Kein Aufblähen im Wind. Kein beengtes Gefühl. Der Fit ist klass‘.
Dirt Love Regenjacke Glacensis
Es war wirklich richtig, richtig nass.

Hardcore-Einsatz, die Zweite. Richtig nass wurden wir auch beim Trip im Mai in die Bike Region Glacensis. Es war wunderschön in Polen, bis es halt zu Regnen anfing. Das war am Weg vom Bike Park Destne zum Family Bike Park Zieleniec. Der Großteil unserer Gruppe hüpfte bei der ersten Möglichkeit aus dem Shuttle. Als eine Handvoll blieben wir übrig, die wir Richtung Unterkunft am Grenzweg weiterradeln wollten. Kaum hatten wir uns vom Rest verabschiedete, öffneten sich die Schleusen. Der Weg war ein einziger Bach. Durch die Brille war kaum noch etwas zu sehen. Der Himmel wurde so finster, dass wir ohne unseren Local wahrscheinlich den Weg nicht mehr gefunden hätten. Blöd war nur, dass der ein austrainierter Marathonisti war. Den Anschluss nicht zu verlieren, wurde ein Kraftakt im Regen. Nur das 20K Explore Jacket zeigte sich unbeeindruckt. Während andere bei der Auszieh-Session in der Hotel-Lobby Wasserflecken auf den Shirts entblößten, schälte ich mich quasi staubtrocken aus der Regenjacke.


Fit? Loose.

Um’s kurz zu machen: die Jacke ist absolut dicht. Was man noch von einer Regenjacke wissen will? Wie ist der Fit? Und da ist die Dirt Love 20K Explore Jacket nicht die typische Fahrrad-Regenjacke, die vorne so kurz ist, dass alles in den Hosenbund rinnt und im stehen hinten so lang, dass man aussieht, als hätte man einen Latz am Hinterteil.

Dirt Love Regenjacke Glacensis
Macht auch beispielsweise am Sessellift vom Bike gute Figur.

Passend zum Dirt Love-Stil ist sie Oversize, trägt sich sehr leger. Größe Small war bei unserem Haupttester mit 1,74 Meter Körpergröße an der oberen Grenze und passte sogar unserem Sekundärtester mit 1,85 Metern gut. Auch wenn’s die Obergrenze ist, würde aber auch Model 1 wieder zur Small greifen (und keine XS nehmen), weil der Loose Fit am Anfang etwas ungewöhnlich ist, später aber extrem geschätzt wird. Die Regenjacke sitzt nämlich so gut, dass sie sich nämlich nie im Fahrtwind aufbläst, wie man das von Müllsack-inspirierten Exemplaren kennt. Damit fallen alle Nachteile der legeren Passform weg und es überwiegen die Vorteile komplett: mehr Bewegungsfreiheit, mehr Platz für Sachen zum drunter anziehen (z.B. Protektor), mehr Atmunsaktivität, lässigeres Aussehen. Mit der entspannten Passform und dem Rad-unspezifischen Schnitt, macht man mit dem Dirt Love 20K Explore Jacket auch im Alltag eine gute Figur.


Und sonst? Solide.

Nach neun Monaten hat sich unser positiver Ersteindruck nur noch verstärkt. Die Jacke ist hochwertig verarbeitet. Wasserdichtheit nach wie vor vorhanden. Die Nähte halten und schauen robust aus. Die Reißverschlüsse sind keine Fudelei, sondern wirken solide. Die Kapuze hat sich eine besondere Erwähnung verdient. Andere Firmen tüfteln jahrelang an Größe und Verstellbarkeit – Dirt Love hat’s gleich beim Erstlingswerk perfekt hingebracht: Die Kapuze bringt man schön über den Helm (und sie bleibt auch dort), ohne dass sie bei Helm-freier Benützung blöd ausschaut oder vom Kopf rutscht. Die Form ist gelungen, der Kordelzug um sie zu justieren ebenso.

Dirt Love Regenjacke Glacensis
Die Kapuze ist echt gelungen.

Gibt’s Dinge, die uns an der Regenjacke nicht taugen? Uns wär noch kein Manko aufgefallen. Wasserdicht, grundsolide verarbeitet, super Passform auf und abseits vom Bike, zeitloses Schwarz, plus ein Tascherl um die Jacke zu verstauen gibt’s obendrein dazu. Da macht man nichts falsch.

Über den Author

Christoph Berger-Schauer

Dicke Schlappen, schmale Reifen, bergauf, bergab – ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado, seit einiger Zeit vom Enduro-Virus befallen. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können.

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