Fotos: Patrick Wasshuber
Flow ist eine sehr individuelle Sache. Die 360 Flow Trails Kitzbühel Kirchberg tun alles, damit die ganze Bike-Familie in den Flow-Genuss kommt.
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Für den einen sind große Anlieger und Roller richtig flowig. Für den anderen leichte Einsteigertrails. Manch einer findet seinen Flow erst, wenn’s zwischen Steinen und Wurzeln zur Sache geht. Und wieder ein anderer zieht seinen Flow gar nicht so sehr aus der Art von Trail, sondern aus dem Panorama.
Die Region um Kitzbühel und Kirchberg in Tirol ist eine der längst-dienensten Bike-Destinationen in Österreich. Sehr früh hat man mit Fleckalm, Gaisberg und Lisi Osl Trail dezidierte Wegerl für Mountainbiker*innen geschaffen. Wirklich lässige und geschichtsträchtige Strecken, die nach Weltcup-Siegerinnen benannt sind und auf denen Wettkämpfe wie die Downhill Staatsmeisterschaft sowie die Enduro ÖM und EM stattgefunden haben. Fahrtechnisch bediente man die obere Hälfte der bikenden Flow-Sucher bereits seit langem.
In letzter Zeit hat die Destination allerdings nochmal einen Sprung gemacht, der sie zu einer Region macht, in die man guten Gewissens mit der ganzen Familie zum Biken fahren kann. Den Start machte der blaue Hahnenkamm Trail 2019 und seitdem geht’s dahin. Es folgten die Family Area Streiteck und die Sonnenrast Trails. Heuer wurde mit dem Kirchberg Trail ein Trail-Projekt ordentlichen Ausmaßes eröffnet, das Flow für sehr viele bringt – und Flow zwischen zwei Bergen. Das ganze spiegelt sich in der neuen Marke wieder. Die Region trägt nun den Titel 360 Flow Trails Kitzbühel Kirchberg.


Die goldene Mitte als Start
Die Fleckalm Bahn ist seit jeher das biketechnische Zentrum der Region. Kurt Exenberger lehrte hier schon Kapazundern wie Downhill-Staatsmeister Kevin Maderegger (und vielen anderen) die richtige Kurventechnik und auch MS Racing-Teaminhaber Markus Stöckl wohnt nicht weit von der der Talstation entfernt. Mit dem Neubau der Bahn liegt der Status als Ausgangspunkt noch mehr auf der Hand. In geräumigen 10er Gondeln mit zwei Bike-Ständern geht’s komfortabel – fast schon luxuriös – knapp 1.000 Höhenmeter rauf. An der Bergstation eröffnet sich volley ein Mega-Panorama und alle Möglichkeiten nach Nord, Nordost, Nordwest und Süden.
Beginnen wir mit der familienfreundlichsten Variante: gen Süden. Direkt am Gasthof Sonnenrast gegenüber der Fleckalm Bergstation steht eine massive Holzschnecke. Die lädt Terrassensitzer zu neugierigen Blicken ein und Biker*innen juckt’s beim Anblick, weil man wissen will, wie so etwas zu fahren ist. Ganz easy, wie sich rausstellt. Der Kreisel passt gut zum neuen Namen. Ebenso easy geht’s auf den grün-blauen Sonnenrast Trails in die sogenannte Streiteck Mulde. Rund 140 Meter tiefer gelegen, aber auch mit massivem Panorama gesegnet. Dort wartet die Family Area Streiteck – und ein Förderband, um das Handvoll an Aufwärm-Wegerl von leicht bis Jumpline so oft auszuprobieren, bis man wirklich, wirklich aufgewärmt ist. Wer nach oder während dem Warm up eine Pause braucht, dem wird im Jufen Beach (Bar) direkt daneben geholfen. Für Stärkung fester Art ist der Gasthof Sonnenrast eine echte Empfehlung. Von der Streiteck Mulde kommt man dank der Sonnenrastbahn leichter hin als mit der U-Bahn zum Stephansdom.



Zeit für was Langes
Gestärkt? Gestärkt. Nach Aufwärmrunden und Kaiserschmarrn ist die ganze Familie gerüstet für lange Abfahrten. Da bietet ein Startpunkt auf 1.800 Metern Seehöhe einige Möglichkeiten. Wir einigen uns auf die Richtung, die der Startbogen „Kirchberg Trail / Fleckalm Trail“ vorgibt. Hinten spitzeln der Hochriss und schneebedeckte Kolosse hervor, während wir in das neueste Leuchtturm-Projekt einbiegen. Der Kirchberg Trail schlängelt sich über 10 Kilometer und 1.000 Tiefenmeter ins Tal. Selbst flotte Biker*innen brauchen zwischen 20 und 30 Minuten für die Abfahrt, obwohl hier wirklich geschmeidige Linienführungen dominieren und keine Hindernisse den Weg verkomplizieren. Die meisten Youngsters sitzen unglaublich solide am Radl, so wie Emily und Felix auf unseren Fotos. Ein ganzer Tiefenkilometer ist allerdings auch für ausgewachsene Radfahrer*innen eine Ansage, vor allem in Punkto Konzentration. Da kommt es gelegen, dass der Streckenverlauf die Gasthöfe entlang des Weges ansteuert, wie die Ochsalm oder die Bergschenke Krin.



Aufatmen werden alle Fans des Fleckalm Trails. Und das schon nach wenigen Kurven. Die Enduro-Legende ist noch da. Sie wurde nicht vom Flow-Projekt geschluckt. Ganz im Gegenteil: Fleckalm und Kirchberg Trail beginnen nun gemeinsam und splitten sich zum Originalstart vom Fleckalm Trail wieder auf. Ergo wurden die Trail-Meter für alle verlängert. Zu Beginn kreuzen sich Kirchberg und Fleckalm Trail mit aufwendigen und spektakulären Holzbrücken immer wieder. Nach ein paar Höhenmetern zieht der eine (Fleckalm) direkt zur Fleckalmbahn-Talstation retour, der andere gen Gaisberg. Und das ist das wirklich Lässige: Dank der neuen, blauen Strecke gibt’s jetzt eine Trail-Verbindung bis zum Gaisberg Sessellift, wo knackigere Strecken wie der Downhill-erprobte Gaisberg Trail oder der Lisi-Osl-Trail warten. Ideal für schnelle Mama- oder Papa-Runs, falls die Juniors ein bisserl länger bei der Cremeschnitte auf der Hütte bleiben wollen.


Ausklang zwischen Gucci und Armani
Die Bike-Schaukel lässt sich um einen zusätzlichen Hang erweitern – und zwar um einen ganz berühmten: den Hahnenkamm. Hat die ganze Familie auf den Sonnenrast Trails, in der Streiteck Mulde und am Kirchberg Trail eine gute Figur gemacht und lechzt nach mehr Flow, dann ist es Zeit von der Fleckalm Bergstation Richtung Nordosten aufzubrechen. Umkreist man auf den ersten Trailmetern die Ehrenbachhöhe, tut sich sofort ein Ausblick auf, der markanter nicht sein könnte. Das Kitzbüheler Horn ragt aus der Landschaft. Die St.-Bernhard-Kapelle leuchtet idyllisch aus der Landschaft und das Hahnenkamm Stüberl thront gefühlt genau an der Kuppe, wo die Streif scharf abfällt. Durch diese fast schon kitschige Kulisse meandert der Hahnenkamm Trail dahin. Bis zur Höhe vom Starthaus der Streif. Dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich ein bisserl dem Gelände zu ergeben. Nicht zu krass, aber das Gefälle wird doch merklich mehr, vor allem die Kurven werden flotter. Hin und wieder tun sich ein paar Side Hits für die Motivierten in der Gruppe auf und weiter unten taucht man in einen angenehmen Wald, der noch einmal ein ganz anderes Erlebnis bietet. Vorbei an der Schattberg Sprungschanze kann man dem Nachwuchs beim Mattenspringen zuschauen. Dafür bleibt man aber besser stehen. Einen spaßigen Ausklang bietet die Mockingwiese, das Übungsgelände vom Ride Kitz – Bike Club Kitzbühel. Und dann sollte man sich eines nicht entgehen lassen: Mit dem Bike zwischen Gucci, Armani und Rolex durch das schöne Zentrum von Kitzbühel zu rollen.

Der soeben geschilderte Ablauf ist natürlich nur ein Vorschlag. Wie man die Berge und Trails in Kitzbühel und Kirchberg kombiniert, ist jedem selbst überlassen. Wir haben’s genau so ausprobiert, mit Felix (6 Jahre), Emily (7 Jahre) und ihren Eltern Marion und Flo. Alle haben ihren Flow gefunden und als wir weit nach Gondelschluss im Tal eintrudelten, waren die High Fives fest und die Grinser groß.

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